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Kriminalstatistik 2017 Gewalt und sexueller Missbrauch an Kindern nimmt zu

Allein in Bayern sind im vergangenen Jahr 26 Kinder ermordet worden. Insgesamt wurden 2017 in Deutschland 143 Kinder getötet. Etwa 50 Kinder werden jeden Tag misshandelt oder sexuell missbraucht. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher.

Stand: 05.06.2018

Mädchen sitzt neben seinem Schulranzen und hält sich die Hände vors Gesicht. | Bild: picture-alliance/dpa/Nicolas Armer

Mindestens zwei Kinder werden in Deutschland durchschnittlich jede Woche getötet. 143 Fälle waren es im Jahr 2017, die meisten davon in Bayern und Nordrhein-Westfahlen. Das ergab eine Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik, die die Kinderschutzorganisation Deutsche Kinderhilfe sowie das Bundeskriminalamt (BKA) und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung in Berlin vorstellten.

13.539 Kinder Opfer sexueller Gewalt

In der Auswertung heißt es auch, dass jeden Tag in Deutschland fast 50 Kinder misshandelt oder sexuell missbraucht werden. 13.539 Kinder unter 14 Jahren wurden demnach Opfer von Vergewaltigungen und anderer sexueller Gewalt. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 4.247 Kinder, die schwer misshandelt wurden. 1.830 davon waren jünger als sechs Jahre. Experten warnen davor, dass immer mehr Kleinkinder und Babys missbraucht werden. Sie fordern, dass Risiken - etwa bei psychischen Störungen der Eltern - früher erkannt werden, und das Personal bei Justiz und Strafverfolgung besser geschult wird.

Hohe Dunkelziffer bei Gewalttaten an Kindern

Das BKA geht davon aus, dass die Dunkelziffer bei Kindesmisshandlung sehr hoch liegt. Nur ein Teil der Taten wird überhaupt bekannt. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, und Kinderhilfe-Chef Rainer Becker sprachen von einem großen Dunkelfeld bei derartigen Taten: Häufig schlagen Eltern oder andere Verwandte die Kinder. Auch Missbrauch geschieht in Familien. Die Täter werden daher oft nicht angezeigt.

Neue Dimensionen des Kindesmissbrauchs wegen des Internets

Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, sieht im Internet die größten Gefahren und Risiken für Kinder. Anlässlich des aktuellen Berichts des BKAs über Kindesmissbrauch sagte Rörig in einem ARD-Interview, die sexuelle Gewalt an Kindern habe durch das Internet ganz neue Dimensionen angenommen. Das schnelle Netz mache es möglich, leicht an perfides Material zu kommen, so Rörig. Inzwischen gebe es 80.000 Internetseiten, die Kinderpornografie anbieten würden.

Die Täter haben laut dem Experten nur wenig zu befürchten, weil es krasse Versäumnisse beim Kinder- und Jugendschutz im Internet gebe.


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