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Studie Instagram und Co. können Teenager krank machen

Eine umfangreiche, klinisch begleitete Studie sagt: Bei Jugendlichen gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien wie Instagram und zum Beispiel Depressionen, Schlafmangel und Streit mit den Eltern.

Von: Florian Regensburger

Stand: 01.03.2018

Whatsapp, Instagram oder Snapchat können Teenager süchtig machen, sagt eine Studie der Krankenkasse DAK und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE). Das wäre allein schon schlimm genug. Doch es gibt noch weitere beunruhigende Ergebnisse: Die Social-Media-Sucht geht häufig einher mit gesundheitlichen, psychischen und sozialen Problemen.

Bemessung nach "Social Media Disorder Scale"

Der repräsentativen Befragung von 12- bis 17-Jährigen in Deutschland zufolge verbringt diese Altersgruppe im Schnitt zweieinhalb Stunden täglich mit sozialen Medien. 2,6 Prozent davon erfüllen demnach die Kriterien für eine Abhängigkeit nach der sogenannten "Social Media Disorder Scale", eine Skala zur Bemessung einer Abhängigkeit, die in den Niederlanden bereits angewandt wird.

"Das Liken darf nicht zum Leiden werden"

Bei den Mädchen erfüllen mit 3,4 Prozent etwas mehr als bei den Jungen (1,9 Prozent) diese Kriterien . Auf alle 12- bis 17-Jährigen in Deutschland hochgerechnet, entspricht der Prozentsatz insgesamt etwa 100.000 Jugendlichen. "Darauf müssen wir reagieren, damit Betroffene und ihre Familien Hilfe bekommen. Das Liken darf nicht zum Leiden werden", sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm.

Seelische Leiden und Social-Media-Sucht gehen oft einher

Die aus einer Social-Media-Sucht resultierenden Leiden können zum Beispiel seelischer Art sein. So berichtet laut den Machern der Studie jeder dritte Jugendliche mit einer Social-Media-Abhängigkeit auch über Symptome einer Depression. Zwar habe man "über Ursache und Wirkung noch keine Erkenntnisse", sagt Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE. So könne es auch sein, dass sich ohnehin depressive Jugendliche häufiger als andere in die virtuelle Welt zurückziehen und auch erst deshalb ein Suchtverhalten entwickelten.

In jedem Fall aber treten beide Faktoren gehäuft gemeinsam auf und verstärkten einander - eine ernste Gefahr für die Gesundheit der Betroffenen. Eine andere Studie aus den USA unter 13- bis 18-Jährigen deutete im vergangenen Jahr sogar auf einen Zusammenhang zwischen zu viel Zeit vorm Display und einer gestiegenen Selbstmordrate hin.

Zu wenig Schlaf durch Instagram und Co.

Und: Auch Kinder und Jugendliche, die noch nicht als süchtig gelten, berichten über negative Auswirkungen sozialer Medien auf ihr psychisches Wohlbefinden und ihr Sozialleben. So bekomme knapp ein Viertel der Befragten aufgrund der Nutzung "manchmal, häufig oder sogar sehr häufig" zu wenig Schlaf. 14 Prozent gaben an, sie könnten nicht aufhören zu chatten, "obwohl andere ihnen sagten, dass sie dies dringend tun müssen". 22 Prozent streiten mit den Eltern über die Nutzung sozialer Medien, unter den 12- bis 13-Jährigen sind es sogar 32 Prozent.

Gespräch mit den Eltern oft schwierig

Genau hier, beim Gespräch mit den Eltern, läge jedoch einer der Schlüssel, um dem Problem beizukommen, dass offenbar ein nicht überwiegender, aber doch nennenswerter Anteil der Jugendlichen in Deutschland nicht angemessen mit Instagram, Whatsapp oder Snapchat umgehen kann, sagt Rainer Thomasius: "Wir beobachten, dass Eltern häufig keine klaren Regeln zum Umgang mit sozialen Medien aufstellen. Die sind aber dringend nötig, damit ihre Kinder nicht unbemerkt in die Abhängigkeit rutschen."

Ruf nach "technischen Lösungen zur Selbstbeschränkung"

Zudem wären auch "technische Lösungen zur Selbstbeschränkung sinnvolle Instrumente, um das Konsumverhalten besser zu kontrollieren". Entsprechende, aktuell vorhandene Jugendschutz-Apps etwa, mit denen Eltern eine maximale Nutzungsdauer des Smartphones vorgeben können, können aber vor allem von älteren Jugendlichen oft relativ einfach ausgehebelt werden.


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