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Kirchen veröffentlichen Statistik Kirchenaustritte: Was Pfarrer gegen Mitgliederschwund tun

Heute veröffentlichen die Kirchen ihre Mitgliedszahlen und damit auch die Zahl der Kirchenaustritte. Mehrere hundertausend Menschen sind in den vergangenen Jahren aus den Kirchen ausgetreten. Pfarrer versuchen gegenzusteuern.

Von: Veronika Wawatschek, Karin Wendlinger

Stand: 19.07.2018

Gut 23 Millionen Gläubige zählt die Katholische Kirche, 22 Millionen die Evangelische Kirche. Damit gehören über 50 Prozent der Deutschen einer christlichen Kirche an. Doch die Zahlen sinken jedes Jahr. So viele Menschen wie die Bewohner Augsburgs und Bayreuths zusammen – rund 350.000 Gläubige haben allein 2016 die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland verlassen. Die Zahlen für 2017 erscheinen heute.

Pfarrer wollen Mitgliederschwund verringern

Ludwig Sperrer, Pfarrer in der katholischen Pfarrei St. Benno in München, bekommt jeden Monat vom kirchlichen Matrikelamt die Zahl der Austritte in seiner Gemeinde: 195 waren es im vergangenen Jahr. Bei 7.200 Pfarreimitgliedern insgesamt sei das schon eine ganze Menge. Er will das nicht auf sich sitzen lassen und hat deshalb einen Brief entworfen, in dem er die ehemaligen Kirchenmitglieder fragt, warum sie ausgetreten sind.

"Es ist frustrierend, wenn man wirklich jeden Monat ein Packerl mit 20 Austritten in der Hand hat. Dann denkt man sich schon, was macht man denn verkehrt?"
Ludwig Sperrer, Pfarrer in der katholischen Pfarrei St. Benno in München

Unzufrieden mit der Reformunwilligkeit der katholischen Kirche

Auf der Rückseite des Briefes gibt es Antwortmöglichkeiten zum Ankreuzen. Am häufigsten werden Pfarrer Ludwig Sperrer zufolge die Kirchensteuer und die Entfremdung vom Glauben als Grund für den Austritt genannt, aber auch die moralischen Ansprüche der Kirche – etwa beim Zölibat oder bei der Empfängnisverhütung. Viele würden aber auch ankreuzen, dass sie mit der Reform-Unwilligkeit der katholischen Kirche unzufrieden seien. "Zum Beispiel müsste die offizielle Lehrmeinung über Empfängnisverhütung offen und in die Verantwortung der Ehepartner gelegt sein. Man kann nicht mit dem alten Hut daherkommen", sagt Pfarrer Sperrer.

Kirchensteuer ist das i-Tüpfelchen für den Austritt

Pille und Zölibat sind in der Evangelischen Kirche kein Streitpunkt und trotzdem verliert sie Mitglieder: Von den 70.000 Personen, die 2016 in Bayern aus den beiden großen Kirchen ausgetreten sind, stammen 48.000 aus der Katholischen und gut 22.000 aus der Evangelischen Kirche. Die Kirchensteuer sei oft das letzte i-Tüpfelchen, das die Entscheidung besiegle, beobachtet Pfarrer Sebastian Kühnen von der evangelischen Kircheneintrittsstelle in München. Seiner Meinung nach muss die Kirche noch stärker versuchen, den Menschen zu zeigen, dass es sich lohnt, in der Kirche zu sein.

"Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung, das sind die vier Amtshandlungen, die wir haben, wo es eben darum geht, Menschen in besonderen Situationen ihres Lebens zu begleiten."
Pfarrer Sebastian Kühnen, Evangelische Kircheneintrittsstelle in München

Kirche müsse auf die Menschen zugehen

Das hat sich auch der katholische Pfarrer Ludwig Sperrer vorgenommen. Seine Briefe nach dem Austritt verschickt er deshalb nicht per Post: "Ich schwing mich auf mein Radl und werfe sie bei den Leuten in den Briefkasten. Natürlich mit dem Ziel, dass ich klingel' und schaue, ob jemand da ist." Dabei hat sich schon manches interessante Gespräch ergeben. Wieder eingetreten ist daraufhin bisher niemand. Aber immerhin bleibt Ludwig Sperrers Engagement nicht unbemerkt: Einer der Ausgetreten hat sogar mal auf dem Brief vermerkt, dass er den Kontakt mit dem Pfarrer positiv fand.  


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Susi Müller, Freitag, 20.Juli, 09:11 Uhr

14.

Solange die Kirche durch solche Typen wie Marx oder Bedford Strohm vertreten wird, sehe ich schwarz. Ein Marx hat ein Gehalt von ca. 12.000 € pro Monat, plus kostenlose Unterkunft ( und die sehr pompös ) Spritfresser 7er BWM ( höchstmotorisiert ) Zweitwohnsitz in Rom usw. usw. usw. Wasser predigen und Champagner saufen, so schaut es nämlich aus. Und ein Bedford Strohm, der die Aussage tätigte, man muß auch IS Terroristen lieben, nehme ich persönlich nicht für voll. Es gibt genügend "anständige " Pfarrer, die sich um ihre Gemeinden sorgen, aber sorry die beiden gehören nicht dazu. Hinzu kommt der Mißbrauchsskandal, der meiner Meinung nach, auch nicht zufriedenstellend geklärt wurde, also was will die Kirche. Immer mit gehobenen Zeigefinger auf andere deuten, aber nicht auf den eigenen Dreck schauen

websaurier, Freitag, 20.Juli, 08:54 Uhr

13. Bei meinem Austritt...

...habe ich einen großen Fehler gemacht !
Ich war 19 und hätte eigentlich schon mit 16 austreten können!
Das belastet mich immer noch...

Diese kath. Kirche ist an Falschheit nicht zu überbeiten.
Jahrhunderte Heuchelei, GEwalt, Barbarei...
Ekelhaft !

Hans Heinrich, Freitag, 20.Juli, 08:50 Uhr

12. was Pfarrer gegen Mitgliederschwund tun

nix, das Gegenteil ist der Fall
Bekannte wollten eine Taufe, der Pfarrer fand es nicht für nötig zurückzufrufen und einen zeitnahen Termin zu vereinbaren ............................?

Anna, Freitag, 20.Juli, 08:48 Uhr

11. Kirchenaustritt

Ich bin aus der Kirche ausgetreten. Ich komme mit dem Handeln der Kirche nicht zurecht. Wenn Muslime mehr bevorzugt werden als ein Christ, frage ich mich, ob es dann der richtige Glauben ist?!? Es werden mehr Muslimische Rituale "hochgehalten", als die Christlichen. Es soll Wintermarkt heißen und nicht Christkindlmarkt. Da hört sich das "Christliche" auf, wenn meine Werte zerstört werden, nur um so manches Unrecht aus der Vergangenheit zu sühnen. Die Kirche muß moderner werden ja, deshalb sollte sie die Pille/ Kondome (für Afrika) erlauben. Schön wäre es auch, wenn viel mehr die Christlichen Werte gewahrt, einhalten werden. (10 Gebote) Das fängt in den Kita/ Kindergärten und Schulen an mit erklären und pflegen. Auch dürften sie sich nicht in die Politik einmischen, dass geht gar nicht. Das ist nur meine Meinung.

FranzX, Freitag, 20.Juli, 08:36 Uhr

10. Kirchensteuer

Liebe Kirche,

1. Wenn man liest, dass es immer mehr Geringverdiener gibt, die auf jeden Cent schauen müssen ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Menschen zumindest die Kirchensteuer sparen wollen auch wenn sie gläubig sind.
Die Kirche sollte hier Einfluss auf die Politik nehmen. Aber anscheinend reicht das Geld noch lange, denn bzgl. dieses Themas schweigt die Kirche.

2. Rekrutierungsversuche unter den Flüchtlingen sind sehr zweifelhaft und nicht gerne von dem Bürger gesehen.

3. Finanzskandale wie in Eichstätt fördern den Kirchenaustritt. Warum sollte eine Kirche mit Aktien und dergleichen spekulieren.

4. Und natürlich alle anderen Skandale. Schläge, Sex, Pädophile Pfarrer, etc.