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Smartphones Kids hacken Kindersicherung

Apple, Google und Amazon wollen Eltern mehr Kontrolle über die Handys und Tablets ihrer Kinder geben. Alle Unternehmen haben dazu in den vergangenen Wochen neue Funktionen vorgestellt. Wer sich auf YouTube umschaut, gewinnt allerdings einen anderen Eindruck. Hier zeigen Kids, wie sich Eltern-Sperr-Funktionen von Apple, Android oder Amazon aushebeln lassen.

Von: Marcus Schuler

Stand: 19.06.2018

Kinder spielen mit Smartphones | Bild: pa/dpa/FrankHoermann/SVEN SIMON

Apple Chef Tim Cook hatte auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC Anfang Juni noch stolz verkündet, dass Eltern die Smartphones und Tablets ihrer Kinder jetzt noch besser überwachen können. Mit Screen Time - zu deutsch: Bildschirmzeit. Gegenüber dem Radiosender NPR sagte er vor ein paar Wochen: "Seit es den App Store gibt, machen wir uns für Eltern-Kontrolle stark. Doch die neue Funktion gibt den Eltern noch deutlich mehr Möglichkeiten."

Kinder hebeln Sperrfunktion aus

Screen Time heißt die Funktion für Smart Phones und Tablets von Apple, Family Link wird sie für Android-Geräte von Google genannt, und für Amazon Tablets heißt sie Free Time. Alle bieten so ziemlich das gleiche an: Eltern bestimmen, wie lange ihr Kind mit dem Tablet oder Telefon spielen darf. Außerdem: welche Filme, Apps und Spiele es installieren und nutzen kann. Das ganze hat jedoch einen Haken. Die Kindern hebeln die Sperrfunktion aus.

Hacker-Tricks auf Youtube

"Heute zeige ich Euch, wie man die Eltern-Kontroll-Funktion aushebelt… Hier zeige ich Euch wie ihr für das Kindle Fire 10 die Kindersicherung abschaltet…."
Das sind nur einige Ausschnitte auf YouTube. In den Kommentarfeldern unter den Videos finden sich noch weitere Tipps und Tricks, wie sich die verschiedenen Sperren umgehen lassen. Kinder unterstützen Kinder.

Ben stresst Google

Ben ist 9 Jahre alt, er wohnt in der Nähe von Chicago. Auf YouTube hat er anfangs vergeblich nach Anleitungen gesucht, wie sich die Family Link Funktion von Google umgehen lässt, erzählt er dem Radiosender NPR. Aber keine hätte funktioniert. Dann hat er selbst nach einer Lösung gesucht und tatsächlich gefunden. Gemeinsam mit seinem Vater hat er auf ein YouTube ein Video veröffentlicht: "Ich wollte, dass sie die Lücke reparieren, damit ich wieder eine neue finden kann."

Kontrollverlust für Eltern

Google hat den Fehler mittlerweile beseitigt. Es bleibt aber die Frage: Wenn sich diese Sperren aushebeln lassen, wie sollen Eltern dann noch kontrollieren? Kurt Beidler ist Chef der Kinder- und Familien-Abteilung bei Amazon: "Eltern sind heute schon deutlich mehr involviert. 9 von 10 Eltern möchten sich noch mehr engagieren. Software ist ein wichtiges Werkzeug, um den Vertrag, den man mit seinen Kindern abgeschlossen hat, auch durchzusetzen." Beidler ist aber auch  der Meinung: Egal wie gut die Software funktioniert, Eltern wird sie nie ersetzen.


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