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Urgesteine der bayerischen Politik Huber und Magerl - Der Abschied aus dem Landtag

Der CSU-Mann Erwin Huber: Er war ganz oben und ist tief gefallen, trotzdem hat er immer weiter Politik gemacht. Genauso wie Christian Magerl (Grüne), über Jahrzehnte saß er auf der harten Oppositionsbank. Erreicht hat er trotzdem einiges. 2018 ist ihr letztes Jahr im Landtag.

Von: Ralf Fischer, Ronja Dittrich

Stand: 17.01.2018

Dezember 2017: Abstimmung zum dritten Nationalpark im bayerischen Landtag. Ein Herzensprojekt von Christian Magerl, dem langjährigen grünen Landtagsabgeordneten. Er will ein Bekenntnis des Landtags zu einer schnellen Entscheidung für einen Standort. Doch wird er heute die CSU rumkriegen? Das alte Duell. Seit Jahrzehnten - Opposition gegen CSU: Christian Magerl gegen Erwin Huber.

Gegnerschaft zwischen Huber und Magerl beginnt mit Münchner Flughafen

Seit über 40 Jahren ist Christian Magerl Flughafengegner. Auch gegen den Weiterbau des Münchner Flughafens im Erdinger Moos kämpfte er 1985.

Die Geschichte der politischen Gegnerschaft zwischen Huber und Magerl beginnt mit dem Bau des Münchner Flughafens. Der bayerische Verwaltungsgerichtshof entscheidet 1985 über den Weiterbau. Vor Gericht verlieren die Flughafengegner um Magerl.

"Da hab ich mir gesagt: So, und wenn ihr mir meine Heimat wegnehmt, dann nehm' ich euch die Stimmen weg - weil das ist letztendlich die einzige Sprache, die die CSU versteht."

Christian Magerl

Die Grünen ziehen in den bayerischen Landtag

Es funktioniert - in Rekordzeit. Schon ein Jahr später ziehen die Grünen in den bayerischen Landtag ein: zum ersten Mal. Für die CSU ist es ein Kulturschock. Am ersten Sitzungstag schmuggelt Magerl eine Kiste Tschernobyl-verstrahltes Heu ins Parlament.

Erwin Huber macht sich in der Politik einen Namen

1988 berief der damalige CSU-Chef Franz Josef Strauß Erwin Huber zum Generalsekretär.

In dieser Zeit fällt auch ein Abgeordneter aus Niederbayern dem damaligen CSU-General Gerold Tandler und Parteichef Franz Josef Strauß auf: Erwin Huber. 1987 wird er Tandlers Stellvertreter, 1988 selbst Generalsekretär. Seine erste schwere Aufgabe: die Beerdigung seines Chefs und Vorbilds Franz Josef Strauß.

1994 wurde Huber als Staatsminister und Leiter der Bayerischen Staatskanzlei in die bayerische Staatsregierung berufen.

Nach Strauß' Tod bleibt er Generalsekretär. Wird engster Vertrauter von Theo Waigel - auch als der mit Edmund Stoiber um die Macht streitet. Stoiber gewinnt - und macht etwas Unerwartetes: Er befördert Erwin Huber.

"Und ich habe auch gesagt: dieses Angebot freut mich, aber überrascht mich auch - ich war vorher die rechte Hand seines Kontrahenten Theo Waigel. Seine Antwort war: Du warst loyal und das war selbstverständlich und dann gehe ich mal davon aus, dass die Loyalität so ein Grundzug ist bei dir."

Erwin Huber

Die Grünen und die CSU in der Krise

Mitte der 90er kracht es bei den bayerischen Grünen. Christian Magerl rebelliert offen gegen den damaligen Fraktionschef - schimpft über seinen "Schafscheiß" und verabschiedet sich später im Zorn aus dem Landtag. Doch er kommt wieder, dieses Mal wegen des Flughafenausbaus. 2003 kehrt er ins Maximilianeum zurück.

Vier Jahre später steckt die CSU mit Edmund Stoiber im Umfragetief. Er will aber nicht gehen; Unmut wird laut. Seine möglichen Thronfolger - Beckstein und Huber - halten zunächst still. Dann kommt Kreuth: stundenlange Diskussionen der Landtagsfraktion, Stoiber fährt heim. In dieser Nacht einigen sich die Nachfolger Beckstein und Huber auf sein Erbe, das ist die Schlagzeile des nächsten Tages. Stoiber tritt zurück.

"Die Meldung selber war sehr spekulativ und ich hätte mir wirklich mehr gewünscht, dass wir es mehr im Miteinander machen könnten und, dass es nicht zu dieser Panikreaktion Edmund Stoibers gekommen wäre."

Erwin Huber

Historische Landtagswahl 2008

Das Tandem aus Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber brachte der CSU kein Glück bei den Wahlen.

Doch auch mit dem neuen Führungsduo Erwin Huber und Günther Beckstein erlebt die CSU eine bisher einmalige Pleite. Sie verliert die absolute Mehrheit und die Opposition wittert eine historische Chance.

"Da hat sich das abgezeichnet - das waren Hochgefühle."

Christian Magerl

"Ich schaue zurück und denke mir gelegentlich schon, wenn dies und jenes anders gelaufen wäre, wäre es anders rausgekommen. Aber man hat eben nicht alles in der Hand."

Erwin Huber

Erwin Huber tritt zurück. Zweimal.

Erwin Huber verliert erst den Parteivorsitz, dann das bayerische Finanzministerium. Die FDP will mitregieren, aber ohne Erwin Huber. In die Koalitionsverhandlungen platzen die Nachrichten von den Milliarden-Verlusten der Bayerischen Landesbank. Huber war als Finanzminister ein Jahr ihr wichtigster Kontrolleur. Die Koalitionäre verlieren das Vertrauen: er geht. Als einziger aktiver CSU-Politiker.
Die Wahl von Horst Seehofer macht am Ende sowohl Erwin Huber als auch Christian Magerl zu Verlierern. Der eine wird einfacher Abgeordneter, der andere muss in die Opposition. Der Traum von einer Regenbogenkoalition gegen die CSU war schnell zerplatzt.

Im Herbst wollen Christian Magerl und Erwin Huber nicht mehr bei der Landtagswahl kandidieren.

Das ist fast acht Jahre her. Zurück zur aktuellen Abstimmung über Christian Magerls Antrag zum dritten Nationalpark. Er wird abgelehnt. Zwar sind auch die Freien Wähler dagegen; viel entscheidender ist aber die Ablehnung durch die CSU-Fraktion. Erwin Huber hebt den Arm und schaut siegessicher zu den Grünen herüber. Huber und Magerl: Sie waren immer politische Gegner, nie Partner.
Dieses Jahr hören sie gemeinsam auf.


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Karin, Donnerstag, 18.Januar 2018, 13:49 Uhr

2. Huber - die Betonfraktion der CSU

die Betonfraktion wird hoffentlich in der CSU ohne Herrn Huber kleiner. Herrn Magerl wünsche ich weiterhin viel Elan im Einsatz gegen die 3. Startbahn. Er argumentiert mit Fakten und Daten, gesammelt über Jahre, da macht man sich anscheinend Feinde und man versucht seinem Ruf zu schaden. Das grenzt meiner Meinung schon an Verleumdung.

Martin, Donnerstag, 18.Januar 2018, 07:31 Uhr

1. Schade um Erwin Huber

... nicht schade um Herrn Magerl.

Im Landkreis Freising ist der Herr wohlbekannt, da er einen sehr losen Bezug zur Wahrheit pflegt. Es bleibt zu hoffen, dass sein Nachfolger weniger populistisch agiert.

  • Antwort von Hrdlicka, Freitag, 19.Januar, 09:44 Uhr

    @Martin: exakt andersrum ! Stimmt es eigentlich, dass sich Herr Huber nun einen Froschteich anlegt ?

  • Antwort von Klaus, Dienstag, 23.Januar, 13:01 Uhr

    @Martin
    Die Frage werden die meisten leider nicht verstehen :-)