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Modernes Verfahren Hüft-OP radikal umgestaltet

In der Medizin hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine schnelle Aktivierung nach einer Hüft-OP bessere Ergebnisse erzielt und der Patient bereits vor der OP leichten Sport treiben sollte. Unter anderem wird die Methode in Fürth angeboten.

Von: Claudia Grimmer

Stand: 01.08.2018

In Deutschland werden jährlich rund 220.000 Hüft- und rund 165.000 Knie-Endoprothesen eingesetzt. Damit zählt sie zu einer der häufigsten Eingriffe überhaupt.

Nach OP sofort bewegen

Von einer Endoprothese sprechen Ärzte, wenn eine Prothese dauerhaft im Körper bleibt. Bei einer Hüft-TEP oder Hüftgelenksendoprothese ersetzen Orthopäden Teile des Hüftgelenks, die verschlissen oder verletzt sind, durch ein künstliches Hüftgelenk. Dessen Komponenten bestehen aus Metall oder Keramik. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter Vollnarkose und danach hieß es jahrelang Bettruhe und wenig Belastung für den Patienten. Kliniken setzen immer mehr auf genau das Gegenteil: nach der OP baldmöglichst aufstehen, um so schneller und länger bewegungsfähig zu bleiben.

Neues Verfahren auch in Fürth

Die Schön-Klinik Nürnberg-Fürth hat den Routine-Eingriff nach eigenen Angaben radikal umgestaltet. In dem Krankenhaus wurde in den vergangenen Jahren mit "EndoAktiv“ ein modernes Programm eingeführt, das den Erhalt eines künstlichen Gelenks in eine umfangreiche Vor- und Nachbereitung einbettet. Viele andere Kliniken bieten seit längerem ähnliche Methoden an.

Vollprogramm vor und nach der OP

Schon vor der Operation wird der Patient aufgefordert, sich regelmäßig zu bewegen. Geeignet dafür ist Radeln, Spazierengehen oder Aquajogging. Und auch für die Zeit nach der OP wird mit ihm ein Plan für die Aktivierung erstellt. Für den Eingriff wird in der Regel keine Vollnarkose durchgeführt, sondern eine sogenannte Rückenmarksanästhesie, bei der gleichzeitig auch Schmerzmittel gegeben werden. Anders als beim herkömmlichen Gelenkersatz werden zudem keine Einschränkungen wie Katheter oder Wunddrainagen verwendet. Dadurch kann eine frühere Mobilisierung durchgeführt werden. Und die erfolgt wenige Stunden nach der OP. Ziel ist es, dass der Patient wenige Tage nach dem Eingriff bereits wieder selbständig gehen kann.

Das Hüftgelenk muss Einiges aushalten

Auf das Hüftgelenk wirkt ständig eine Belastung vom zweieinhalb- bis dreifachen unseres Körpergewichts ein. Beim Laufen kommen zudem noch Beschleunigungskräfte hinzu. Bei einem Körpergewicht von 76 Kilogramm beträgt die Hüftbelastung beim Treppensteigen über 190 Kilogramm.

Auch bei einer Hüftfraktur gilt: schnell belasten

Das Klinikum der LMU München-Großhadern hat ebenfalls erst vor kurzem eine Studie über die frühe Belastung nach Hüftfrakturen durchgeführt. Fazit daraus ist, dass vor allem geriatrische Patienten unmittelbar nach der OP einer Vollbelastung ausgesetzt werden sollten.

Zudem hätten Studien gezeigt, dass mit länger dauernder Bettruhe nicht nur die Fähigkeit Alltagsaktivitäten zu bewältigen zurückgeht, sondern auch die Sterberate steigt. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie empfiehlt in ihren Leitlinien aus dem Jahr 2015, dass "jede operative Maßnahme nach Möglichkeit so erfolgen sollte, dass eine sofortige Belastung möglich ist".

Die Angst vor der Haltbarkeit

Stabilität und Haltbarkeit von künstlichen Hüftprothesen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Früher ging man von zehn Jahren aus, heute verbleiben Endoprothesen mindestens 20 Jahre im Körper. Verbessert haben sich zudem die Möglichkeiten eines Gelenktausches.


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