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Tarifkonflikt Kitas, Klinik, Flughafen: Warnstreiks im öffentlichen Dienst in Bayern

Die Gewerkschaften wollen noch einmal Druck machen im Tarifkonflikt. Das bekommt heute im Freistaat vor allem der Süden mit ganztägigen Warnstreiks zu spüren. Betroffen sind Kitas, Stadtwerke und der Flughafen in München.

Von: Birgit Harprath, Johanna Kempter, Birgit Grundner

Stand: 10.04.2018

Kita-Streik | Bild: picture-alliance/dpa

Mehr als 90 Behörden und Betriebe mit mehreren tausend Beschäftigten hat die Gewerkschaft Verdi für heute auf ihrem Streikplan stehen. Im Raum Rosenheim legt das Personal in kommunalen Kliniken die Arbeit nieder - die Versorgung der Patienten sei aber sichergestellt. In München trifft es unter anderem die Straßenreinigung und die Müllabfuhr.

Münchner bleiben auf Müll sitzen

Die Wertstoffhöfe in der Landeshauptstadt sind zu. Außerdem bleiben knapp 90 Prozent der Restmüll-, Papier- und Biotonnen stehen. Für den Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) ist das ein Problem, das sich nicht so schnell wieder auflösen lässt. Der AWM leert täglich mehr als 57.000 Müllbehälter in über 220 Lkw-Ladungen. "Es wird einige Wochen dauern, bis wir wieder zur Normalität zurückkehren können", sagt die stellvertretende Werkleiterin. Man könne die Tonnen in der Regel erst wieder beim nächsten Turnus anfahren.

Kitas und Stadtwerke vom Streik betroffen

In Ingolstadt beteiligen sich Beschäftigte der Stadtwerke, in Kempten die des Klinikums und des Bauhofes, in Regensburg auch die der Stadtverwaltung  und in Augsburg unter anderem auch Zivilbeschäftigte der Bundeswehr an den Aktionen. Und in mehreren Städten müssen Eltern sich heute frei nehmen oder einen Babysitter organisieren, weil an der Tür der Kita ein Schild mit der Aufschrift "wegen Warnstreik heute geschlossen" hängt. In Regensburg etwa bleiben 26 Einrichtungen geschlossen. In elf gibt es einen Notdienst.

400 Flüge in München gestrichen

Auch am Münchner Flughafen wird gestreikt. Nicht nur die Lufthansa ist von den Warnstreiks im öffentlichen Dienst betroffen: Insgesamt sind für heute gut 400 von 1.200 geplanten Starts und Landungen annulliert. Allein die Lufthansa hatte bereits gestern 240 Flüge abgesagt.

Zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen sind die Mitarbeiter der Flughafen München GmbH, der FMG-Abfertigungstochter Aeroground und der Sicherheitsgesellschaft, die für die Passagierkontrollen zuständig ist. Um neun und zwölf Uhr wird es jeweils Kundgebungen auf der Fläche zwischen den beiden Terminals geben.

Passagiere sprechen von Chaos

Die meisten betroffenen Passagiere hätten sich auch im Vorfeld bereits darauf eingestellt und seien gar nicht erst gekommen, wie ein Flughafensprecher dem Bayerischen Rundfunk sagte. Der Betrieb in den Terminals laufe jedenfalls "ruhig".

BR-Reporter am Flughafen berichten dagegen von Schlangen an den Umbuchungsschaltern - auch an dem der Lufthansa. Passagiere sind wütend: "Mein Flug ist gecancelt – jetzt soll ich angeblich ein Bahnticket kriegen. Aber es ist nicht möglich, rauszukriegen, wo. Das Lufthansa-Service-Center ist nicht besetzt – also ziemlich, chaotisch finde ich."

Ein anderer Reisender wollte eigentlich in die USA fliegen. Er klagt darüber, dass ihm der Streik den Urlaub verhagelt: "Streiken ja – aber das dann auf die Touristen abzuwälzen, die für den Urlaub bezahlt haben. Es trifft viele Leute, die gar nichts dafür können."

Verdi verteidigt Streik

Norbert Flach, stellvertretender Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, verteidigt den Ausstand. Es gebe immer Drittbetroffene beim Arbeitskampf. Sonst könne im öffentlichen Dienst gar nicht gestreikt werden. "Und am Ende werden die Mitarbeiter dann zu Bettlern, was ihre eigenen Arbeitsbedingungen angeht", so Flach. Es habe zwei Verhandlungsrunden gegeben. Die Arbeitgeber hätten ein vernünftiges Angebot unterbreiten können. Flach: "Dann wären die Warnstreiks möglicherweise gar nicht nötig gewesen."

Die Arbeitgeber weisen den Vorwurf zurück. Thomas Böhle, Verhandlungsführer der Kommunen, verweist auf die Teilerfolge beim letzten Treffen: "Und gerade deswegen verstehe ich diese Streiks überhaupt nicht, zumal sie ausschließlich zu Lasten Unbeteiligter erfolgen."

Streikbereitschaft ist groß

Am Mittwoch wird dann bei den Kommunen im Süden des Freistaates wieder gearbeitet. Dann legen Beschäftigte im Norden die Arbeit für einen Tag nieder. Die Streikbereitschaft ist groß - heißt es bei den Gewerkschaften.

Verhandlungen am Sonntag

Am Verhandlungstisch treffen sich beide Seiten wieder kommenden Sonntag in Potsdam. Dann wird sich zeigen, welches Angebot Bund und Kommunen der Forderung der Gewerkschaften von sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat für die bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigten entgegenstellen und ob das hoch genug ausfällt, um den Tarifkonflikt zu beenden.


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