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Nach einem Monat ICEs auf Strecke Nürnberg-Berlin jetzt pünktlicher

Nach den Pannen zum Start vor knapp einem Monat läuft der Bahnverkehr auf der ICE-Neubaustrecke zwischen Nürnberg und Erfurt inzwischen besser. Auch der Zuspruch der Passagiere ist groß.

Von: Lorenz Storch

Stand: 08.01.2018

ICE auf der Hochgeschwindigkeitsstrekce München-Berlin | Bild: dpa-Bildfunk

Zwischen München und Berlin sind in den letzten Wochen mehr als doppelt so viele Passagiere Bahn gefahren wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Die Strecke sei ein Renner, so die Deutsche Bahn. Zuletzt gab es auch weniger Zugausfälle und Umleitungen.

"Es gab eine Mischung aus technischen Problemen mit dem neuen Zugsicherungssystem ETCS und auch witterungsbedingten Schäden an Fahrzeugen. Aber wir haben zusammen mit dem Hersteller Alstom sehr viele Sonderschichten in den Werken gefahren, und der Verkehr hat sich jetzt deutlich stabilisiert."

Achim Stauß, Deutsche Bahn

Nach Bahnangaben sind inzwischen deutlich über 90 Prozent der Züge auf der Neubaustrecke pünktlich - was mehr ist, als die Bahn im deutschlandweiten Durschnitt schafft.

An den Verspätungen waren die Züge schuld, nicht die Strecke

Der Fahrgastverband Pro Bahn bestätigt, dass der Verkehr auf der Neubaustrecke inzwischen rund läuft, kritisiert aber, dass vor dem missglückten Start nicht alle später eingesetzten ICE-Varianten ausreichend erprobt wurden.

"Das ist wirklich traurig, dass man nach mehreren Jahrzehnten des Baus, weil ein paar Fahrzeuge zu wenig im Test waren, jetzt einen so peinlichen Start hinlegen muss."

Lukas Iffländer, Pro Bahn

Die Deutsche Bahn hatte die Strecke zwar vor der Inbetriebnahme aufwändig monatelang getestet - allerdings offenbar vor allem mit der Baureihe ICE-T, die vorher schon reibungslos mit dem neuen Signalsystem ETCS gefahren war - und weniger mit den Modellen ICE 1 und 3. Bei denen ist eine andere Software-Version aufgespielt, die dann prompt Probleme gemacht habe, so Lukas Iffländer von Pro Bahn, der im Hauptberuf Informatiker ist.

"Es ist wie so oft bei den Zügen - aber auch bei Autos und Flugzeugen - die Software, die im Moment die Probleme macht. Das ist halt eine Komplexität, mit der unsere Industrie immer noch etwas zu kämpfen hat."

Lukas Iffländer, Pro Bahn

Passagiere äußern sich zufrieden

Zu den hohen Passagierzahlen hat möglicherweise die Air-Berlin-Pleite beigetragen, aber mit Sicherheit auch die kurze Fahrtzeit von vier Stunden für Berlin-München und drei Stunden auf der Strecke Berlin-Nürnberg. Bei einer BR-Umfrage unter Passagieren eines ICE-Sprinters nach der Ankunft in München äußerten sich die Fahrgäste ausnahmslos zufrieden. Manche Vielfahrer unter den Passagieren ärgert die schlechte Presse für die ICE-Neubaustrecke sogar:

"Ich habe in 60 mal Bundesbahn fahren einmal zwei Stunden Verspätung gehabt und einmal eine Stunde - und ansonsten fast immer pünktlich. Wenn jemand mit dem Auto fährt - der steht zwei Stunden im Stau und es stört ihn überhaupt nicht. Und hier hat er absolute Sicherheit, Komfort und nette Schaffner!"

ICE-Fahrgast

Für den Fahrgastverband Pro Bahn ist vor allem ein Wunsch noch offen: Bessere Anschlüsse, damit nicht nur die Bewohner der Großstädte an der Strecke den Fahrtzeitgewinn genießen können.


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Emil Cronauer, Montag, 08.Januar, 19:16 Uhr

10. Pünktlich? Fragen

Wieso regt sich niemanden darüber auf, dass sich Flugzeuge verspäten. Wieso nehemen wir Staus auf den Autobahnen klaglos hin? Wer hat ein Interesse daran, die Bahn madig zu. Muss ich unbedingt mit der Bshn fahren, wenn ich doch weiß, dass sie unpünktlich ist? Fragen über Fragen an die Wichtigtuer (z.B. Pro Bahn).

Wanda, Montag, 08.Januar, 15:51 Uhr

9. Wunder im Neuen Jahr

Wirklich ? Das heisst pünktlicher aber immer noch nicht pünktlich ? Ist ja der Hammer.
Übrigens hat das Wort "pünktlich" eine absolute Bedeutung: ein weniger oder mehr pünktlich gibt es nicht - genau so wie leer oder voll...

Floh, Montag, 08.Januar, 15:06 Uhr

8.

Hallo, in der Ruhe liegt die Kraft,alles braucht seine Zeit und Geduld.
Rom wurde auch nicht in zwei Tagen auf gebaut.

  • Antwort von Wanda, Montag, 08.Januar, 15:55 Uhr

    ...in 2 Tagen ? Die Bahn brauchte Jahrzehnte und trotzdem wurde die Jungfernfahrt zur Lachnummer. Sie sollten sich besser über die Planungs- und Bauzeit informieren...

  • Antwort von Floh, Dienstag, 09.Januar, 07:38 Uhr

    @ Wanda

    Bewerben Sie sich bei der Bahn vielleicht läufts dann besser.

Argumente haben keinen Sinn, Montag, 08.Januar, 11:48 Uhr

7. Deutsche Besserwissermaulerei

--- Nr. 6

Stimmt schon, was Sie ausführen.
Nur will das keiner wissen.
Schließlich müsste man dann vielleicht umdenken.
Aber das kann und darf nicht sein!!!

Oliver M., Montag, 08.Januar, 10:40 Uhr

6. Zugegeben ...

... ideal wäre gewesen, Strecke und Fahrzeuge fertigzustellen, zuzulassen und dann einen längeren Testbetrieb unter realen Bedingungen durchzuführen. Ist aber nicht machbar aus zeitlichen Gründen sowie wegen der Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Die stehen nämlich nicht beliebig herum sondern befördern Fahrgäste. Die für Tests benötigen Fahrzeuge müssen aus dem Regelbetrieb entnommen werden und fehlen dann dort. Für den Fahrgast wirkt sich das in Form kürzerer und dadurch voller Züge aus. Will auch keiner.
Also sucht man einen Kompromiss und führt diverse Tests parallel im wesentlichen als sog. Versuchsfahrten durch unter Verwendung von repräsentativen Fahrzeugen. Geht nicht anders.

Der harte Regelbetrieb offenbart dann zwangsläufig anfangs Probleme. Dazu die komplexen und langwierigen Prozesse der Zulassung. Handelt sich ja um sicherheitsrelevante Komponenten!

Wer glaubt, es besser zu können, der möge sich bei der DB bewerben. Versprochen, dass es auch dann knirscht!

  • Antwort von Axel, Montag, 08.Januar, 15:25 Uhr

    So ist es, leider herrscht halt allgemein Fahrzeugmangel. Die Politik als Eigentümer der Bahn investiert einfach nicht genug, egal ob in Strecke, Unterhalt, Fahrzeuge usw.