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"Weltbierhauptstadt" München (2) Trinken Sie InBev?

Nach 1945 ist das Bier dünn. Wenig später erleben Münchens Brauereien ihr zweites Wirtschafts-Wunder. Doch der Erfolg auf den globalen Märkten wirkt daheim auf viele ernüchternd. Je größer die Braukonzerne werden, desto mehr Minikonkurrenten brauen ihren eigenen Sud - zum Beispiel in Giesing.

Von: Michael Kubitza

Stand: 15.03.2016

Julian Baumann, Motivationsbanner in der Flaschenabfüllung von Spaten / Löwenbräu, 2015 | Bild: Münchner Stadtmuseum

Bayern nach dem Krieg: Es schäumt wieder, wenn auch schwach. Ab 1949 wird zunächst Dünnbier ausgeschenkt, das zudem hoch besteuert ist. Doch der Durst ist groß in München, und im Rest der Welt wird er immer größer. Münchner Bier ist noch immer ein Begriff, auch wenn die Außenwahrnehmung der Stadt zwischen "Hauptstadt der Gemütlichkeit" und "Hauptstadt der Bewegung" oszilliert. Gut, dass es die "Hauptstadt der Zelte" gibt: Nürnberg hat die Nürnberger Prozesse, München sein Oktoberfest, das viel dazu beiträgt, ein entpolitisiertes Münchenbild ihn die Welt zu projizieren.

Münchner Wirtschafts-Wunder

"O'zapft is": Der 1950 aus einer Wiesnbierlaune geborene Spruch des Münchner OB Thomas Wimmer erweist sich bis heute als genialer Werbeslogan.

Es herrscht Frieden in München - höchstens dann und wann ein juristischer Kleinkrieg. Etwa der "preußisch-bayerische Süßbierkrieg" um die Frage, ob außerbayerische Brauereien das bei den Heimatvertriebenen beliebte gezuckerte "Nährbier" nach Bayern einführen dürfen. Oder der Streit um die Frage ob der mechanische Viereinhalbmeterlöwe vorm Löwenbräuzelt brüllen darf (er durfte).


Das zweite goldene Zeitalter der Münchner Brauereien bricht an, doch der Glanz ist matter. Was zum Teil am Umgebungsleuchten liegt: BMW, Siemens und andere Auf- und Neueinsteiger des Wirtschaftsstandorts laufen der Bierindustrie den Rang ab. Die Deutschen, selbst die Bayern, arbeiten viel und trinken weniger. Neue Brau-Technologien sorgen für günstige Herstellung und gleichbleibende Qualität - manche sagen: für Langweile.

Global Player mit leichten Heimschwächen

Heute produzieren sieben Großbrauereien über die Hälfte des bayerischen Bierausstoßes, darunter drei Münchner Namen - Paulaner, Augustiner und die Spaten-Franziskaner-Löwenbräu-Gruppe. Letztere braut im Jahr 2,4 Millionen Hektoliter. Zum Vergleich: Löwenbräu allein kam vor einem Jahrhundert auf knapp eine Million. Auf dem massiv gewachsenen Weltmarkt führen die Platzhirsche von einst heute eher eine auskömmliche Nischenexistenz. Auch auf den Isargrillfesten und Fußballparties der Landeshauptstadt haben die Münchner Großbrauer - von Augustiner abgesehen - wenig Heimvorteil.

Im Zoom: Die sechs Münchner Großbrauereien damals und heute

Augustiner

Mönche ohne Marketing

Die kleinste der Münchner Traditionsbrauereien, die letzte in privater Hand und die älteste. Schon 1328 brauten die Augustinermönche in ihrem Kloster an der Neuhausergasse (die damals noch vor der Stadt lag) ihr Bier, das 250 Jahre lang auch den Wittelsbacher Herzögen schmeckte. Die weltlich-geistliche Bierharmonie endete, als der Herzog 1589 sein eigenes Hofbräuhaus aufmachte.

1803 läutet dem Kloster das Sterbeglöcklein: Im Zuge der Säkularisation werden die Mönche auf die Straße gesetzt, die große Kirche zur Mauthalle umfunktioniert. Gebraut aber wird weiter - schräg gegenüber in der Neuhauser Straße 27 und ab 1829 unter Regie der Brauerfamilie Wagner. Es ist die Zeit, in der über 50 Münchner Brauereien miteinander konkurrieren, wachsen oder verschwinden. Augustiner wächst: Zum Stammhaus, das Gabriel von Seidl 1896 in seine heutige Form bringt, kommen der Keller an der Arnulfstraße - einer der größten Münchner Biergärten - und das Areal an der Landsberger Straße.

Bestechend ist das Marketingkonzept der Brauerei: kein Marketing. Bis heute verzichten die Brauer auf Werbung, verlassen sich auf die Wirkung ihres Bieres in der traditionell dickbauchigen Flasche mit dem ähnlich dickbauchigen Mönch auf dem Etikett, das inzwischen die Szenekneipen der Republik erobert hat. Damit trotzt die Edith-Haberland-Stiftung, der seit 1996 gut die Hälfte der Brauerei gehört, den "Fernsehbieren" aus dem Norden ebenso wie dem in München verbreiteten Einschmelzen in internationale Braukonsortien. Die Nähe zur Umgebung äußert sich auch in anderen Aktivitäten der Stiftung, die von der Renovierung alter Wirtschaften bis zum Kultursponsoring reicht.

Hacker-Pschorr

Brauen und Bauen in der Familie

Hacker oder Pschorr? Anfang des 19. Jahrhunderts liefern sich die beiden Münchner Brauereien ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Gunst der Münchner. Dabei gehören seit 1793, als der 23-jährige Brauknecht Joseph Pschorr die Brauerstochter Maria-Theresia Hacker heiratet, beide Unternehmen zu einer Braudynastie.

1813 zieht Hackerbräu vom Stammhaus in der Sendlinger Straße in seine neue "Bierfestung" an der Landsberger Straße - damals Deutschlands größter Lagerkeller, der zwölf Meter tief unter die Erde reicht.

Ein anderes Konzept verfolgen die sieben Jahre später entstandenen Pschorrbräu-Bierhallen in der Neuhauserstraße: Der multifunktionale Komplex in der Innenstadt ist Münchens erster "Bierpalast" und beherbergt neben Brauerei und Gastronomie auch Geschäfte und Wohnungen; in einer davon kommt 1864 der Pschorr-Sproß und Komponist Richard Strauß zur Welt. Mit dem Tod Joseph Pschorrs, der als "König der Münchner Brauherren" mit einer Büste in der Ruhmeshalle geehrt wird, endet der gemeinsame Weg.

Die Wiedervereinigung 1972 hat mit Familienbanden nicht mehr viel zu tun. Wenig später übernimmt Immobilientycoon Josef Schörghuber die Mehrheit der neuen Aktiengesellschaft, die danach in einer Brauholding aufgeht. Seit 1998 wird Hacker-Pschorr in den Anlagen von Paulaner gebraut. Der frühere Brauknecht Joseph Pschorr beobachtet's vom "Himmel der Bayern" aus - so der Werbespruch der Brauerei.

Hofbräu

Weißbier, Krieg und Wirtshauskult

Glaubt man dem Hausmythos der Wittelsbacher, stammt ihr Geschlecht vom Trojaner Aeneas ab, der einst auf bayerischem Boden Asyl suchte - und dabei den Göttertrank Ambrosia, eine Frühform von Bier mitbrachte. Glaubt man ihm nicht, ist das Bier mit dem zusammengewachsenen H und B unter der Krone dennoch Bayerns geschichtsträchtigstes Bier.

Gegründet hat das staatliche Bierlabor Herzog Wilhelm V., Enkel von Wilhelm IV, der seinerseits als Vater des altbayerischen Reinheitsgebots firmiert. Gebraut wurde von 1607 bis 1896 im Hofbräuhaus am Platzl. Gleich das erste Bier machte (indirekt) Weltgeschichte: Weißbier.

Vorher wurde in Bayern Wein oder "Braunbier" getrunken. Das Obergärige, das des Herzogs Braumeister sich in Böhmen abgeschaut haben, hat einen entscheidenden Vorteil: Es kann bei höheren Temperaturen produziert und gelagert werden, verursacht geringere Kosten. Wilhelms geschäftstüchtiger Sohn Maximilian I. sichert sich das Monopol, vergibt Lizenzen, errichtet landesweit Braustätten. Ein Mordsgeschäft - im wahrsten Sinne des Wortes. Der zuvor beinahe bankrotte Wittelsbacher ist plötzlich wieder liquide und finanziert mit den "Trinkgeldern" seiner Untertanen den größten Teil der Kosten des Dreißigjährigen Kriegs.

1828 nimmt das berühmteste Wirtshaus der Welt seinen Betrieb auf: Das Hofbräuhaus. Wo vorher nur gebraut wurde, wird jetzt auch (und später: nur noch) getrunken und gegessen. 1896 zieht die Brauerei um nach Haidhausen, das zuvor recht schlichte Bräuhaus bekommt seine berühmte Neorenaissance-Fassade. Heute braut HB am Stadtrand, in Riem - und Hofbräuhauser in Lizenz gibt es von Hong Kong bis Las Vegas (Bild).

Löwenbräu

Aus der Löwengrube in alle Welt

Mit dem bayerischen Löwen hat die Brauerei nichts zu tun, dafür mit einem biblischen Propheten: Daniel, den Gott aus der Löwengrube rettet, indem er einen Engel schickt, "den Löwen das Maul zu verschließen". Die Szene ist jahrhundertelang an einer Hausfassade beim Frauendom zu finden - weshalb die Gasse bis heute Löwengrube heißt und die einst hier angesiedelte Brauerei Löwenbräu.

Nach 1800 betreibt die Eigentümerfamilie Brey den Umzug an die heutige Nymphenburger Straße. Ein Glücksfall: Das Gelände im Niemandsland bietet Platz zur Expansion und einen katzensprungkurzen Weg zum ersten Münchner Hauptbahnhof, der 1839 auf Höhe der heutigen Hackerbrücke eingeweiht wird. 1872 deckt die Brauerei ihren Kapitaldurst durch Umwandlung in eine Aktiengesellschaft - eine Premiere in der Münchner Braulandschaft. Als Marktführer kratzt sie 1912 erstmals an der Rekordmarke von einer Million Hektoliter Bier.

1921 fusioniert Löwenbräu mit der ähnlich erfolgreichen Unionsbrauerei des jüdischen Brauers Herrmann Schülein, der den Brauriesen als Generaldirektor leitet. Wenig später wird München zur braunen Löwengrube; eine zweite Rettung aber gibt es nicht. 1935 wandert Schülein nach Amerika aus, um der Brauerei Boykotte und weitere Drangsalierung durch die Nazis zu ersparen.


Bis heute ist die Brauerei weltweit bekannt, der Löwe die erfolgreichste Bildmarke für bayerisches Bier. Nur der Absatz in der Heimatstadt ist heute nicht mehr so "der Brüller".

Paulaner

Bier und Spiele

Am Anfang war der Mönch. Gegründet in der damals noch isarfeuchten Vorstadt Au, seit 1634 urkundlich belegt, bekannt, seit im späten 18. Jahrhundert der Braumeister Barnabas den Salvator erfindet. 1799 der erste große Umbruch: Kloster Neudeck wird aufgelöst (und dient in Folge als Hospital und Frauenknast). Das Bier überlebt unterm weltlichen Regiment von Franz Xaver Zacherl.

Den Durchbruch bringt ein Spektakel, das seit 1861 auf Giesings Höhen im umgebauten Sommerschlösschen des Bankiers Jakob Nockher statt- und immer mehr Zuspruch findet: Der Starkbieranstich, der, umrahmt von Komödianten und Musikanten, zum Volksfest mutiert. 1888 erlebt der Nockherberg einen Krawall, der auch die an Wirtshausschlägereien gewohnten Münchner erstaunt. So heftig fliegen Fäuste, Krüge und Mobiliar, dass die Kavallerie einrücken muss, um die Ordnung wiederherzustellen.

In der Folge kommen Florett und Säbel nur noch als rhetorische Waffen zum Einsatz. Humoristen wie Papa Geis (Bild) und Weiß Ferdl sind volkstümlich und - anders als ihre Nachkriegsnachfolger vom Roider Jackl bis zu Luise Kinseher - unpolitisch, was das Weitermachen in der NS-Zeit erleichtert. Paulaner ist eine Größe: In den 1920ern übernimmt die Brauerei Konkurrenten von Coburg bis Miesbach und fusioniert mit der Brauerei Thomass, die das Brauhaus am Kapuzinerplatz in die Ehe bringt.

2016: Die Fernsehübertragung des "Derbleckens" hat den Nockherberg deutschlandweit bekannt gemacht. Die Brauerei allerdings, inzwischen Teil der Brau Holding International, ist weitergezogen und braut ihr Paulanerbier ebenso wie das von Hacker-Pschorr auf neuem Gelände in Langwied.

Spaten

Mit Spaten, Dampfkraft und Eismaschine

Nach Augustiner ist Spaten der älteste noch aktive Münchner Bierfabrikant. Gebraut wird seit 1397 unter verschiedenen Namen an wechselnden Standorten - aber stets mit der gleichen Lizenz, den "Braugerechtsamen". Den Namen bekommt die Brauerei 1622 mit der Familie Spatt; der Erfolg kommt mit der - neben den Pschorrs - zweiten großen Braudynastie des 19. Jahrhunderts: Den Sedlmayrs. Drei Gabriels - der jüngste ein "Ritter von" -, dazwischen und danach Joseph, Johann, Carl, Anton, Heinrich und Fritz kaufen an und stoßen ab, verlagern, optimieren, exportieren.

Der erste Gabriel - in jungen Jahren königlicher Hofbräumeister - stellt 1821 die erste Brauerei-Dampfmaschine Bayerns auf. Zentral für den Erfolg ist Gabriel der Mittlere. Er führt die neuen Kältemaschinen Carl von Lindes ein und rollt den Münchner Markt mit einem neuen Bier auf: dem ersten Münchner Hellen modernen Typs.

Schon 1883 beansprucht Spaten für den Spaten - also das inzwischen berühmte Symbol der Brauerei - den gerade erst juristisch eingeführten Markenschutz. 1922 bildet die Spaten-Franziskaner-Leistbräu AG mit Löwenbräu eine strategische Allianz. Zwei Jahre später entsteht ein Werbespruch, der bis heute so bekannt ist, dass Google die Worte "lass dir raten" mit "trinke Spaten" ergänzt.

Was genau das ist? Seit 2003 gehört die Brauereigruppe zur belgischen Interbrew und ist heute Teil des multinationalen Anheuser-Busch-InBev-Konzerns. Gebraut wird Spaten im Sudhaus von Löwenbräu.

Gut - besser - BHI ...

Die heiße Liebe der Münchner zu ihren Bieren scheint etwas abgekühlt - was auch an den Brauereien liegen könnte. Beispiel Hacker-Pschorr: Um 1970 lässt die Brauerei ihre Bierkeller an der Schwanthalerhöhe gegen den Widerstand von Nachbarn und Biergartenfans abreißen und alte Kastanien fällen, um einen Geschäfts- und Wohnkomplex (mit angrenzendem Minibiergarten) zu ermöglichen - Betongold sticht Hopfengold.

Inzwischen gehört Hacker-Pschorr zur Paulaner-Gruppe, respektive der Brau Holding International (BHI), einem Joint Venture der im Immobilienhandel groß gewordenen Schörghuber-Gruppe und der niederländischen Heineken N.V.; gebraut werden Hacker-Pschorr wie Paulaner neuerdings am Stadtrand in Langwied.

Löwenbräu, Spaten und Franziskaner wiederum gehören zum weltgrößten Braukonsortium, dem US-brasilianisch-belgischen AB InBev, das auch etliche "Fernsehbiere" produziert. Das Organigramm passt längst nicht mehr auf einen Bierdeckel.

Angriff der Brauzwerge

Schmeckt man das? Viele Münchner finden: Ja. Das Loch in ihrem Bier- und Bauchgefühl füllen, wie fast überall in Bayern, neue, handwerklich produzierende Kleinbrauereien. Besonders gut beobachten lässt sich das rechts der Isar.

Im frühen 19. Jahrhundert war hier die Hochburg der Münchner Brauer. Im Wirtschaftswunder wurden aufgelassene Braustätten und abgeholzte Biergärten überbaut, danach machten reihenweise alte Boazn dicht. Jetzt räumt mit Paulaner die letzte Traditionsbrauerei ihren Posten im Osten - immerhin den ältesten Braustandort der Stadt. Doch genau zwischen den abrissbereiten Paulanerblocks und dem fast schon vergessenen Biergarten vom Schweizerwirt - heute ein Kaufhaus - hat vor einem Jahr Gianluca Massa ein neues Bierparadies eröffnet.

Gianluca stammt aus dem Süden des einstigen "Bierentwicklungslands" Italien, wo es inzwischen 800 Mikrobrauereien gibt. Als er vor zwölf Jahren nach München kam, wunderte er sich, dass man in den meisten Kneipen der Bierstadt nur ein, zwei Standardsorten trank. Heute schenkt der diplomierte Biersommelier in seiner "Ambar" auf der Grundfläche von 30 Bierkästen zwei Dutzend ständig wechselnde Sorten "Craft Beer" aus.

"Ich mag Bier aus Kleinbrauereien, weil ich weiß, wer dahinten steht und wie er arbeitet. Den Braumeister kannst du einladen, die Gäste sehen ihn. Auch die Biere zeigen ihr Gesicht, schmecken nicht immer gleich. Sud auf Sud ist immer ein bisschen anders und wird ständig verbessert."

Gianluca Massa

Erfolgsgeschichten aus der Garage

Der größte Teil seiner Biere kommt aus der Region. In und um München sind in den letzten Jahren an die 20 Kleinbrauereien entstanden, die auf Namen wie Braukraft, Crew Republic oder Forschungsbrauerei hören. Einige sind so klein, dass sie ihr Bier nicht verkaufen, sondern - wie der Neuhausener Richelbräu - nur in der Nachbarschaft zur Verkostung anbieten, andere haben es bereits in die besseren Münchner Abholmärkte und deutschlandweit in die Szenekneipen geschafft.

Zwei sind Nachbarn von Gianluca. Einen Block weiter wohnt Tilman Ludwig, Braumeister und Bierrebell, der seine Biere als Untermieter in zwei kleinen Brauereien im Umland braut. Gute fünf (mit Bier im Bauch: zehn) Gehminuten südwestlich schreibt der Giesinger Bräu weiter an seiner Erfolgsgeschichte.

Wie bei Microsoft, Google & Co. beginnt sie in einer Garage, hier: einer Doppelgarage in der Birkenau, wo Steffen Marx und seine Mitbrauer eher privat ihre "Giesinger Erhellung" brauten und mit Frucht- und Gewürzbieren experimentierten. Ende 2014 ist die Hobbybrauerei von Untergiesing nach Obergiesing umgezogen und produziert seither in einem ehemaligen Umspannwerk statt einigen Dutzend einige tausend Hektoliter Bier.

"Genussscheine", Social Media und der Servus vom Braumeister

Die Mischung aus gelebter Brautradition (mit unfiltrierten Bieren und offenen Gärbottichen) und kultbewusstem Marketing (mit Fan-T-Shirts und viel Social Media) hat sich auch in der Finanzierung niedergeschlagen: Raiffeisenbank plus Crowdfunding, für das hier das schöne alte Aktienwort "Genussscheine" aufpoliert wurde. Aktuell ist der Giesinger Bräu zur zweitgrößten Münchner Privatbrauerei nach Augustiner aufgestiegen.

Und Paulaner? Ganz will sich auch der Brauriese nicht vom Münchner Osten lösen. Neben der Verwaltung soll auch weiter gebraut werden - im "Eiswerk", wo laut Paulaner die älteste Eismaschine der Welt steht. Seit 2011 füllt hier eine Mikrobrauerei ihr Liebhaberbier zum Teil in Champagnerflaschen - in "echter Handarbeit", die bis zur persönlichen Signierung jeder Flasche durch den Braumeister reicht.


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Bernd, Sonntag, 17.April, 11:59 Uhr

1. Industriebier

Die Münchner sind wahrscheinlich nur deshalb so stolz auf ihr Bier, weil keiner von denen jemals in Oberfranken war und dort die vielen Brauereigasthöfe besucht hat. Oberfranken hat weltweit die größte Brauereidichte. Wenn man diese Biere kennt, dann kann man vor der Mümchner Industrieplörre, mag sie nun Paulaner oder Hofbräu heißen, nur weinend davonlaufen.

  • Antwort von Peter, Sonntag, 17.April, 13:43 Uhr

    Grundsätzlich hast du Recht - die Gegend ist voll von dem, was man auf neuhipsterdeutsch "Craft Beer" nennt. Nur leider, leider geht es denen seit langem beharrlich an den Kragen. Wieso? Weil die Masse eben doch die "Großen" kauft, trotz Landbierparadies und regionaler Angebote im Getränkehandel. Schade! Und ein Grund doch mal wieder ein Loffelder statt der Kiste InBev-XY-Bier einzupacken. Trinken für die Vielfalt, wohl bekomms!

  • Antwort von geschaftlhuber, Sonntag, 17.April, 14:47 Uhr

    "Die Münchner" gibt es die noch? Eher Einwohner von München.
    Die Qualität reicht für den Hipsterverschnitt.
    Zum Rest - Oberfranken usw.
    Kann man ihnen zustimmen. Auch essenstechn. gibt es durch die eine oder andere interessante Entdeckung im bayer. Nordosten - okay als Veganer wird`s schwierig.