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Milch-Check Ist Milch von glücklichen Kühen besser?

Milchpreise können sich stark voneinander unterscheiden. Ist teurere Milch besser in Qualität und Geschmack? Wie sind die Unterschiede bei der Tierhaltung und wie viel vom Milchpreis kommt letztendlich beim Bauern an? Wir haben den Milch-Check gemacht.

Von: Martina Schuster, Johannes Thürmer

Stand: 29.06.2018

Nicht jeder hat einen Hofladen um die Ecke - und muss sich die Milch im Supermarkt kaufen. Was taugt diese? Das wollen wir wissen und checken frische Vollmilch mit einem Fettgehalt von mindestens 3,5 Prozent, die länger haltbar ist.

Aldi - hier wird der Milchpreis gemacht

Ein Discounter gibt bei der Milch den Preis vor. Kaum überraschend: Aldi. Wenn Aldi erhöht oder senkt, zieht die Konkurrenz nach. Für einen Liter Vollmilch zahlen wir hier 69 Cent - die günstigste Milch in unserem Check. Für die beiden Klassiker, "Berchtesgadener Land" und "Weihenstephan", müssen wir deutlich über einen Euro hinlegen. In diesem Preissegment bekommen wir auch eine Biomilch, und zwar bei Lidl. Die zweitgünstigste Milch in unserem Test.

Kaum Unterschiede bei Geschmack und Qualität

Was wir checken: Geschmack, Qualität und Fairness gegenüber Bauern und Tieren. Los geht es mit dem Geschmack. Wir sind in Berlin bei Stiftung Warentest. Die Lebensmittelchemikerin Birgit Rehlender hat mit ihrem Team kürzlich frische Vollmilch aus ganz Deutschland getestet. Wie beurteilt sie den Geschmack unserer vier Milch-Marken?

"Die Berchtesgadener Land hat sogar sehr gut abgeschnitten in Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Die anderen Produkte sind gut. Also durchaus Standardqualität, die sich sehen lassen kann."

Birgit Rehlender, Stiftung Warentest

Bio-Lidl-Milch mit zu viel Jod

Beim Geschmack kann der Verbraucher also kaum falsch liegen. Und wie sieht es mit der Qualität aus? Da schneiden "Berchtesgadener Land", "Weihenstephan" und die Aldi-Milch mit Note "gut" ab. Nur ein "ausreichend" aber gibt die Stiftung Warentest 2017 der Bio-Milch von Lidl. Der Grund: ein stark überhöhter Jodgehalt. Und zu viel Jod ist genauso schädlich für den Körper wie zu wenig. Lidl hat inzwischen reagiert:

"Lidl hat dieses Ergebnis zum Anlass genommen, selbst Nachforschungen anzustellen und wir haben vor ein paar Wochen die Nachricht bekommen, dass man die Ursache für diesen hohen Jodgehalt gefunden hat. Sie lag, wie wir es vermutet haben, im Kraftfutter. Man hat das Problem erkannt und ich denke, heute ist das kein Problem mehr bei dieser Milch."

Birgit Rehlender, Stiftung Warentest

Bio punktet bei Fairness und Tierwohl

Bei der Fairness interessiert uns: Was erhalten die Bauern für ihre Milch? Aber auch: Welche Rolle spielt das Tierwohl? Für immer mehr Konsumenten ein Thema. Wir treffen Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern. Er soll die Fairness-Kriterien bei unseren Milchmarken beurteilen:

"Seit einigen Jahren bekommen die Biomilch-Erzeuger den höchsten Milchpreis. Gleichbleibend etwa 48 bis 50 Cent. Egal ob Marke oder Handelsmarke vom Discounter."

Hans-Jürgen Seufferlein, Verband der Milcherzeuger Bayern

Die Biomilch von Lidl liegt hier also klar vorne. Auch die Genossenschaft "Berchtesgadener Land" zahlt gut:

"Das ist auch der Sinn einer Genossenschaft, dass die Landwirte, wenn gut gewirtschaftet wird, als Anteilseigner das auch über den Milchpreis honoriert bekommen."

Hans-Jürgen Seufferlein, Verband der Milcherzeuger Bayern

Für "Weihenstephan" und Aldi-Milch werden 33 bis 34 Cent gezahlt. "Hier haben wir zwar im Laden für den Verbraucher sehr unterschiedliche Preise", so Seufferlein, während die Auszahlungspreise für die Bauern laut dem Experten die gleichen blieben. Und beim Tierwohl? Hier sieht das Ranking ähnlich aus. Auch hier, so der Experte, liegt Bio vorne, gefolgt von "Berchtesgadener Land".

Unser Fazit

Und somit zum Fazit unseres Milch-Checks: Vom Geschmack und von der Qualität her geben sich unsere vier Milch-Marken nicht viel. Auch die Billig-Milch vom Discounter kann da locker mithalten. Wer aber Wert auf faire Milchpreise und das Tierwohl legt, ist vor allem bei Bio-Produkten gut aufgehoben.


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thorie, Donnerstag, 28.Juni, 23:23 Uhr

7. Wer "bestimmt" eigentlich,...

wann eine Kuh (angeblich) "glückich" ist?
Welche Kuh hat wem das schon gesagt?

Hausmacht , Donnerstag, 28.Juni, 19:33 Uhr

6. Milchtest

Zu erst. Der Vergleich hinkt. Die Discounter haben nicht immer den gleichen Hersteller vulgo Molkerei. Es kann durchaus sein, dass eine der Markenmolkereien für die Discounter abfüllen. Außerdem überlagert die Erhitzungsmethode für “länger haltbar“ den origänren Milchgeschmack gewaltig. Traditionell erzeugte Milch mit natürlichem Fettgehalt, aber mind. 3,8% Fett und das in Bioqualität ist all diesen vorgestellten Milchen vorzuziehen. Dieser Hinweis hätte den Beitrag positiv abgerundet. Von einem Verbrauchermagazin wie MehrWert hätte ich das eigentlich erwartet.

Mit freundlichen Grüßen
Hausmacht

  • Antwort von forist, Donnerstag, 28.Juni, 21:26 Uhr

    @Hausgemacht

    ESL-Milch in der Mikrofiltration länger haltbar gemacht kommt der traditionell pasteurisierten Milch sensorisch nahezu gleich.
    ESL-Milch im Erhitzungsverfahren länger haltbar gemacht, weist allerdings einen leichten Kochgeschmack auf.

Realo Ost, Donnerstag, 28.Juni, 18:57 Uhr

5.

Glaube ich nicht. Genau so könnte man fragen, ob das Geld von glücklichen Steuerzahlern dem Staat mehr Freude machen könnte... Und diese Frage kann man sofort mit einem Nein beantworten, wenn man die Politik betrachtet, die uns unsere Regierung seit drei Jahren beschert hat... Hier und woanders ist es wohl eher so, Hauptsache viel, egal ob man die Geber bis aufs Blut ausquetscht, oder?

  • Antwort von Bergbauer, Donnerstag, 28.Juni, 20:15 Uhr

    Auch in der Milch sind Stresshormone. Den Rest können sie sich denken. Beim Käse merkt man den Unterschied noch mehr.

Peter, Donnerstag, 28.Juni, 13:59 Uhr

4. Nur Berchtesgadner

Ich kaufe nur Milch von Berchdesgadner Molkerei, da weiss ich, das kein Glyphosat in der Milch ist und auch deren Betriebe haben nicht die schwarzen Turbo Kühe. Mir würde es grausen, wenn ich Milch trinken müßte von den Nordeutschen Turbokühen.

  • Antwort von meyer, Dienstag, 03.Juli, 12:13 Uhr

    Guten Tag,
    viele Bio-Kühe in Bayern stehen über viele Monate im Stall, während die Bio-Kühe in Norddeutschland ganzjährig Auslauf haben. Daher geht es "Norddeutschen Bio Turbokühen" deutlich besser als den Kühen im Alpen (Vorland)

Leon, Donnerstag, 28.Juni, 11:29 Uhr

3. Glücklich und teurer

Nee, aber sie ist deutlich teurer und den Kühen wird schon erklärt, dass sie glücklich zu sein haben, damit man das als BIO-Marke auf die Verpackung schreiben kann.

  • Antwort von qw, Donnerstag, 28.Juni, 12:54 Uhr

    Deutlich teuerer? Stimmt so nicht. Bitte selbst den Faktencheck machen. :)
    Und Milch ist für mich nicht die Wassersuppe im Tetrapack!
    Milch hat Geschmack, Milch lebt und Milch hat Rahm.

  • Antwort von Bernhard, Donnerstag, 28.Juni, 13:57 Uhr

    Hallo Herr Leon,
    es trifft zwar nicht auf alle Milchbauern zu, aber es kann ja nicht Tiergerecht sein, wenn die Kühe von der Geburt bis zum abholen in die Schlachterei, den Stall nie verlassen können. Es geht auch nicht um das Glücklich sein, sondern um artgerechte Haltung.