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Regierungs-Gutachten Hardware-Nachrüstung für Diesel "mit verträglichem Aufwand möglich"

Bislang hat sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gegen Hardware-Nachrüstungen gewehrt. Er habe rechtliche, technische und finanzielle Bedenken, so der CSU-Politiker. Ein von seinem Haus in Auftrag gegebenes Expertengutachten kommt nun zu einem ganz anderen Ergebnis.

Von: Arne Meyer-Fünffinger

Stand: 27.04.2018

Abgase kommen aus dem Auspuff eines Autos. | Bild: BR/Johanna Schlüter

Die Umstände für die Erstellung des Gutachtens sind pikant: In Auftrag gegeben hat es das Bundesverkehrsministerium. Erstellt hat es Georg Wachtmeister vom Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen an der Technischen Universität München. Das Gutachten liegt dem Bayerischen Rundfunk in Auszügen vor.

Auch eine von der Bundesregierung im August vergangenen Jahres auf dem Diesel-Gipfel eingesetzte Expertenkommission hat sich bereits damit beschäftigt. Im Laufe des Abends will die Deutsche Umwelthilfe die komplette Stellungnahme auf ihrer Internetseite veröffentlichen.

Gutachter widerspricht Scheuer und der Autoindustrie

Im Gegensatz zum Bundesverkehrsministerium und auch zum Verband der Automobilindustrie kommt Gutachter Wachtmeister zu dem Schluss, dass "eine Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen der Schadstoffklasse 'Euro 5' mit verträglichem Aufwand möglich ist". Der Kostenrahmen für eine solche Nachrüstung bewege sich in einer realisierbaren Größenordnung. In der Ausarbeitung ist von 1.000 bis 3.000 Euro die Rede.

Experte spricht sich für AdBlue-Kat aus

Der Experte favorisiert dabei eine Nachrüstlösung mit einem so genannten "SCR-Katalysator". Dabei wird eine Harnstofflösung, besser bekannt als "AdBlue", zur Abgasreinigung eingesetzt. Ein Tank für diese Flüssigkeit müsste bei betroffenen Diesel-Fahrzeugen zusätzlich eingebaut werden.

Der Bauraum für eine solche SCR-Nachrüstung sei aber "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorhanden", betont der Gutachter. Gleichzeitig betont er allerdings, dass die jeweiligen Fahrzeughersteller für das notwendige KnowHow verfügen, um das beste Ergebnis bei einer solchen Nachrüstung zu erreichen.

Die ersten Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Grünen-Chefin Annalena Baerbock erklärte, Scheuer müsse das Gutachten ernst nehmen.

"Sorgen sie dafür, dass die Autobauer die manipulierten Fahrzeuge auf eigene Kosten technisch nachrüsten."

Annalena Baerbock

Ein weiteres von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Thema zum Hardware-Nachrüstung bei Diesel-Fahrzeugen steht noch aus. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Empfehlungen der Expertenkommission abzuwarten. Diese dürften frühestens in einigen Wochen vorliegen. Erst dann wird klar sein, ob es bei den bislang zwischen Regierung und Autoindustrie verabredeten Software-Updates für mehr als fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge bleibt.


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