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Guttenbergs Auftritt in Elmau Der Weise aus dem Abendland

Er fliegt um die Welt und erklärt uns dieselbe - auf einem Zwischenstopp in Elmau. Erst geliked, dann gedisst und nun eine Art Augur der internationalen Politik. Was hat er uns zu sagen? Dass der G7-Gipfel nichts bringen wird, zum Beispiel.

Von: Jürgen P. Lang

Stand: 28.04.2015 | Archiv

Karl-Theodor zu Guttenberg | Bild: picture-alliance/dpa

Wie ein Ex-Verteidigungsminister oder CSU-Politiker kommt der Freiherr nicht daher, eher wie ein schlecht resozialisierter kalifornischer Computernerd: 10-Tage-Bart (statt Haargel), Poloshirt (statt Krawatte), Lederarmbänder (statt Rolex). So sieht also der „Distinguished Statesman“ aus, als der er beim Center for Strategic and International Studies in den USA mitarbeitet. Sein Job: Politikberater. Seine Prognosen: beredt, aber selbst prognostizierbar.

"Hochrangigster Deklarationsclub der Welt“

Mit Bart und Lederarmband: Guttenberg in Elmau

Vom G7-Treffen Anfang Juni in Elmau erwartet zu Guttenberg wenig. Die vorangegangenen Zusammenkünfte in dieser Art hätten gezeigt: Es werde "viel Kraft in die Vorbereitung gesteckt und am Ende kam herzlich wenig dabei heraus". Im Augenmerk der Weltöffentlichkeit: Das Drumherum, nicht die Inhalte. Die G7 seien der "hochrangigste Deklarationsclub der Welt“ - mit begrenzter Haltbarkeit selbst der Deklarationen.

Deutschland die "letzte Führungskraft"

Elmau dürfte, sagt Guttenberg voraus, noch weniger Wirkungskraft entfalten - dieses Jahr stehe nicht gerade "im Zeichen der Stärke der Protagonisten". Großbritannien: Muss sich nach den Wahlen sortieren. Frankreich: Wird international als "erbärmlich schwach" angesehen. Italien: Renzi versuche zu "schröderisieren", aber ohne Erfolg. Die letzte europäische Führungskraft sei Deutschland unter Angela Merkel. Stark allerdings nur deshalb, weil die anderen schwächeln.

Obamas "erratische Außenpolitik"

Und die USA? Innenpolitisch sei die Lage völlig verfahren, Präsident Obama die "lamest duck" in der Historie Amerikas. Seine "erratische Außenpolitik" habe das Vertrauen der Partner eher erschüttert als gestärkt. Hillary Clinton, potenzielle Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, distanziere sich jetzt schon, um nicht zu sehr mit Obamas zweiter Amtszeit identifiziert zu werden.

Was kommt raus in Elmau?

Dabei gebe es in Elmau Streitthemen genug. Energiesicherheit: Setzt sich das amerikanische Modell der Energieautonomie auch in Europa durch? Klimaschutz: Das Herzensthema der Kanzlerin kollidiert mit innenpolitischen Rücksichtnahmen des US-Präsidenten. Naher Osten: Ohne Russland keine Lösung. Was Guttenberg vermisst? Das Thema Digitalisierung. Die Macht der Internetunternehmen (sie sei durchaus konkurrenzfähig mit der Macht der Regierungen) gehe auch in Elmau offline.

Eine Klamottenfrage?

Mit dem Politikbetrieb will Guttenberg 2.0 nichts mehr zu tun haben - erstmal zumindest. Er gibt zu erkennen, über diesen Dingen zu schweben. Das neue Outfit kann man insofern als Distanzierung zu einem früheren Leben deuten. Ach ja, und dann sagt er, bevor er in die USA entschwebt, sibyllinisch:

"Ich schließe aus heutiger Sicht eine Rückkehr in die aktive Politik aus. Ich war allen Extremen des Geschäfts ausgesetzt und habe keine Lust, das nochmal zu erleben."

Karl Theodor zu Guttenberg.


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