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Gefahr durch Aufrüstung? Grüne beklagen starke Zunahme von Waffen

Schreckschusswaffen, Pfefferspray, Signalwaffen: mit dem so genannten kleinen Waffenschein können solche Waffen in der Öffentlichkeit mitgeführt werden. Der rapide Anstieg in diesem Bereich alarmiert die Grünen im bayerischen Landtag.

Von: Eva Huber

Stand: 18.05.2018

Schreckschusspistole in Aktion | Bild: pa/dpa/Carsten Rehder

Die Zahl der kleinen Waffenscheine steigt – wenn auch längst nicht mehr so stark wie in den beiden Vorjahren. Ende 2017 gab es in Bayern 93 650 kleine Waffenscheine – 11 000 mehr als noch im Jahr zuvor.

Seit 2014 hat sich die Zahl sogar mehr als verdoppelt. Beunruhigend sei das, sagt Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag.

"Für die Verteidigung der Sicherheit ist unsere Polizei zuständig. Da muss sich nicht der einzelne Bürger selbst bewaffnen. Und deswegen finde ich gerade diesen Trend zur Schreckschusswaffe sehr erschreckend. Denn eine Schreckschusswaffe ist gefährlich, sie kann zu schwerwiegenden Verletzungen führen. Sogar bis zum Tod. Und vor allem ist sie vom Original kaum unterscheidbar."

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag

Täuschend echte Pistolen für jedermann

Die Polizei könnte möglicherweise nicht einschätzen, ob das Gegenüber eine echte Waffe in der Hand hat oder eine Schreckschusspistole, befürchtet Katharina Schulze. Und sie kritisiert, dass diese Waffen frei verkäuflich sind.

Nur wenn man die Waffe auch für unterwegs mitnehmen will, braucht man einen kleinen Waffenschein. Wer Pfefferspray und Schreckschusspistole zu Hause behält, braucht diesen Schein nicht.

"Ich vermute, dass wir eine höhere Dunkelziffer an Schreckschusswaffen in Bayern haben und das ist gefährlich."

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag

Die Grünen fordern deshalb, dass man auch für den Besitz einer Schreckschusspistole einen kleinen Waffenschein vorweisen muss.

Innenminister nicht besorgt

Das bayerische Innenministerium weist diese Forderung klar zurück. Der Trend habe sich – nach dem starken Anstieg 2015 auf 2016 - schon wieder deutlich abgeschwächt, sagt Innenminister Joachim Herrmann.  

"Da geht’s um ein paar 10 000. Es ist im Hinblick auf die 13 Millionen, die wir haben in Bayern ein kleiner Anteil. Deswegen macht mich das auch nicht besorgt."

Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister

Trend zur Aufrüstung?

Auch bei anderen Zahlen zum Waffenbesitz in Bayern, die die Grünen in einer schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung abgefragt haben, gehen die Interpretationen stark auseinander. Katharina Schulze betont, dass es wieder mehr Waffen in Bayern gibt: nämlich 1 Millionen 187 Tausend, das sind zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor.

"Man sieht über die letzten Jahre, dass es deutlich einen Trend zu Aufrüstung. Das ist für mich sehr besorgniserregend und auch erschreckend."

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag

Innenminister Herrmann schaut dagegen auf den längeren Verlauf und sagt, in den letzten zehn Jahren sei die Zahl der Waffen kontinuierlich zurückgegangen.

"In den letzten zwei Jahren ist es jetzt wieder leicht gestiegen. Welche Hintergründe das hat, lässt sich im Moment noch nicht absehen und ich kann im Moment jetzt noch keine grundlegenden Trendwende erkennen."

Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister

Immer mehr Waffen, aber immer weniger Kontrollen

Die Waffenbesitzer werden in drei Gruppen eingeteilt: Jäger und Sportschützen und Waffensammler. Alle sollen regelmäßig kontrolliert werden – ob sie die Waffen ordnungsgemäß weggesperrt sind. Dass der Schlüssel für den Schrank auch versteckt ist. Gerade bei den Kontrollen sehen die Grünen Defizite: 2013 und 14 hat es etwas mehr als 20 000 Kontrollen gegeben. 2015 und 16 waren es 3500 Kontrollen weniger:

"Und das finde ich schon sehr gefährlich und auch besorgniserregend. Wenn es auf der einen Seite einen Anstieg an Schusswaffen in Bayern gibt und auf der anderen Seite einen Rückgang der Kontrollen, dann läuft hier was schief. Deshalb sagen wir Grünen ganz klar: wir fordern eine Verstärkung der Waffenkontrollen in Bayern."

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag

Der Innenminister entgegnet darauf, dass die Kontrollen nach wie vor durchgeführt werden. jeder Landrat könne aber selbst entscheiden, wie er die Prioritäten setzt – ob gerade mehr Lebensmittelkontrollen nötig seien oder doch die Waffenkontrollen.


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