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Medikament "PreP" HIV-Prophylaxe: Jens Spahn will Aids-Pille als Kassenleistung einführen

Am Montag startet in Amsterdam die Welt-Aids-Konferenz und jetzt sorgte Gesundheitsminister Jens Spahn im Vorfeld für eine Überraschung. Er will Medikamente, die Risikogruppen vor der Ansteckung mit HIV schützen können, als Kassenleistung einführen.

Von: Jeanne Turczynski

Stand: 20.07.2018

Finansstaatssekretär Jens Spahn (CDU) | Bild: dpa/picture-alliance/Sven Simon

Medikamente, die eine Ansteckung mit HIV verhindern, gibt es schon lange. Die sogenannte "PreP" steht für Prä-Expositionsprophylaxe.  Dass das funktioniert, ist bewiesen. Was blieb, war bisher die Frage der Kosten. 50 bis 70 Euro muss man für eine Monatspackung dieser Pillen zahlen.

Krankenkasse soll Risikogruppen die Prophylaxe zahlen

Gesundheitsminister Jens Spahn, CDU, hat nun im Deutschen Ärzteblatt angekündigt: Für Risikogruppen soll die Prophylaxe Krankenkassenleistung werden. Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe:

"Das ist ein Meilenstein. Bisher waren viele ausgeschlossen, das wird nun anders und das ist für die HIV-Prävention in Deutschland eine richtig gute Nachricht."

HIV-Schutz bislang für die besser Verdienenden

Wer Anspruch darauf haben wird, sollen der GKV-Spitzenverband und die ärztliche Bundesvereinigung aushandeln. In den nächsten drei Monaten wird dafür eine einheitliche Bewertung festgelegt werden. In Deutschland nehmen aktuell etwa 5.000 Menschen die "PreP". Studien haben gezeigt: Es sind vor allem die besser Verdienenden, die sich den HIV-Schutz leisten.


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konstanze, Samstag, 21.Juli, 09:01 Uhr

13. keine sonderbehandlung

die kassen zahlen nicht den vollen grippeschutz, nicht alle reiseimpfungen, die möglich wären, und und und. aber jetzt sollen sie medikamente bezahlen, damit schwule männer ohne kondom sex haben können. alle versicherten sollen also dafür zahlen, dass ein besonders risikoreiches sexualverhalten zumindest kein aids verursacht. logischer wäre es, die kassen würden als schutz vor einer ganzen reihe von geschlechtskrankheiten, die leider wieder verstärkt auftreten, kondome finanzieren. auch darüber diskutierte man schon. sicher würden möglicherweise einige aids-infektionen verhindert werden. aber mit dem gleichen argument könnte man anregen, dass die krankenkassen fahrradhelme, kindersitze .....finanzieren. es wundert mich sehr, dass ein als liberal geltender politiker anregt, dass die gesellschaft risiken abfedern soll, die der einzelne gar nicht eingehen müsste. (...) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von fiori, Montag, 23.Juli, 09:10 Uhr

    hi konstanze, über die Finanzierung weiterer maßnahmen lässt sich streiten. es handelt sich hier um eine ganz einfache kosten-nutzen rechnung. in der Vergangenheit wurde die prep nicht in den kostenkatalog der gkv aufgenommen, weil die monatl. packung für 700€ zur verfügung gestellt wurde. außerdem ist der finanzielle schaden für die kassen bei einer hiv ansteckung weitaus größer als bei einer grippe, wer sich außerdem eine reise in die tropen leisten kann, der wird auch geld für eine reiseschutzimpfung haben. außerdem, wenn hier schon auf risikoreiches und unverantwortliches sexualleben angespielt wird: wieso zahlt die krankenkasse eigentlich die pille? können frauen nicht auch einfach ihr risikoreiches sexleben einstellen?! ich sehe als mann nicht ein für diese "risikogruppe" mitzubezahlen.

fiori, Samstag, 21.Juli, 00:42 Uhr

12. Gute Gründe..

ich verstehe, dass sich einige hier auf den schlips getreten fühlen, wenn sie sich ärgern für die risikogruppe medikamente "mitzubezahlen" müssen.
es gibt nunmal menschen die ungeschützt sex haben - aus was für gründen auch immer.
für einige dieser menschen ist die prep für 70 eur pro monat viel geld und für andere nicht.
solchen menschen aus purem trotz eine kostenlose prep zu verweigern halte ich für extrem kurzsichtig.
wer genau nachrechnet erkennt, dass eine lebenslange behandlung nach erfolgter hiv ansteckung wesentlich kostenintensiver ist, als eine vorbeugende maßnahme:
20.000-30.000 EUR für eine HAART nach erfolgter ansteckung pro jahr und patient sind wesentlich mehr geld, als 840 EUR für eine jährliche prep maßnahme.
(HAART kosten unter folgender quelle recherchiert: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Epidemiologie/Surveillance/ClinSurv/Projekte/CS-689-003.html)
das vorgehen von herrn spahn ist richtig und erspart allen beitragszahlern unnötige zusatzkosten

winfried, Freitag, 20.Juli, 20:39 Uhr

11. HIV-Prophylaxe: Jens Spahn will Aids-Pille als Kassenleistung einführen

Richtig !!! ... Dafür zahle ich doch gern bei anderen Medikamenten drauf. ... Im Ernst, geht's noch, Jens ?!

Motzki, Freitag, 20.Juli, 20:12 Uhr

10.

Wie war das im vergangenen Winter mit der Grippe?
Die Kassen haben die bessere Impfung nicht bezahlt. Und es gab soviel Kranke und Tote wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.

In unserem Gesundheitssystem wird Grippe-Prophylaxe nicht bezahlt.
Aber HIV-Prophylaxe schon.
Verstehe wer will.

  • Antwort von mona b., Freitag, 20.Juli, 22:09 Uhr

    Ein Engländer, der sich in seiner Geschichte auskennt, würde sagen: Naja, der Herr Spahn ist eben ein Königstreuer......:-)) Deutlicher kann ich leider nicht werden. Die sexuelle Ausrichtung eines Menschen darf man nicht beanstanden!

Barbara, Freitag, 20.Juli, 19:36 Uhr

9. Das Gesundheits-Ministerium gehört in gesunde Hände,

die auch gut rechnen können. Andernfalls werden die Gesunden auch noch krank gemacht! So, wie das jetzt läuft, taugt diese Politik nichts, sie schadet nur den Gesunden.