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Verband schlägt Alarm Das lange Warten auf den Kinderarzt

Viele Eltern in Bayern machen die Erfahrung, dass sie keine Termine bei Kinderärzten bekommen oder dass die Ärzte keine Hausbesuche mehr machen. Der Grund dafür liege darin, dass viele Kinder- und Jugendärzte überlastet seien, heißt es vom Berufsverband.

Von: Nikolaus Nützel

Stand: 23.06.2017

Kinderarzt im Gespräch mit einer Mutter | Bild: picture-alliance/dpa

Nach Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ist fast der gesamte Freistaat statistisch gesehen mit Kinderärzten mehr als ausreichend versorgt. In Würzburg oder Erlangen, aber auch im Landkreis Starnberg oder im Kreis Garmisch-Partenkirchen liegt der sogenannte Versorgungsgrad bei über 200 Prozent. Auch sonst überschreitet er fast überall in Bayern die 100-Prozent-Marke.

Überfluss nur auf dem Papier?

Doch eine Überversorgung gebe es nur auf dem Papier, sagt der bayerische Landesvorsitzende des Verbands der Kinder- und Jugendmediziner, Martin Lang. Denn die Bedarfsplanung sei vor 25 Jahren gemacht worden und daher bei weitem nicht auf dem aktuellen Stand.

Mehr Aufgaben – mehr Geburten

So sei die Zahl der Früherkennungsuntersuchungen, die Eltern für Kinder und Jugendliche in Anspruch nehmen können, in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Außerdem gebe es zusätzliche Impfungen, über die Eltern oft ausführlich aufgeklärt werden wollten. Und Kinder- und Jugendärzte müssten weit öfter als früher soziale und psychische Probleme ihrer jungen Patienten behandeln, sagt Lang. Und zumindest in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Geburten wieder spürbar gestiegen.

"Wir sind früher in erster Linie als Akutversorger und die Behandler von Behinderungen wahrgenommen worden - heutzutage kümmern wir uns um sämtliche Entwicklungsstörungen, um Schulleistungsprobleme, um Verhaltensauffälligkeiten etc. pp."

Martin Lang, Bayerischer Landesvorsitzender des Verbands der Kinder- und Jugendärzte

Und schließlich seien viele junge Ärzte nicht mehr bereit, 60 oder 70 Stunden in der Woche zu arbeiten, wie es in früheren Medizinergenerationen weit verbreitet gewesen sei. Um zwei Ärzte zu ersetzen, die aus dem Beruf ausscheiden, seien drei Nachwuchsmediziner nötig.

Forderung: Bedarfsplanung überprüfen

Die Bedarfsplanung soll zwar bis zum kommenden Jahr auf Bundesebene überprüft werden. Wenn aber mehr Arbeitsmöglichkeiten für Kinder- und Jugendärzte geschaffen werden sollen, müsse auch mehr Geld fließen, rechnet der Kinder- und Jugendärzteverband vor. Entsprechende Forderungen hätten bei Krankenkassen und Gesundheitspolitikern aber bislang wenig Gehör gefunden.


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