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Das Ende des Superministers Für Ludwig Spaenle ist kein Platz im Kabinett

Als "Superminister“ war er 2008 gestartet, nun wird er überraschend aus dem Amt gejagt: Kultusminister Ludwig Spaenle wird dem neuen Kabinett unter Ministerpräsident Markus Söder nicht mehr angehören, obwohl der 56-Jährige ein Weggefährte und Freund Söders ist. Deshalb schwingt auch Bitterkeit mit, wenn Spaenle zum Abschied sagt: "Ich wünsche dem neuen Ministerpräsidenten alles Gute und echte Freunde".

Von: Jeanne Rubner

Stand: 21.03.2018

Ludwig Spaenle (CSU), sitzt vor Beginn der Vereidigung der neuen Kabinettsmitglieder auf seinem Platz im Plenarsaal.  | Bild: picture-alliance/dpa

Mit Söders Vorgänger Horst Seehofer dagegen war Spaenle immer wieder aneinandergeraten. Insbesondere gab es Streit über das alles bestimmende Bildungsthema des vergangenen Jahrzehnts: die Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8) und die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9). Da wollte Spaenle zunächst nicht mitziehen, musste sich aber Seehofer fügen.

Politiker mit Nehmerqualitäten

Die Bevormundungen durch seinen Ministerpräsidenten hat Ludwig Spaenle stets tapfer ertragen, er hat sich einen Namen gemacht als Politiker mit Nehmerqualitäten. Er sei sehr zufrieden, sagt Spaenle vergangenes Jahr, er habe schließlich einiges bewegt. Dabei musste er vieles einstecken: Sowohl Seehofer als auch die eigene CSU-Fraktion hauten gerne auf ihn drauf. Bei Bildung haben viele eine Meinung.

Unmut der Eltern über G8

Ein kurzer Blick zurück: Als Spaenle sein Amt Ende Oktober 2008 antritt, spricht er von"schweren Fehlern“ bei der übereilten G8-Einführung, die der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber 2004 verordnet hatte. Spaenle versucht zu korrigieren. Er lässt erneut den Lehrplan überarbeiten, in der Oberstufe fallen Stunden weg. Hintergrund ist vor allem der Unmut der Eltern, den sich die Opposition zunutze macht.  Als die ersten G8-Schüler in die Oberstufe kommen, ist die Rede von zu viel Nachmittagsunterricht und ausgebrannten Schülern. Auch das erste Abitur nach acht Jahren fällt schlecht aus und heizt die Debatte weiter an.

Flexijahr und Mittelstufe Plus

Das Gymnasium bleibt Thema, obwohl Spaenle nachbessert und den Lehrplan ausdünnt sowie Intensivierungsstunden einführt. Ein Volksbegehren für die Rückkehr zum G9 scheitert zwar, aber die Aktion erhöht den Druck auf Spaenle. Seehofer verordnet den – wenig erfolgreichen - Modellversuch „Flexijahr“ - einer verlängerte Mittelstufe. Später kommt die "Mittelstufe Plus", bei der knapp 50 Gymnasien in Bayern G8 und G9 parallel anbieten. Anders als erwartet wählt eine große Mehrheit die verlängerte Mittelstufe.

Rückkehr zum G9

Das Ende des Theaters um das G9 kommt mit einem Federstrich von Seehofer, der gerne Stimmungen im Volk aufgreift. Er stellt seinem Kultusminister die Aufgabe, bis 2018 die Rückkehr zu G9 einzuleiten - schließlich ist dann Landtagswahl. Wieder einmal zeigt Spaenle, dass er Fußtritte ertragen kann. Trotz Widerstands der CSU-Fraktion und öffentlichem Abwatschen durch Seehofer liefert er tapfer.

Streit um Studiengebühren

Auch beim Thema Studiengebühren muss Spaenle einstecken. Schon als Vorsitzender des Hochschulausschusses im Bayerischen Landtag hatte er die Einführung der Gebühren an bayerischen Hochschulen im Jahr 2005 verteidigt. Er blieb bei seiner Meinung, dass Studenten einen finanziellen Beitrag zu ihrem Studium leisten sollten. Doch wieder einmal ließ Seehofer sich von Volkes Meinung leiten. Der Ministerpräsident verordnete die Abschaffung der Gebühren. Spaenle musste die neue Politik 2013 gegen seinen Willen umsetzen.

Mit Ludwig Spaenle geht also ein treuer Diener seines Herren, der oft gegen die eigenen Überzeugungen handeln musste. Mit ihm verliert auch die Kultusministerkonferenz ihr dienstältestes Mitglied. Die 34 Minister und Staatssekretäre, die sich zur Zeit um Schule und Wissenschaft kümmern, sind mehrheitlich neu im Amt.


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Josef Rödl, Mittwoch, 21.März, 21:18 Uhr

12. Das Foto von Spaenle - eine Demonstration!?

Welch eine Demonstration von Ludwig Spaenle am Tag seiner Entlassung als Minister im Landtag - mit rotem Schal und grüner Krawatte!
Sollte das vielleicht eine geheime Botschaft an Söder bedeuten, dass er sich aus Gram über die Entlassung nun der Opposition (SPD, Grüne) annähern und dabei so manches aus dem "Nähkästchen" plaudern könnte?

Intrigantentum war schon immer die größte Stärke von Ludwig Spaenle - auch innerhalb der CSU. Und er hat hierzu sogar eine prominente Vorgängerin in der Münchner CSU - Monika Hohlmeier, die auch mit so mancher Enthüllung aus den Eingeweihten der CSU drohte.

Wahrscheinlich geht es bei Spaenle - wie bei Hohlmeier - nur um den Preis für die Abfindung. Und der Steuerzahler zahlt's.

Barbara, Mittwoch, 21.März, 20:49 Uhr

11. Sibler als Schul-Minister?

Dann kann ja "gesiebt" werden.

Helga Lipinsky, Mittwoch, 21.März, 20:35 Uhr

10. schule

Warum fahren viele Schüler zum Gymnasium nach BW wenn in Bayern alles gut ist

Schweijck , Mittwoch, 21.März, 20:04 Uhr

9. Schade

Spaenle ist sehr gut.

  • Antwort von Herpfar, Donnerstag, 22.März, 17:01 Uhr

    Hoppla. da kann man anderer Meinung sein. Den herrschenden Lehrermangel, die Ungleichbehandlung von Grund- und Mittelschul- gegenüber Gymnasiallehrern, das Verbrennen der Grund- und Mittelschullehrer hat er nicht gestoppt. Ich hätte einen Berufsvorschlag für ihn: Nachdem er ja gelernter Lehrer ist, kann er ja dem Lehrermangel etwas entgegensteuern, indem er vor eine Klasse tritt mit 27 Unterrichtsstunden. Viel Erfolg.

Lotzki, Mittwoch, 21.März, 20:01 Uhr

8. Für die Ausländer

kann er nix.

  • Antwort von Zwiesel, Mittwoch, 21.März, 20:52 Uhr

    @Lotzki:
    Einmal mehr mißbraucht Einer ein Thema ohne jeden Zusammenhang für seine menschenverachtende ausländerfeindliche Hetze. Aber nicht dass Sie mich jetzt falsch verstehen, Sie sind natürlich nicht Rechts, Nationalistisch, Rassistisch oder Ähnliches. Es ist nur Ihre persönliche Meinung, geprägt von der christlichen Kultur des Abendlandes. Gute Nacht.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 21.März, 21:08 Uhr

    Nein und für AfD-Wähler und andere Rechtsextreme auch nicht!

  • Antwort von Dieter, Mittwoch, 21.März, 22:00 Uhr

    @ Truderinger
    Die Nazi-Keule nutzt sich ab. Oder eigentlich müsste man sagen, dass sie sich schon abgenutzt hat. Immer mehr ganz vernünftige Leute fragen sich langsam, ob "Dumpfbacke" oder "braune Soße" für sie noch ein Schimpfwort ist. Mit persönlich geht es so, daß ich mir eher Sorgen machen müßte, von einigen hier nicht als AfD -ler oder Nazi beschimpft zu werden. Ich trag's nicht nur mit Fassung, ich sehe darin sogar eine gewisse Auszeichnung, eine Bestätigung, daß ich mir einen Rest gesunden Menschenverstandes bewahrt habe.
    M.f.G.

  • Antwort von Dieter, Mittwoch, 21.März, 22:05 Uhr

    @ Zwiesel
    Es halt wie im Kreisverkehr, wenn ich nicht irgendwann mal rechts blinke und abbiege dreh ich mich immer im Kreis und irgendwann bleibt die Karre liegen
    M.f.G.

  • Antwort von Blinker, Donnerstag, 22.März, 04:46 Uhr

    Wer immer rechts abbiegt dreht sich auch im Kreis!

  • Antwort von Truderinger, Donnerstag, 22.März, 08:21 Uhr

    Dieter, Ihr Rest gesunden Menschenverstandes äußert sich in Ihrem überfälligen Bekenntnis. Ein erster, wichtiger Schritt!