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Antisemitismus im Amateurfußball Die deutschen Makkabi-Vereine schlagen Alarm

Wüste Beschimpfungen, antisemitische Bedrohungen. Auf deutschen Fußballfeldern wird immer öfter offen gegen Juden gehetzt. Opfer sind Spieler von Makkabi-Vereinen. Der Präsident von Makkabi Deutschland, Alon Meyer, stellt eine Veränderung im Antisemitismus fest: "Er kommt nicht mehr von rechts, er kommt nicht mehr von den Glatzen. In den großen Vereinen kommt er verstärkt von Gegnern mit einem muslimisch-arabischen Hintergrund. Wir müssen uns der Sache annehmen." Doch weder Vereine noch der DFB gehen das Thema an, wie Recherchen von report München zeigen.

Von: Astrid Halder / ARD-Magazin report München

Stand: 25.04.2018

Fußball liegt im Tor | Bild: BR

„Scheißjude“ oder „Judenschwein“, solche Beschimpfungen erleben die Spieler von Makkabi Frankfurt mittlerweile häufig. Doch ein Spiel im letzten November gegen die B-Jugend von Griesheim 02 werden sie sobald nicht vergessen, weil es schlimmer als sonst war. Es seien nicht nur antisemitischen Beschimpfungen gefallen, der 16 jährige Ben musste sich auch Drohungen gefallen lassen wie "Ich schlitz Deinen Bauch auf, ich schlitz Dich auf… Scheißjude".

Ein Spieler drohte sogar, den Makkabi-Trainer abzustechen. Das zeigt ein Handyvideo, das ein Zuschauer gedreht hat. Die Eltern der Spieler hatten damals Angst um ihre Kinder, wie sie bei einem Treffen erzählen. Die Beschimpfungen und Bedrohungen wären von muslimischer Seite gekommen, so die Eltern. Dabei spielen bei Makkabi Frankfurt nicht nur Juden, sondern auch Christen und Muslime.

"Es gibt ja auch viele Muslime in der Mannschaft von Makkabi. Und die waren alle schockiert. Denen gegenüber hieß es mehr oder weniger vom Tenor her. Ihr Verräter, Ihr spielt für die Juden."

David Lieberberg, Vater eines B-Jugendspielers

Trainer postet antisemitische Propaganda

Vor allem den Trainer von Griesheim 02 beschreiben die Makkabi-Eltern als aggressiv. Er habe seine Jungs nicht auf dem Feld aufgestellt, er habe sie in den Krieg geschickt, so hat ihn Spielervater Frank Schüler in Erinnerung. Auf seiner privaten Facebook-Seite postet der Trainer tatsächlich ein antisemitisches Propaganda-Video für ein islamisches Großreich.

Ist so jemand ein geeigneter Jugendtrainer? Wir bitten den Vorstand von Griesheim 02 um Stellungnahme. Und konfrontieren ihn mehrmals zum Vorwurf der antisemitischen Bedrohungen beim Spiel gegen Makkabi Frankfurt. Doch der Amateurverein will sich dazu nicht äußern.

Alon Meyer ist Präsident  von Makkabi Deutschland. Er sieht beim Antisemitismus eine neue Entwicklung.

"Er kommt nicht mehr von rechts, er kommt nicht mehr von den Glatzen. Vor allem in den großen Vereinen Frankfurt, Köln, Stuttgart, Berlin kommt er verstärkt von Gegnern mit einem muslimisch arabischen Hintergrund."

Alon Meyer, Präsident Makabbi Deutschland

Er wünscht sich jetzt mehr Engagement von den Verbänden. Auch  Charlotte Knobloch, die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, bedauert, dass diese Entwicklung im Antisemitismus verschlafen wurde, jetzt müsse man mutig dagegen vorgehen.

Keine Stellungnahme vom DFB

Doch passiert das momentan? Das ARD-Magazin report München will vom Deutschen Fussball-Verband wissen, was man zu der Beobachtung von Makkabi-Deutschland Präsident Alon Meyer sagt, dass sich momentan ein Antisemitismus von arabisch-muslimischer Seite entwickle? Und ob es nicht Vorgaben für Vereine geben müsse, wenn sich Trainer fragwürdig verhalten, wie im Fall Griesheim 02? Beim DFB bedauert man, man könne ein Interview aus "terminlichen Gründen nicht realisieren".  Auch schriftlich könne man unsere Fragen nicht beantworten. Sich mutig mit dem Thema Antisemitismus auseinanderzusetzen sieht wohl anders aus.


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