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Organisationen DKP und DFU

Von: Jürgen P. Lang

Stand: 15.08.2014 | Archiv

"Die DKP war weniger eine Partei der Bundesrepublik denn in erster Linie ein Interventionsapparat der SED."

Rudolf van Hüllen, Was war die DKP? Eine analytische Skizze

DKP-Parteitag in Nürnberg 1978

Auf diesen Satz lässt sich die Geschichte der Partei bis 1989 verdichten. Die Zeit danach war eine Zeit ideologischer Borniertheit, der Spaltungen und der Bedeutungslosigkeit. Die DKP fällt unter diejenigen Parteien, die einen strikten Marxismus-Leninismus verfolgten und jegliche „eurokommunistische“ Abweichung im Keim erstickten. Zwar trieb ihre Ostberlin- und Moskauhörigkeit die DKP bei Unstimmigkeiten zwischen SED und KPdSU in Loyalitätskonflikte, doch an ihrer kommunistischen Orthodoxie konnte es keinen Zweifel geben. In der Gesellschaft der alten Bundesrepublik konnte deren größte linksextremistische Partei seit ihrer Gründung 1968 – sie zählte zeitweise 40.000 Mitglieder – nicht zuletzt aus diesem Grund nie Fuß fassen.

Isolation

Bei Wahlen blieb die DKP selbst hinter den mageren Ergebnissen ihrer Vorgängerin KPD zurück. An den Abstimmungen zum Deutschen Bundestag nahm die DKP vor der „Wende“ nur bis 1983 teil – die 0,2 bis 0,5 Prozent dürften sie kaum zufrieden gestellt haben, zumal die SED einen umfangreichen Kader an hauptamtlichen Funktionären finanzierte, der in der Relation mit den Apparaten der Volksparteien konkurrieren konnte. Die DDR sponserte sogar eine militärische Ausbildung von DKP-Mitgliedern. Programmatisch gab sich die Partei einen gemäßigten Anstrich, ohne jedoch die Maximen des ML aufzugeben.

Instrument prosowjetischer Propaganda

Wahlplakat der DKP

Die SED nutzte die DKP anfangs hauptsächlich als Instrument prosowjetischer Propaganda im „Kalten Krieg“. Allerdings scheiterten die West-Kommunisten mit der Umsetzung der Vorgabe aus Ost-Berlin, in den Betrieben kommunistische Bastionen aufzubauen. Eine Arbeiterpartei ist aus der DKP, auch mit Blick auf die Mitgliedschaft, nie geworden. Lediglich im universitären Bereich erlangte ihr Ableger Marxistischer Studentenbund Spartakus(MSB), einen gewissen Einfluss. Vor allem junge Akademiker prägten die DKP.

Vorfeldorganisationen - Türöffner zur Gesellschaft

Herbert Mies - langjähriger DKP-Chef und treuer Freund Erich Honeckers

Ab Mitte der 1970er Jahre verlegte sich die DKP unter ihrem langjährigen Vorsitzenden Herbert Mies, einem getreuen Vasallen des SED-Generalsekretärs Erich Honecker, darauf, ihre Bündnispolitik zu forcieren. So umgab sich die Partei mit einem Kordon nur formal unabhängiger Vorfeldorganisationen, deren Funktion es war, die Tür zur Gesellschaft zu öffnen.Der MSB sollte Studenten an die Partei binden, die SDAJ die Jugend. Unter maßgeblichem Einfluss der DKP stand die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), dessen Führung mehrheitlich aus orthodoxen Kommunisten bestand.

Allzweckwaffe Antifaschismus

Anti-Atom-Demo der DFU 1963

Gleichwohl gelang es der Organisation mit Hilfe des moralisch hoch aufgeladenen Antifaschismusbegriffs, zahlreiche Demokraten an sich zu binden. Gleiches galt für die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegner (DFG-VK) und die bereits 1960 gegründete Deutsche Friedensunion (DFU). Letztere firmierte lange Zeit als Partei und wurde bis 1989 wie die DKP von der SED gefördert. Die DFU setzte sich für Abrüstung, Abschaffung der Atomwaffen und die Neutralität Gesamtdeutschlands im Ost-West-Konflikt ein. Doch dies waren lediglich vordergründige Anliegen, in Wahrheit ging es der von Flügelkämpfen gebeutelten Partei um die Durchsetzung sowjetischer Interessen. Mitte der 1960er Jahre scheiterte das Vorhaben der DFU, in Westdeutschland ein breites Linksbündnis zu schmieden.

Ein bisschen Frieden?

Friedensbewegung 1978

Das Friedensthema bot DKP und DFU treffliche Gelegenheit, gesellschaftliche Reputation zu gewinnen. In mehreren Kampagnen versuchten die Kommunisten, die Friedensbewegung in ihren Sinne zu beeinflussen, wenn nicht zu steuern. 1974 schufen sie das Komitee für Frieden. Abrüstung und Zusammenarbeit (KOFAZ), eine klassische Tarnorganisation, die nach außen hin als überparteiliches Personenbündnis auftrat. Das KOFAZ übernahm die Koordination der Protestbewegung und kooperierte über die DDR mit dem sowjetischen „Weltfriedensrat“. Die Erfolge des Komitees blieben anfangs bescheiden. Gleichwohl stieß die Ende 1980 ins Leben gerufene Krefelder Initiative (KI) gegen den sogenannten NATO-Doppelbeschluss auf breitere Resonanz. Es gelang, etwa mit Petra Kelly und Gert Bastian, des Kommunismus unverdächtige Persönlichkeiten aus den Reihen der Grünen zu gewinnen. Die KI

"belegt, dass sich die DKP aufgrund ihrer organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten mit der Zeit zu einem für die Friedensbewegung unentbehrlichen Faktor entwickelt hatte."

Udo Baron: Die Bündnis- und Kampagnenpolitik der DKP

Durchsetzen konnte die DKP ihre Vorstellungen jedoch nicht.

Das Gift der Perestoika

DKP-Plakat in Berlin

Schon vor der demokratischen Revolution in der DDR geriet die DKP in schwierige Fahrwasser. Während die Mehrheit der Partei(-führung) eisern an dem ideologischen Autismus der SED festhielt, scherte der sogenannte „Erneuerer“-Flügel aus und sympathisierte offen mit der von Michail Gorbatschow in der Sowjetunion initiierten Perestroika. Die „Erneuerer“ unterlagen in dem internen Machtkampf und spalteten sich noch vor der „Wende“ von der DKP ab. Einige von ihnen, unter anderem der ehemalige Hamburger DKP-Vorsitzende Wolfgang Gehrcke, fanden in der PDS eine neue Heimat und bekleiden zum Teil noch heute wichtige Funktionen in der Linken. Während die SED-PDS 1990 Erich Honecker aus der Partei warf, verabschiedete die DKP Herbert Mies unter großem Applaus. Ideologisch blieb die Partei – ihre Mitgliederzahl schrumpfte zwischen 1990 und 2014 von 19.000 auf 3.000 – unbeeindruckt auf ML-Kurs. In ihrem 2006 verabschiedeten Programm heißt es:

"Die weltanschauliche Grundlage für die sozialistische Zielsetzung der DKP ist ein wissenschaftlicher Sozialismus, die Theorie von Marx, Engels und Lenin."

Programm der DKP

Offene DDR-Apologie verband sich mit ostentativer Konfrontation gegenüber dem demokratischen Verfassungsstaat.


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