29

Gegen die Smartphone-Sucht Weniger am Handy - so geht’s

Im Schnitt nehmen wir das Handy 88 Mal am Tag in die Hand. Das unterbricht unseren Alltag und macht unproduktiv. Doch wann ist man süchtig? Und wie kann man seinen Konsum reduzieren, wenn man das Smartphone auch beruflich stark nutzt?

Von: Ronja Dittrich, Christina Schmitt, Kira Schuermann

Stand: 29.11.2017

Wahrscheinlich lesen Sie diesen Artikel auf Ihrem Smartphone - und checken gleich noch Ihre WhatsApp-Nachrichten, Facebook oder ihre Arbeitsmails. Im Durchschnitt blicken wir alle 18 Minuten aufs Handy. Und 88 Mal am Tag nehmen wir es in die Hand. Oft unbewusst, verbringen wir mehrere Stunden am Tag mit unserem Smartphone.

Das Problem: Je öfter wir aufs Handy schauen, desto unproduktiver werden wir.

Professor Christian Montag forscht zur Smartphone-Nutzung und deren Folgen.

Nach jeder Störung brauchen wir etwa 15 Minuten, um unsere Konzentration wieder herzustellen. "Je öfter wir aufs Handy schauen, desto unproduktiver werden wir", sagt Professor Christian Montag von der Universität Ulm. Er ist Psychologe und forscht zur Smartphone-Nutzung und deren Folgen. Dafür hat er Zeitmesser-Apps von 100.000 Teilnehmern ausgewertet.

Woran erkenne ich, dass ich möglicherweise süchtig bin?

Smartphone-Sucht ist noch keine anerkannte Diagnose, ebenso wenig Internetsucht. Das Phänomen ist verhältnismäßig neu - und aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht ausreichend erforscht. Dabei geht mittlerweile auch die Bundesregierung davon aus, dass in Deutschland eine halbe Million Menschen daran erkrankt sind.

Symptome der Online-Sucht

Wer vom Internet abhängig ist, leidet häufig unter Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen oder sozialen Ängsten. Folgen eines übermäßigen Internetkonsums können sein:
-       Vernachlässigung der Körperpflege, Ernährung und Gesundheit
-       Soziale Probleme in Familie, Partnerschaft und Freizeit
-       Leistungsabfall in Schule, Ausbildung und Beruf

Eine erste Einschätzung zum eigenen Konsumverhalten kann ein Online-Selbsttest geben. Zum Beispiel der Test "Smartphone Addiction" von der Universität Ulm. Hierbei muss der Nutzer Fragen beantworten und sieht dann sein Ergebnis im Vergleich zu denen der anderen Testpersonen. Einen weiteren Selbsttest zu Internetsucht hat die Uni Bochum entwickelt. Dort haben Betroffene sogar die Möglichkeit, mit einem Therapeuten ein Erstgespräch über Webcam zu führen.

Wie kann ich meinen Internet-Konsum reduzieren?

Das Smartphone oder der Computer gehören für viele zum Alltag - schon allein aus beruflichen Gründen. Die Folgen: ständige Erreichbarkeit, ständige Unterbrechungen des Alltags. Aufgaben zu bewältigen wird dadurch immer schwieriger und der Stress nimmt zu. Wer dem entgegenwirken und seinen Konsum reduzieren will, kann sich Hilfe in Seminaren suchen. Dort lernen Teilnehmer, dass ein bewusster Umgang mit dem Internet die Lebensqualität verbessern kann.

Coaches haben vor allem folgende Tipps:

Tipp 1

Offline in den Tag starten: Sich nicht vom Handy wecken lassen, sondern von einem analogen Wecker. Keine Nachrichten im Bett checken, nicht auf der Toilette Facebooken und das Handy erst nach dem Frühstück in die Hand nehmen.

Tipp 2

Die erste Stunde des Tages für Planung und Priorisierung der Aufgaben einsetzen.

Tipp 3

Nicht rund um die Uhr Arbeitsmails checken und erreichbar sein - stattdessen ein bewusstes Zeitmanagement: Dabei kann es helfen, alle Signale an Computer und Handy auszuschalten und Zeiträume zu definieren, in denen bestimmte Aufgaben erledigt werden. Während dieser Zeit sollte man im besten Fall offline gehen und das Smartphone weglegen.

Tipp 4

Telefonieren oder persönliche Gespräche statt der Kommunikation per Mail: Wer weniger E-Mails sendet, bekommt auch weniger zurück. Vieles lässt sich ohnehin im direkten, persönlichen Kontakt einfacher klären.

Tipp 5

Eine Stunde vor dem Schlafengehen das Smartphone nicht mehr in die Hand nehmen.

Tipp 6

Sich bewusst werden, wie viel Zeit man mit dem Handy verbringt: Da können die Apps "Moment (ios) und "Menthal" helfen.


29