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Entwicklerkonferenz Google sammelt mehr Daten als Facebook

Google eröffnet seine traditionelle Entwicklerkonferenz i/o am kalifornischen Firmensitz in Mountain View. Das Smartphone-System Android steht traditionell im Mittelpunkt. Zu den weiteren Schwerpunkten dürften neue Dienste mit künstlicher Intelligenz, der sprechende Google-Assistant und die Strategie im Geschäft mit virtueller Realität gehören. Fraglich, ob es diesmal auch um den Datenschutz geht.

Von: Marcus Schuler

Stand: 08.05.2018

Entwicklerkonferenz von Google | Bild: picture-alliance/dpa

Die spannende Frage lautet: sagt er’s oder sagt er’s nicht? Wird sich Google-Chef Sundar Pichai in seiner Rede ab 19 Uhr MEZ vor den 5.000 Entwicklern weiter wegducken vor der P-Frage? Gemeint ist: Wie stellt sich das Unternehmen in Sachen Privatsphäre und Datenschutz auf? Gibt es vielleicht sogar ein klares Bekenntnis, so wie es gestern ein anderer CEO vorgemacht hat: Satya Nadella, der Chef von Microsoft. Er hat sich bei der hauseigenen Build-Konferenz in Seattle auf die Seite der Nutzer gestellt:

"Privatsphäre ist ein Menschenrecht. Wir als Unternehmen verpflichten uns, dieses Recht zu schützen. Wenn wir Daten verwenden, soll das dem User nutzen. Oberstes Gebot ist, der Benutzer soll immer die Kontrolle über seine Daten und deren Gebrauch haben."

Satya Nadella, Microsoft-Chef

Google hat uns alle

Google, so sagen Experten, sammelt deutlich mehr Daten als Konkurrent Facebook. Stichwort: Schattenprofile. Google erfasst auch User, die nicht einmal die Suchmaschine des Unternehmens verwenden. Der Trick: viele Internetseiten haben ein Analyse-Werkzeug von Google eingebaut. Das misst Zahl und Herkunft der Besucher einer Website. Tatsache ist: Während des Cambridge Analytica-Skandals um Facebook hat sich der nur wenige Kilometer entfernte Suchmaschinen-Riese auffällig still verhalten. Stephen Levy hat 2011 das Buch “In the Plex” geschrieben, einen Insider-Bericht über die Anfangszeit des Unternehmens. Kaum einer kennt Google besser als er:

"Wenn jemand für ein Problem die ganze Schelte bezieht, ist es das Klügste sich einfach wegzuducken. Es gibt viele Gründe, weshalb Google genauso exponiert ist, wie Facebook. Wenn alle mit dem Finger auf einen zeigen, hebt man nicht die Hand und sagt, wir haben die gleichen Schwächen."

Buchautor Stephen Levy

Neues zu Android

Die meisten Programmierer kommen ohnehin aus einem anderen Grund zur i/o: sie wollen wissen, wie es mit dem Android-Betriebssystem weitergeht. Das ist das Hauptthema der Konferenz. Google will seine neueste Version vorstellen. Code Name “P”. Das Problem von Android: die jeweils aktuellste Version des Systems ist zu wenig verbreitet. Das System mit dem Namen Oreo läuft nur auf weniger als 5 Prozent aller Android-Geräte, denn es gibt zu viele verschiedene Smartphone-Hersteller und jeder versorgt seine Kunden unterschiedlich schnell mit Software-Updates. Auch bei den sprechenden Assistenten für zuhause schwächelt Google. Konkurrent Amazon soll deutlich mehr schlaue Lautsprecher und Assistenten verkauft haben.

Wer bremst die digitalen Assistenten?

Nur beim Thema künstliche Intelligenz liegt Google vorn. Aber: Wer gebietet den selbst denkenden Maschinen Einhalt beim großen Datensammeln? Google ist da bis jetzt Antworten schuldig geblieben. Und das bringt uns wieder zum Ausgangspunkt zurück. Google-Versteher Stephen Levy meint: Der Konzern habe bisher schlicht Glück gehabt.


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