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Abgestempelt? Hoffnung für Langzeitarbeitslose

Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist gering - besonders in Bayern läuft es rund. Doch die Zahlen täuschen oftmals über das Phänomen der Langzeitarbeitslosigkeit hinweg.

Von: Tom Fleckenstein

Stand: 03.05.2018

Thomas Schaller, 48 Jahre, ist handwerklich begabt und hat 15 Jahre als Schlosser und Schreiner gearbeitet. Doch dann geriet er in eine schwere Lebenskrise, war acht Jahre arbeitslos. "Weil einfach die Leute Vorurteile haben. Ich kann's auch verstehen, aber eine Chance sollte man schon kriegen."

Mangelndes Selbstbewusstein erschwert den Wiedereinstieg

Eine Chance bekommt Thomas Schaller beim Jobcenter in Erding. Die Region rund um den Flughafen boomt: Nur 1,9 Prozent Arbeitslosigkeit – nahezu Vollbeschäftigung. Fachkräfte werden händeringend gesucht. Doch für Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos waren, sieht es auf dem Arbeitsmarkt dennoch schlecht aus.

"Bei Herrn Schaller war es so dieses fehlende Selbstbewusstsein, schwierig, Vertrauen aufbauen: dass man sagt, 'Sie sind doch was wert. Sie haben schon was geleistet'."

Birgit Wetzel, Jobcenter Erding

Deutscher Gewerkschaftsbund übt Kritik

Langzeitarbeitslose in ganz Bayern finden immer seltener eine Arbeit. Das kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund - nach einer Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit. Während 2016 noch 13.625 langzeitarbeitslose Menschen eine neue Beschäftigung aufnehmen konnten, waren es 2017 nur noch 12.547. Das entspricht einem Rückgang von 8 Prozent.

Noch gibt es zu wenig an Förderangeboten. In Bayern sind derzeit über 55.000 Personen länger arbeitslos.

Wege aus der Krise

Baljeet Kauer stammt aus Indien. Sie hat zwei Kinder, ist geschieden und bekommt von ihrem Mann keinen Unterhalt, sagt sie. Daher sucht sie dringend Arbeit. Sie erhält Unterstützung bei "Avanta München“, einem staatlich geförderten Bildungsinstitut für Frauen, in dessen hauseigenem Subunternehmen "Avanta lettershop" macht sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Der Vorteil: Im geschützten Rahmen wird das Lerntempo individuell angepasst.    

Thomas Schaller aus Erding hat inzwischen einen neuen Job gefunden. Er arbeitet jetzt bei "Prop", einer Begegnungsstätte für Suchtkranke. Zur Zeit macht er eine dreijährige Ausbildung zum Facherzieher für Arbeitstherapie. Er hat wieder eine neue Perspektive im Leben. Nur manchmal hat er noch Angst, wieder arbeitslos zu werden.


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