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EM-2016: Schiedsrichter-Hilfen Analysten, Torlinientechnik und neue Regeln

Bei der Fußball-EM in Frankreich hatten die 18 Schiedsrichter professionelle Spielanalysten an der Seite. Zudem standen ihnen Datenbanken, Videoanalysen und die elektronische Torlinientechnik zur Verfügung, um richtig zu entscheiden.

Stand: 04.04.2017

Schiedsrichter Felix Brych | Bild: picture-alliance/dpa

Bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine kam es im entscheidenden Gruppenspiel gegen England zu einer schweren Fehlentscheidung: Der Ukraine verwehrte der damals noch eingesetzte Torlinienrichter im Gruppenspiel gegen England einen regulären Treffer – die Ukraine verlor 0:1 und schied daraufhin aus. Damit es bei der EM 2016 in Frankreich nicht zu solchen Fehlern kommen konnte, wurden die Schiedsrichter ganz speziell vorbereitet und es wurde erstmals bei einer EM auch eine elektronische Torlinientechnik eingesetzt.

Das "Falkenauge" wachte über die Tore der EM

Felix Brych, der einzige deutsche Schiedsrichter des Turniers, begrüßte die Einführung der elektronischen Torlinientechnik durchaus.

"Für uns ist das eine große Erleichterung, weil dadurch einfach eine ganz wichtige Fehlerquelle reduziert wird. Die Erfahrungen aus der Bundesliga sind sehr positiv."

Felix Brych, EM-Schiedsrichter

UEFA-Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina

Zudem hatte der ehemalige italienische Unparteiische Pierluigi Collina, heute UEFA-Schiedsrichterchef, für die EM-Schiedsrichter weitere professionelle Hilfe parat: Die Unparteiischen bekamen professionelle Spielanalysten – lizensierte Trainer – an ihre Seite, mit denen sie sich auf die Spiele vorbereiten konnten. Etwa auf die Taktik der einzelnen Mannschaften, Aufstellungen oder Besonderheiten einzelner Spieler.

"Die Schiedsrichter sollen einen Schritt voraus sein und alles über die beiden Teams und die Spieler wissen, bevor das Match beginnt."

Pierluigi Collina, UEFA-Schiedsrichterchef

Schule fürs Auge

Außerdem konnten die 18 ausgewählten Schiedsrichter und die 36 Assistenten auf ein Internet basiertes Tool mit hochauflösenden Videos zu Abseitssituationen zurückgreifen, das alle zwei Wochen mit neuem Material gefüttert wird. Diese Situationen müssen die Schiedsrichter beurteilen und so ihr Auge schulen.

Gemeinsame Kriterien für alle

EM in der ARD

Hier finden Sie auf den Sportschau-Seiten Aktuelles und Hintergründiges zur Fußball-Europameisterschaft, der Nationalmannschaft, dem Trainerstab, zu Frankreich und den weiteren 23 Teilnehmern der EM.

Da es einige wichtige Regeländerungen gab, sah Collina die Notwendigkeit, dass die Schiedsrichter, Spieler und Teams knifflige Spielsituationen nach gemeinsamen Kriterien beurteilen. Deswegen hatte ein UEFA-Team auch alle 24 an der EM teilnehmenden Mannschaften noch vor der EM besucht und mit ihnen Videoclips angeschauet, bewertet und durchgesprochen. Eine dieser neuen Regelungen war die Änderung der sogenannten Dreifachbestrafung.

Dreifachbestrafung

Bisher: Hat ein Spieler eine klare Torchance des Gegners im eigenen Strafraum durch Foul verhindert, bekommt der Foulende zwingend einen Platzverweis und damit auch eine Spielsperre. Der Gefoulte bekommt einen Elfmeter.

Nun: Versucht der Spieler klar den Ball zu spielen, foult aber den Gegner im eigenen Strafraum und wird dadurch eine klare Torchance vereitelt, kann der Foulende auch nur mit einer Gelben Karte verwarnt werden. Damit entfällt eine Spielsperre. Der Gefoulte bekommt einen Elfmeter.

Die Zweite Mauer

Eine weitere Besonderheit, auf die Collina die Schiedsrichter im Vorfeld schulen wollte und die im englischen und spanischen Fußball durchaus Praxis ist: Eine angreifende Mannschaft positioniert bei einem Freistoß sozusagen eine zweite Mauer zwischen Abwehrmauer und Torwart. Beim Freistoß rennen die Spieler dann aus der eigentlichen Abseitsposition. Kommt es in so einer Situation zu einem Treffer, würde der nicht zählen, so Collina. Eine Tatsache, die sicherlich zu einigen Diskussionen führen kann, wenn sich die Schiedsrichter in der Bewertung der Situation nicht einig sind.


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