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Statistisches Bundesamt Jeder dritte Alleinerziehende von Armut bedroht

Die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland ist gestiegen. Eine neue Studie des Statistischen Bundesamts zeigt auch: Sie verdienen pro Kopf weniger, sind häufiger überschuldet und armutsgefährdet als Familien mit zwei Elternteilen. In Bayern ist die Zahl der Alleinerziehenden gesunken.

Von: Elisabeth Kagermeier

Stand: 02.08.2018

Mutter und Kind | Bild: BR

In Bayern ist die Zahl der Alleinerziehenden zurückgegangen. 2017 lebten gut 209.000 Alleinerziehende im Freistaat. Im Vorjahr waren es nach noch 221.000. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Statistischen Landesamtes in Fürth hervor.

Betrachtet man ganz Deutschland, nahm die Zahl der Alleinerziehenden dagegen über die Jahre zu. Knapp jede fünfte Familie mit mindestens einem minderjährigen Kind hatte im Jahr 2017 eine alleinerziehende Mutter oder einen alleinerziehenden Vater. Das gab das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt. Im Vergleich ziehen heute 200.000 mehr Menschen Kinder alleine groß als noch vor 20 Jahren. Insgesamt waren es 2017 eineinhalb Millionen.

Dementsprechend hat sich auch die Anzahl der Kinder erhöht, die bei einem alleinerziehenden Elternteil lebt: 2017 waren es 2,4 Millionen. Das sind 17 Prozent aller Kinder in Familien und fünf Prozent mehr als noch vor 20 Jahren.

Im Westen werden es mehr, im Osten weniger

Die gestiegene Zahl alleinerziehender Mütter und Väter in Deutschland ist ausschließlich der Entwicklung in Westdeutschland geschuldet, heißt es in einem Statement von Irene Kahle vom Statistischen Bundesamt. Hier hat sie in den letzten 20 Jahren von 950.000 auf knapp 1,2 Millionen zugenommen.

Nach wie vor ist der Anteil von Alleinerziehenden in Ostdeutschland mit 25 Prozent zwar deutlich höher – doch die absoluten Zahlen gingen hier zurück. Im vergangenen Jahr waren noch 390.000 Menschen in Ostdeutschland alleinerziehend.

Eltern, die in größeren Städten leben, sind zudem häufiger alleinerziehend als in kleinen Gemeinden. Je kleiner eine Stadt oder eine Gemeinde ist, umso niedriger ist der Anteil der Alleinerziehenden.

Nur jeder Zehnte alleinerziehende Elternteil ist ein Mann

Neun von zehn Alleinerziehenden in Deutschland waren 2017 weiblich (88 Prozent), in Bayern sind es 86 Prozent. Damit waren Mütter in den vergangenen zwei Jahrzehnten unverändert eine überwältigende Mehrheit. Der Väteranteil lag seit 1997 konstant zwischen 10 Prozent und 13 Prozent.

Sieben von zehn alleinerziehenden Müttern gehen derzeit einer Arbeit nach, überwiegend in Teilzeit. Alleinerziehende Väter arbeiten dagegen meist Vollzeit. Allerdings haben alleinerziehende Mütter auch durchschnittlich jüngere und mehr Kinder als alleinerziehende Väter.

Über die Hälfte der Alleinerziehenden ohne Job würde gerne arbeiten

Mehr als die Hälfte der nicht-erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter war an der Aufnahme einer Arbeit interessiert. Sie nannten am häufigsten familiäre oder persönliche Gründe als Grund, warum sie derzeit nicht arbeiten. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, hatten im Vergleich dazu in einer Partnerschaft lebende nicht-erwerbstätige Mütter deutlich seltener den Wunsch, eine Arbeit aufzunehmen. Über 70 Prozent hatten nicht vor, sich einen Job zu suchen.

Familien mit zwei Elternteilen haben durchschnittlich aber auch mehr Geld zur Verfügung. Das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in Haushalten von Alleinerziehenden ist um knapp ein Fünftel niedriger als in Haushalten mit zwei Elternteilen. Durchschnittlich hatten sie 2016 967 Euro im Monat zum Leben. Staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld sind hier schon eingerechnet. Der Gesamtdurchschnitt in Deutschland liegt bei 1.444 Euro.

Über 30 Prozent sind von Armut bedroht

"Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet“, sagte Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Finanziell stünden sie nach wie vor oftmals schlechter da als Menschen, die in anderen Familienformen leben. 33 Prozent der Alleinerziehenden sind von Armut bedroht, in der Gesamtbevölkerung sind es halb so viele.

Große Probleme bereiten ihnen vor allem unerwartete Ausgaben, aber auch für eine Woche Urlaub pro Jahr reicht das Geld bei 28 Prozent der Alleinerziehenden nicht. Insgesamt sagt knapp ein Fünftel der Bevölkerung, es sich nicht jedes Jahr leisten zu können, in die Ferien zu fahren.

Zudem sind überdurchschnittlich viele Alleinerziehende verschuldet. Alleinerziehende machten 2017 nur einen Anteil von 4 Prozent an der erwachsenen Bevölkerung aus. Ihr Anteil an den beratenen Schuldnern war allerdings viermal so hoch. Mehr als jede sechste Person, die wegen finanzieller Schwierigkeiten zu einer Schuldnerberatung ging, war also alleinerziehend. Als Grund für die Schulden nannten Alleinerziehende am häufigsten Trennungen, Scheidungen oder den Tod des Partners beziehungsweise der Partnerin.


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Das Leihschwein, Donnerstag, 02.August 2018, 19:18 Uhr

6. Der Staat sollte rigoroser gegen säumige Väter vorgehen die sich vor den

Unterhaltszahlungen drücken, obwohl sie zahlen könnten. Kommunen sollten sich über Finanzämter/Kfz.- Kennzeichen entsprechende Info über Wohnort und finanzielle Situation des Drückebergers holen und dann den fehlenden Betrag zwangseinziehen. In den ersten Ehejahren machen einige junge Leute den Fehler und lassen sich Häuser von Finanzakrobaten aufschwatzen, wo sie dann sehr lange hohe monatliche Raten abzahlen müssen. Geht die Ehe dann zu Ende oder man verliert seinen Job sieht es ganz düster aus besonders dann, wenn sich die Immobilie nicht entsprechend verkaufen lässt.

Soz. Päd., Donnerstag, 02.August 2018, 18:33 Uhr

5. Hier machen es sich alle Seiten etwas leicht

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder schwerpunktmäßig bei Alleinerziehenden
1. Kinder aus Teenagerschwangerschaften. Da wurde weder bei den Müttern noch bei den Vätern eine Ausbildung abgeschlossen, oft auch keine Schule, was aber oft nicht eindeutig ursächlich dem KInd zuzuordnen ist. Nicht wenige junge Männer müssten mit 20 bereits für drei Kinder aus früheren Beziehungen Unterhalt zahlen. Das ist auch für einen gut verdienenden viel.
2. Auch ältere Männer haben oft einige Kinder mit großer Altersspanne aus mehreren Beziehungen.
3. Die typischen unterbezahlten "Frauenberufe", bei denen früher eine "Versorgerheirat" automatisch eingeplant war, jetzt aber so nicht mehr existiert. Die Frauen könnten sich von ihrem Verdienst oft kaum allein erhalten.
4. Das "schlechte Gewissen" den Kindern gegenüber ausgleichen wollen mit der Weigerung, diesen klar zu machen, dass Geld nicht auf Bäumen wächst.
Wünsche müssen erfüllt werden, lieber wird noch ein Riesenhund angeschafft.

Zauberin, Donnerstag, 02.August 2018, 17:19 Uhr

4. Kita-Gebühren und Teilzeitfalle sowie das Verantwortungsbewußtsein

der Alleinerziehenden für ihre Kinder (die wiederum Rentenzahler der Zukunft auch für Kinderlose sind), führen regelmäßig zu leerem Geldbeutel - aktuell und bei der Rente.

Ich hatte Glück, meinen Job im Erziehungs"urlaub" nicht gekündigt zu haben, obschon mein Ex-Mann immer wieder dazu drängte. Letztlich konnte ich so in den Beruf zurück, sobald der Kita-Platz da war und bin rasch auf Vollzeit zurück (was heute in meiner Branche gar nicht mehr geht). Ein interner Arbeitsplatzwechsel brachte einen Ortswechsel mit sich - gottlob in eine Stadt mit besserer Kita-Dichte.
Ich bin froh, daß mein Kind (heute erwachsen) mit vor wenigen Jahren sagte, daß ich zwar viel gearbeitet hätte, aber immer da gewesen sei, wenn es mich gebraucht hätte. Das schlechte Gewissen ist immer da, auch wenn man durch Vollzeit dafür sorgt, daß keine finanziellen Probleme entstehen.

Selbstredend hat auch mein Ex-Mann den Unterhalt nicht in der gesetzlichen Höhe gezahlt … was mir dank Vollzeit egal war.

  • Antwort von isso , Donnerstag, 02.August, 18:59 Uhr

    Wenn die Kinderlosen nicht für alle mitlöhnen müssten (was sie klaglos tun), könnten sie sich so arrangieren, dass sie auf anderer Leute Kinder nicht angewiesen sind, denn die sind ohnehin keine sichere Bank (auch nicht für die eigenen Eltern).

  • Antwort von Maria, Donnerstag, 02.August, 19:37 Uhr

    An isso,

    perfekt 100 % Zustimmung nur versteht das die Mehrheit nicht wie immer.

  • Antwort von Zauberin, Donnerstag, 02.August, 20:17 Uhr

    @isso: welche Sonderzahlungen leisten Kinderlose? Sie meinen den erhöhten Beitrag zur Pflegeversicherung? So klaglos, wie Sie sagen, klingt Ihr Kommentar nicht.

    Kleiner Tipp: berechnen Sie doch mal, was ein Kind über die Jahre alles kostet. Mein Kind macht übrigens gerade seinen Master … und er muß ihn nicht selbst finanzieren, wie ich einst, weil mein Vater krank wurde. Und nein, er bekommt kein BAföG …

    Und: ja, eine gute Ausbildung ist schon mal eine gute Basis für späteres Einkommen.

    Ob mein Kind selbst Kinder haben wird? Aktuell offen. Ich bereue jedenfalls keine Sekunde, so anstrengend und unbequem es auch bisweilen war.

  • Antwort von isso , Donnerstag, 02.August, 22:12 Uhr

    @Zauberin
    Jeder so wie ihm schön ist, aber nicht ständig beklagen und vorrechnen und auf "die" Kinderlosen zeigen. Vielleicht ist diese Angewohnheit mit ein Grund, weshalb Ihr Ex-Gatte kein Von-und-zu, sondern ein Auf-und-davon ist.

  • Antwort von Zauberin, Freitag, 03.August, 00:14 Uhr

    @isso: abgesehen davon, daß man Meinungsverschiedenheiten nicht über Geld austragen sollte, sondern als Eltern stets das Kindeswohl beachten sollte, geht Sie gottlob der Grund der Trennung nichts an.

    Offenbar wollen Sie hier nur diffamieren und sind nicht an einem offenen Diskurs zum Thema interessiert. Anders kann ich mir Ihre Äußerungen nicht erklären.

    Fakt ist, daß ich mich keinesfalls beklage, sondern mit meinem Leben sehr zufrieden bin. Den Zusammenhang zu Kinderlosen haben Sie in die Diskussion gebracht, nicht ich. Wohl wissend, daß manche Kinderlose gerne Eltern wâren, käme ich nie auf die Idee, eine Bewertung oder einen Vergleich zu konstruieren.

Marie Brauer, Donnerstag, 02.August 2018, 16:31 Uhr

3. Alleinerziehende

Jeder dritte Alleinerziehende von Armut bedroht ? Und die Väter sind verschwunden ?

Maria, Donnerstag, 02.August 2018, 16:28 Uhr

2.

Nacht und Nebelbekanntschaften und Kinder zeugen haut einfach nicht hin und der größte Armutsfaktor ist und bleibt der Euro nicht nur bei Alleinerziehenden.

  • Antwort von Zauberin, Donnerstag, 02.August, 17:07 Uhr

    selten so einen Schmarrn gelesen. Gerade die hohe Zahl der Unterhaltsvorschußberechtigten zeigt doch klar, daß die Väter bekannt sind. Das heißt aber eben leider nicht, daß sich diese ihrer Verantwortung freiwillig stellen.

    Den Euro für alles verantwortlich zu machen - woran machen SIe das genau und substantiiert fest?

  • Antwort von Maria, Donnerstag, 02.August, 19:08 Uhr

    An Zauberin,
    Kommentar nicht verstanden, Erklärung deshalb zwecklos.

  • Antwort von Zauberin, Donnerstag, 02.August, 20:05 Uhr

    haben SIe Ihren Kommentar verstanden?

    Vielleicht wollen Sie künftig unmißverständlich kommentieren?

  • Antwort von Maria, Donnerstag, 02.August, 20:49 Uhr

    An Zauberin,
    die diesen Kommentar nicht verstehen sind Leute wie Sie eben, Alleinerziehende.

  • Antwort von Zauberin, Donnerstag, 02.August, 21:42 Uhr

    Sie halten sich für etwas Besseres, Maria, wenn Sie so verächtlich kommentieren?

    Wenn SIe nur mal im Leben nicht auch mal die Realität einholt … aber selbstredend gönne ich Ihnen Ihre heile Welt!

    Meine Welt ist auch heil, aber ich habe es nicht nötig, mich über andere zu stellen.