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Susanne Schröter Islam-Expertin: Deutschland muss die Gleichberechtigung der Frau verteidigen

Die ermordete Studentin in Freiburg, das erstochene Mädchen von Kandel, der Tod von Susanna aus Mainz - als Täter in all diesen Fällen stehen junge Migranten aus islamischen Ländern unter Verdacht. Die Islam-Expertin Susanne Schröter glaubt, dass mit den Einwanderern das Klima für Frauen schwieriger geworden ist und dass Deutschland sein modernes Frauenbild verteidigen muss.

Stand: 13.06.2018

Susanne Schröter | Bild: picture-alliance/dpa

Schröter ist Direktorin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität und zeigte sich im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk überzeugt, dass es nach etlichen Übergriffen vor allem junger männlicher Migranten auf Frauen notwendig sei, die Rechte von Frauen in Deutschland zu verteidigen.

Körperliche Unversehrtheit von Mädchen im öffentlichen Raum verteidigen

"Ich meine damit eigentlich etwas ganz simples. Im Moment geht es darum, tatsächlich die körperliche Unversehrtheit von Mädchen im öffentlichen Raum zu verteidigen. Wir hatten jetzt etliche Fälle, in denen diese Unversehrtheit gröblichst verletzt worden ist durch Belästigungen, durch sexuelle Attacken bis hin zum Mord." Susanna Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

"Klima für Frauen hat sich verschlechtert"

Morde seien natürlich Extremfälle, so Schröter. Seit der "legendären Silvesternacht" von Köln, in der es zu massenhaften Übergriffen auf Frauen und Mädchen gekommen sei, habe sich "das Klima im öffentlichen Raum" für Frauen aber verschlechtert "und da geht es eben darum, dass Mädchen und Frauen natürlich auch, dass sie das Recht haben zu jeder Tages- und Nachtzeit sich auf der Straße bewegen zu können, ohne Opfer von Übergriffen zu werden. Das ist mal die Basis."

"Darüber hinaus geht es natürlich auch darum, dass all das, was ja bei uns auch in langen und zähen Auseinandersetzungen schwer erkämpft worden ist, nämlich die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, beileibe keine Selbstverständlichkeit auch nicht in unserer eigenen Geschichte, dass das jetzt natürlich auch verteidigt werden muss gegenüber Zuwanderern, die nicht davon überzeugt sind, dass Frauen und Mnner die gleichen Rechte haben."

Susanna Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

Gleiche Rechte für Frauen und Männer: "Wir haben unter Umständen ein Problem"

Wenn man sich Umfragen in arabischen Ländern ansehe, so Schröter, sei festzustellen, dass dort die Mehrheit der Bevökerung nicht der Ansicht ist, "dass Männer und Frauen wirklich die gleichen Rechte haben, sondern da gilt die Dominanz der Männer und da haben wir natürlich unter Umständen ein Problem".

Frauen als "reine Sexobjekte"

Auf die Frage nach ihrer Aussage, viele junge arabische Männer Frauen als "reine Sexobjekte" sähen, "mit denen man tun kann, was man möchte", erklärte Schröter, diese Haltung sei ein Hauptgrund für Gewalt, aber nicht der einzige:

"Dazu kommt, dass junge Männer, die hier straffällig werden bei uns, dass die aus Diktaturen kommen, das die Bürgerkriege erfahren haben, dass die mit Gewalt aufgewachsen sind, vielleicht sogar in ihren Familien. Dass sie zusätzlich frustriert und enttäuscht sind von dem, wa sie hier vorfinden, weil ihnen Schlepper was anderes erzählt haben."

Susanna Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

Ein numerisches Problem: Zu viele junge Männer

Zudem habe Deutschland "natürlich überproportional viele junge Männer aufgenommen" - und diese jungen Männer wollten "wie alle jungen Männer in der Welt natürlich auch Sexualität leben und eine Partnerin haben". Das sei aber "rein numerisch gar nicht möglich, weil wir in der Gruppe der jungen Männer zwischen 16 und 30 eben nicht so viele freie junge Frauen haben. Also da ist ein Missverhältnis entstanden, das zusätzlich Stress begünstigt."

Integrationsbemühungen laufen oft ins Leere

Integrationsmaßnahmen sieht Schröter als eine wichtige Möglichkeit, die Einstellungen junger Männer aus islamischen Ländern gegenüber Frauen zu verändern. Allerdings dürfe man nicht glauben, damit alle Migranten erreichen zu können, weil viele von ihnen nicht an einer Integration in unsere Gesellschaft interessiert seien.

"Diejenigen, die hier gut ankomen wollen, die sich Mühe geben - und da sind ja viele - die sind sehr dankbar dafür, dass ihnen gesagt wird, wie unsere Spielregeln sind. Aber es gibt natürlich auch andere, die interessiert das eigentlich gar nicht, und das sind die Leute, die das Problem darstellen."

Susanna Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

Das Erwachen aus der Naivität

Deutschland sei gegenüber integrationsunwilligen Migranten zu naiv gewesen, so Schröter, und merke das jetzt. Dies dürfe jedoch nicht zur Munition in parteipolitischen Grabenkämpfen werden.

"Wir haben uns natürlich im Überschwang der Gefühle die Sache viel zu leicht vorgestellt und jetzt erfolgt ein bisschen Ernüchterung und das Problem ist eben, dass dieser Befund jetzt zur Manövriermasse für politische Debatten wird, die eigentlich wenig mit Integration zu tun haben. Ich vermisse manchmal vernunftgeleitete Lösungen und würde mir wünschen, dass man das weniger alles zum Spielball für Parteienzwist benutzt"

. Susanna Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

Der "Generalverdacht" darf nicht sein

Deutschland müsse das Problem mit jungen Migranten zunächst einmal anerkennen, dann aber auch differenzieren, so Schröter. Es dürfe "kein Generalverdacht entstehen gegenüber Geflüchteten", integrationswillige Migranten dürften nicht "überzogen werden mit Anpöbeleien und rassisitischer Gewalt et cetera. Das müssen wir eben genauso verhindern wie wir verhindern, dass die Sicherheit für Mädchen im öffentlichen Raum schwindet."


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