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Familienpolitik Kinder sind in Deutschland ein Armutsrisiko

Familien mit Kindern sind laut einer Studie stärker von Armut betroffen als kinderlose Haushalte. Die finanzielle Belastung steige mit jedem weiteren Kind an, heißt es in einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Besonders betroffen vom Armutsrisiko sind Alleinerziehende.

Stand: 07.02.2018

Familien in Deutschland - Der Schatten von einem Mann mit zwei Kindern zeichnet sich an der Wand einer Kindertagesstätte ab. | Bild: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Kinder sind in Deutschland laut einer Untersuchung der Bertelsmannstiftung ein Armutsrisiko. Als von Armut bedroht gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Bei Familien mit Kindern steige die Belastung mit jedem Kind. Armutsgefährdet seien 13 Prozent der Paare mit einem Kind, 16 Prozent mit zwei und 18 Prozent mit drei Kindern. Für Alleinerziehende liege die Armutsrisikoquote sogar bei 68 Prozent.

Familien mit Kindern sind seit 25 Jahren schlechter gestellt

Haushalte mit Kindern sind laut Stiftung seit 25 Jahren durchschnittlich finanziell schlechter gestellt als kinderlose Paare. Für ärmere Familien sei die finanzielle Belastung durch Kinder im Verhältnis größer als für wohlhabende.

Kindergelderhöhungen haben Situation kaum verbessert

Auch die Einkommensschere zwischen wohlhabenden und armen Familien sei zwischen 1992 bis 2015 weiter aufgegangen, hieß es. In diesem Zeitraum sei es Familien nur durch Ausweitung der Erwerbstätigkeit gelungen, ihre Einkommenssituation zu halten oder zu verbessern. Dabei weiteten meist Frauen ihren Beschäftigungsumfang aus. Dagegen hätten Kindergelderhöhungen die Situation von Familien mit Kindern nicht nachhaltig verbessert.

Stiftungsvorstand: Staat muss Existenzsicherung der Kindern verbessern

Politisch sollte ein größeres Gewicht auf die Bekämpfung von Armut gelegt werden, forderte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. "Vor allem Alleinerziehende brauchen stärkere Unterstützung." Die staatliche Existenzsicherung für Kinder müsse neu aufgestellt und an ihren Bedürfnissen ausgerichtet werden. Die Stiftung plädiert für ein "Teilhabegeld". Darin einfließen sollen das Kindergeld, der Kinderzuschlag, Hartz-IV-Leistungen und der größte Teil des Bildungs- und Teilhabepaktes, mit dem das Essen in Schulen und Kitas, Nachhilfe oder Beiträge für Sport und Kultur unterstützt werden.

Arme Familien wurden bisher reicher gerechnet

Grundlage der Studie sind nach den Angaben neue Berechnungsmethoden der Ruhr-Universität Bochum. Die Wissenschaftler stellten einkommensabhängige Skalen für verschiedene Haushaltstypen auf und ermittelten, welche zusätzlichen Kosten je nach Familientyp und Einkommensniveau durch Kinder entstehen. Sie grenzten sich damit von der oft genutzten OECD-Skala ab, die auf einkommensunabhängigen Werten basiere. Sie überschätze die Einkommenssituation von armen Haushalten und unterschätze die von wohlhabenden Familien, hieß es. Arme Familien würden mit der OECD-Skala reicher, wohlhabende weniger reich gerechnet.


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