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Segen für alle? Katholische Kirche diskutiert Segnung von Homo-Paaren

Die katholische Kirche soll sich öffnen für die Segnung homosexueller Paare. Ein Vorstoß, der in der letzten Woche überraschte. Kam er doch vom stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Franz-Josef Bode.

Von: Antje Dechert

Stand: 20.01.2018

Homosexuelle Liebe | Bild: BR

Homosexuelle Beziehungen gleich Sünde – so einfach sollte die katholische Kirche nicht mehr urteilen, meint der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. In gleichgeschlechtlichen Beziehungen gebe es viel Positives, Gutes und Richtiges. Die Kirche müsse homosexuellen Gläubigen gerecht werden und über eine Segnung dieser Paare nachdenken. Ein Vorstoß, mit dem der Bischof auch in Bayern einen Nerv trifft, bei Gläubigen wie Pfarrern:

"Wenn Menschen homosexuell sind, dann hat sie auch Gott so geschaffen. Und ich muss die Menschen dann auch so ernst nehmen und so annehmen in diesen Gefühlen, und dann habe ich sie auch so entsprechend zu unterstützen. Wenn ich das nicht tue, darf ich mich auch nicht wundern, dass die Menschen von der Kirche abhauen."

Martin Garmaier, Pfarrer und Leiter des Pfarrverbandes Erding-Langengeisling

"Theologisch kein Problem"

Martin Garmaier hat in seiner Kirche schon mal ein lesbisches Paar gesegnet. Theologisch und auch für viele Gläubige in seiner Pfarrei sei das kein Problem, sagt er. Nur manche äußerten ablehnende Kritik.

"Die Anfragen waren dahingehend, dass man die Angst hatte, man könnte die sakramentale Ehe damit verwässern, aber um das geht es ja nicht. Es geht um die Segnung einer Liebe, die zwei Menschen verbindet."

Martin Garmaier, Pfarrer und Leiter des Pfarrverbandes Erding-Langengeisling

Segen für Autos aber nicht für Schwule und Lesben?

Ihren Segen spendet die katholische Kirche nicht nur Ehepaaren und Kindern, sondern auch Haustieren, Autos und Fahrrädern. Homosexuellen aber verweigert sie bisher die Bitte um göttlichen Zuspruch. Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stellte nach der Einführung der zivilrechtlichen Ehe für alle im letzten Sommer klar: Er unterstütze eine Verfassungsklage in der Sache:

"Wir bleiben bei unserer Position, dass eben die Ehe – nicht nur kirchlich, sondern bis jetzt war dies auch Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes –, eine Verbindung von Mann und Frau ist."

 Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising

Kirche bleibt hinter den eigenen Ansprüchen zurück

Zugleich betonen Papst Franziskus und ebenso die deutschen Bischöfe in schöner Regelmäßigkeit: Homosexuelle dürften nicht diskriminiert werden. So steht es schließlich im Katechismus, der offiziellen Glaubensunterweisung der Katholiken. In der Praxis werde die Kirche ihrem eigenen Anspruch bisher nicht gerecht, kritisiert der Theologe Michael Brinkschröder von der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche in München:

"In Deutschland sind viele Bischöfe ängstlich und zauderlich und trauen sich nicht so richtig. Dabei gibt es, meines Erachtens, keine gravierenden theologischen Probleme. Die Segnungsfeier  ist sehr offen und sehr flexibel und kann für sehr vieles eingesetzt werden. Damit wird noch nicht die Diskussion eingeleitet, was ist jetzt ein Sakrament."

Michael Brinkschröde, Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, München

Auch katholische Laien für Segnung

Trotz der Berührungsängste vieler Bischöfe sei ein Wandel im Umgang mit dem Thema Homosexualität innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland zu spüren, sagt Michael Brinkschröder. Denn nicht nur Universitätstheologen fordern eine kirchliche Neubewertung homosexueller Beziehungen. Auch das oberste Laiengremium, das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, plädiert für eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, wie auch der katholische Jugendverband BDKJ.

"In Deutschland haben wir die Ehe für alle beschlossen, in vielen anderen westlichen Ländern auch. Und wenn die Kirche immer sagt: Njet! Also, wir wollen nicht und bleiben auf unseren alten Positionen stehen, bedeutet das auch, dass sie den Kontakt zur Gesellschaft und zu gesellschaftlichen Entwicklungen verliert."

Michael Brinkschröde, Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, München

Bayerische Bischöfe bleiben stumm

Auch in Bayern begrüßen Katholiken den Vorstoß des dienstältesten deutschen Bischofs, Franz-Josef Bode, über den Segen für homosexuelle Paare nachzudenken. Allerdings: Kein einziger seiner bayerischen Amtsbrüder wollte sich auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks zum Thema äußern. Die Frage ist, wie lange die Hirten sich das noch leisten können.


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Dr. (I) Gero Winkelmann, Bund Kathol. Ärzte BKÄ, Mittwoch, 24.Januar, 13:17 Uhr

8. Kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zementiert Fehlverhalten

Die Vereinigung Katholischer Ärzte, BKÄ, mit Sitz in München kann vor allem aus ärztlicher Sicht eine kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und Ehen nicht gutheißen. Die wohlmeinenden Kirchenoberen sehen über die typischen Charakterstörungen und die Gefahren für diese 'Ehe' selber und Gesundheit der Partner z.B. (Infektionen durch typische Sexualpraktiken) hinweg.Und außerdem kann das kirchenamtliche Akzeptieren eines Zeitgeistphänomens die Umkehr und die Heilung von Fehlhaltungen dieser Betroffenen be- oder gar verhindern. Liebe Kirche: Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Daher: Augen auf!

Volker Fröhr, Montag, 22.Januar, 12:05 Uhr

7. Segnung Homosexueller Paare in der Kath.Kirche

In der Kath.Kirche folgen die Laien und selbst Pfarrer und andere Theologen nicht mehr einer restriktiven SexualMoral, die die menschliche Selbstbestimmung nicht anerkennt.

Endlich geht ein Bischof aus der Deckung.
Wie die anderen Kollegen in der Deutschen Bischofskonferenz reagieren, wird interessant.

Volker Fröhr
( Mitglied der AG Homosexuelle und Kirche, seit 35 Jahren)

KSLL , Samstag, 20.Januar, 13:10 Uhr

6. Theologisch kein Problem!?

Wie der Hochwürdige Herr Garmaier zu einer derartigen Aussage kommt, ist mir schleierhaft. Das ist wohl seine Privattheologie.

  • Antwort von manfred, Sonntag, 21.Januar, 16:21 Uhr

    Es gibt Theologen in Deutschland, die eine generelle moraltheologische Neubewertung gleichgeschlechtlicher Liebe und Partnerschaft durch die kath. Kirche fordern (zuletzt z.B. S. Goertz und B. Kranemann). Es ist das gute Recht von Herrn Garmaier, sich solchen Positionen anzuschließen.

thorie, Samstag, 20.Januar, 11:00 Uhr

5. die kathol. kirche segnet auch

motorräder
diesel- fahrzeuge

aber homo-ehen sollen ausenvor bleiben?

  • Antwort von Dieter, Samstag, 20.Januar, 11:53 Uhr

    thorie@
    Meine Waffen hat ein katholischer Prister bei der Bundeswehr auch gesegnet.
    M.f.G.

  • Antwort von Oliver M., Samstag, 20.Januar, 14:26 Uhr

    Hier bitte nicht hetzen! Die Menschen - egal welcher Gesinnung und Orientierung - segnen katholische Priester selbstverständlich! Es geht einzig darum, ob Homo-Ehen gesegnet werden. Das ist was anderes! Denn eine Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen ist nach Ansicht der katholischen Kirche keine Ehe im eigentlichen Sinn! Und ich hoffe, dass die auch bei ihrer Haltung bleiben. Denn seit je her und in allen Kulturen ist eine Ehe mit der Besonderheit verknüpft, dass Nachwuchs entstehen kann. Und - weil das mit Entbehrungen, Verzicht und enorm viel Verantwortung verbunden ist - wurde in der katholischen Kirche als Grundlage eine unauflösbare Ehe eingeführt. Unauflösbar, weil eine Trennung immense Probleme mit sich bringt, derer sich zu viele nicht bewusst sind!
    Die Ehe homosexueller der Ehe heterosexueller gleichzusetzen, ist eine Abwertung der Ehe von Mann + Frau unter Berücksichtigung der Besonderheit Nachwuchs zeugen zu können!!!

  • Antwort von manfred, Sonntag, 21.Januar, 12:25 Uhr

    @Oliver M.
    Nein, es geht eben genau nicht um eine kirchliche Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen. Lesen Sie den Artikel: Es geht um die Segnung von Liebe und Partnerschaft.

    Wieviel wäre der von Ihnen genannte Wert der katholischen Ehe wirklich wert, wenn er tatsächlich durch eine Öffnung der Ehe abgewertet werden könnte? Ihr Argument kommt mir vor wie folgendes: Der Begriff "Garten", der umfasst, dass man darin Obst und Gemüse anbauen kann, wird abgewertet, wenn mein Nachbar seinen Grund mit Ziergehölzen drauf ebenfalls "Garten" nennen darf.

    Sie sagen "Abwertung" und meinen in Wahrheit "Verlust von Exklusivität und der damit verbundenen Privilegien".

stefan, Samstag, 20.Januar, 10:57 Uhr

4. bezeichnend

es ist schon bezeichnend, dass sich die bayer. Bischöfe da jetzt zurück halten. Da werden Autos, Tiere, Räume, Häuser gesegnet,- und bei sich liebenden Menschen - nur weil sie homosexuell sind - halten sie sich mit Aussagen, Weihwasserwedel und segnenden Händen zurück. Das ist Negierung der Wirklichkeit, vielleicht sogar Feigheit.
Sie sollten in sich gehen, nachdenken, was Jesus täte und dann handeln. ich bin überzeugt, Jesus würde den zueinanderstehenden Liebenden seinen Segen geben.
Vielleicht müssten sie dann auch viele ihrer Priester segnen... die sog. Dunkelziffer soll ja durchaus hoch sein....

  • Antwort von Wilhelm, Samstag, 20.Januar, 12:31 Uhr

    ich glaube nicht, dass den Homosexuellen der Segen verweigert wird, den können die in jeder Messe , genau wie alle anderen Teilnehmer der Messe auch empfangen, Was die Vertreter der kath.Kirche nicht machen ist das Durchführen einer kirchlichen Trauung, und Segnungen von Dingen, wie hier einige genannt haben sind eben Segnungen und nicht Trauungen, oder ist Ihnen bekannt, dass ein kath.Pfarrer Autos , Häuser, oder Tiere getraut hätte ?

  • Antwort von stefan, Samstag, 20.Januar, 14:57 Uhr

    @wilhelm: sie müssen den Artikel schon richtig lesen: es geht hier NICHT um eine kirchliche Trauung von homosexuellen Paaren und NICHT um einen Segen wie sonntags am Ende der Messe, sondern um die Segnung der Liebe und Beziehung dieser Paare. Also um etwas, was es derzeit kirchen-"offiziell" noch nicht gibt.