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Immer mehr Feuerwehren in Not Nachwuchssorgen werden existentiell

Feuerwehren müssen bei einem Brand zehn Minuten nach dem Notruf am Einsatzort sein. In allen Städten mit weniger als 100.000 Einwohnern ist dafür die Freiwillige Feuerwehr zuständig. Das Problem: Der Nachwuchs fehlt.

Von: Astrid Halder, Stefanie Müller

Stand: 04.05.2017

Der bayerische Feuerwehrverband befürchtet bei der Freiwilligen Feuerwehr für die kommenden Jahrzehnte einen akuten Nachwuchsmangel. Allein in den letzten fünf Jahren sank die Zahl der Freiwilligen Feuerwehrleute in Bayern um 8.200. Insgesamt 75 Feuerwehren gaben auf.

Eine davon: die Freiwillige Feuerwehr Eckartshausen bei Schweinfurt, die vor wenigen Tagen geschlossen wurde. Fast 140 Jahre gab es die Feuerwehr dort, sie war das Herz von Eckartshausen. Die Probleme gingen vor 15 Jahren los: Immer weniger Mitglieder kamen zu den Übungen, es fand sich kein Kommandant mehr. Bis es schließlich zuletzt in dem 400 Seelen-Ort gerade einmal zehn Aktive gab - laut Gesetz zu wenig für eine Feuerwehr. Der Gemeinderat beschloss deshalb notgedrungen die Schließung der Freiwilligen Feuerwehr. Wenn es jetzt einen Notfall gibt in Eckartshausen muss die Nachbarfeuerwehr anrücken.

Alle zwei Minuten ein Alarm

Berufsfeuerwehren gibt es nur in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern.

In Bayern gibt es 7.634 Freiwillige Feuerwehren mit 315.000 aktiven Feuerwehrleuten und sieben Berufsfeuerwehren mit insgesamt 2.700 Berufsfeuerwehrmännern und -frauen. Gemeinsam rücken sie jährlich für etwa 220.000 Einsätze aus. Das bedeutet: Alle zwei Minuten wird im Durchschnitt irgendwo in Bayern die Feuerwehr alarmiert. Berufsfeuerwehren gibt es aber nur in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Darum wird flächendeckend diese hohe Anzahl an Freiwilligen Feuerwehren benötigt.

Brennende Sorgen

Doch auch wenn die Alarmierungsfristen durch die Nachbarfeuerwehren eingehalten werden: Die Freiwilligen Feuerwehren werden dringend in großer Zahl benötigt, denn in Bayern gibt es nur sieben Berufsfeuerwehren. Besonders die kleinen Dorffeuerwehren sind schwer zu ersetzen.

"Die wissen auch was für Gefahrenpotential im Ort vorhanden ist. Das wissen wir gar nicht von der großen Feuerwehr hier."

Oliver Heinecke, Freiwillige Feuerwehr Lauf a.d. Pegnitz

Mögliche Ursachen für den Rückgang der Mitgliedszahlen

Damit das Modell Freiwillige Feuerwehr auch in Zukunft fortbesteht, reagiert der Landesfeuerwehrverband unter anderem mit verstärkter Jugendarbeit sowie mit Imagekampagnen und Werbefilmen. Aufgerüttelt wurde man erstmals vor fünf Jahren, als mit der Abschaffung der Wehrpflicht die Mitgliedszahlen zurückgingen, wie der Verbandschef Alfons Weinzierl gegenüber Kontrovers berichtet:

"Weil wir ja auch im Feuerwehrbereich die Möglichkeit hatten, dass jemand Zivildienst leistet, sich freistellen lässt für den Feuerwehrdienst, den Katastrophenschutz. Das ist dann weggebrochen."

Alfons Weinzierl, Vorsitzender Landesfeuerwehrverband Bayern

Aber auch der demographische Wandel sorgt dafür, dass bei den Freiwilligen Feuerwehren immer weniger Menschen mitmachen. Während 1970 in Bayern noch etwa 140.000 Menschen geboren wurden, waren es 2015 nur etwa 118.000. Freiwillige Feuerwehren im Freistaat könnten unter diesen Voraussetzungen nicht mehr einsatzfähig sein, befürchtet schon seit langem der Verbandsvorsitzende Alfons Weinzierl.

Neue Zielgruppe: Migranten

Die Freiwilligen Feuerwehren haben im Deutschland eine lange Tradition. Das ehrenamtliche Engagement ist etwas besonderes. In den nächsten Monaten will der Verband deshalb jetzt neue Zielgruppe anwerben, die bisher kaum bei den Freiwilligen Feuerwehren vertreten sind: Migranten. In Waldmünchen gibt es bereits Flüchtlinge, die erfolgreich die Feuerwehrprüfung absolviert haben und auch in Ottobrunn macht man das schon seit Jahren. Jeder Migrant bekommt einen Paten. So werden Berührungsängste abgebaut, denn Freiwillige Feuerwehren kennt man in den meisten Ländern nicht.

Änderung des bayerischen Feuerwehrgesetzes

Außerdem erhofft sich der Landesverband positive Effekte durch die Änderung des bayerischen Feuerwehrgesetzes, das im Juli verabschiedet werden soll. Unter anderem soll darin das Alter für aktive Feuerwehrleute heraufgesetzt werden. Bis zu einem Alter von 65 Jahren dürfen diese dann künftig aktiv sein, bisher ist mit 63 Jahren Schluss. Zusätzlich können Feuerwehren für Kinder ab sechs Jahren eigene Gruppen einrichten. Der Gedanke dahinter: Kinder haben viel Auswahl an Freizeit-Aktivitäten, die Kinder sollen frühzeitig an die Feuerwehr gebunden werden, damit sie dann als Jugendliche und Erwachsene bei Einsätzen mithelfen können.

Eine wichtige Neuerung für kleinere Freiwillige Feuerwehren auf dem Land: Sie können sich zu Zweckgemeinschaften zusammenschließen und so Synergien nutzen. Die Änderungen im Gesetz haben die Ehrenamtlichen lange gefordert. Der Gemeindetag begrüßt das Gesetz weitestgehend. Auch die SPD nennt es einen Schritt in die richtige Richtung, auch weil Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung künftig Mitglied bei der Feuerwehr werden können.


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Frank Cebulla , Samstag, 06.Mai 2017, 14:24 Uhr

21. Verantwortung liegt in Berlin

Das Problem Feuerwehr begann mit der politisch ganz oben Frau Merkel durchgesetzten Abschaffung der Wehrpflicht. Damit ist D in jedem Bereich wehrunfähig geworden.
Die Bürger die heute jammern sind dafür verantwortlich!

highwayfloh, Samstag, 06.Mai 2017, 07:09 Uhr

20. "DANKE" - öffentlich und von ganzem Herzen!

An dieser Stelle, ALLEN, die entsprechend eingebunden sind und Dienst tun (egal ob FFW, Sani, THW - Polizei ... ob ehrenamtlich oder Hauptberuf) :

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Löschzwerg, Freitag, 05.Mai 2017, 16:01 Uhr

19. Nachwuchssorgen

...und genau hier liegt das Problem:- der ehrenamtliche Dienst wird vom öffentlichen Dienst viel zu wenig unterstützt bzw. honoriert. Möglichkeiten dazu gäbe es viele, wie z.B. Anrechung auf die Rente, eine mögliche Art der Zusatzversorgung, Berücksichtigung bei den Steuern usw. Viele Kommunen sehen die Feuerwehr immer nur als reiner Kostenträger und sind sich dabei aber ihrer Pflichtaufgabe nicht bewusst. Keiner unserer Aktiven will auf Händen getragen werden oder sich die üblichen Festtagsreden anhören. Einfach dem Ehrenamt entsprechende Anreize schaffen und dem Feuerwehrdienst den Rücken stärken, dann sollte es auch möglich sein wieder Nachwuchs zu finden.

Daniel schnepf , Freitag, 05.Mai 2017, 11:17 Uhr

18. Feuerwehr

Das keiner mehr zur feuerwehr will ist mir logisch , immer mehr Vorschriften und Bürokratie ..... schon allein der digital funklehrgang ein Witz hoch 15 ... Erst online und dann noch mal 10 Stunden Praxis... Die wollen doch das die ganzen kleinen Ortsteil wehren dichtmachen und es nur noch große gibt ..... Ist günstiger mit freundlichen grüßen gruppenführer einer wehr

  • Antwort von Chris, Montag, 08.Mai, 08:45 Uhr

    Hallo Hr. Schnepf,
    das sehe ich ein wenig anders. Wenn man sich mit dem Thema auseinander setzt werden ein paar Faktoren schnell klar.
    1. Weniger Nachwuchs.
    Wie jeder andere Verein auch, kämpft die FFW Händeringend um den ausbleibenden Nachwuchs. Wenn beispielsweise jedes Jahr nur lediglich 2 Jugendliche von der JF zu den Erwachsenen kommen, sind das in 5 Jahren 10 Aktive mehr. Aber es ist eher anders. In 5 Jahren sind es 2...
    Das ist aber nicht nur in der FFW so sonder in jedem Verein. Die Jugend von heute hat weniger Interesse an Vereinen.
    2. Das Aufgabengebiet.
    Ich denke diesen Bereich muss ich nicht näher erleutern. Schauen Sie einfach mal an, was die FFW vor Rund 15 Jahren als Aufgaben hatte und heute hat...

    Den Digitalfunk dafür die Schuld zu zusprechen ist meines Erachtens - entschuldigen Sie den Ausdruck - lächerlich.
    Telefonieren Sie immernoch mit einem Telefon mit Wählscheibe oder in Telefonzellen? Schauen Analog Fernsehen?
    Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten!!

Prlic Benjamin , Freitag, 05.Mai 2017, 07:57 Uhr

17. Führungskräfte Problem

Das ganze ist aber auch den Führungskräften innerhalb der Feuerwehr und den Verantwortlichen in den Gemeinden geschuldet. Wenn man als junger Mensch oder selbst als gereifter Erwachsener ständig gebremst wird... ja teilweise gemobbt wird, weil man innovativ ist und Veränderungen anstrebt.
Ohne Fortbildungen und Veränderungen ist das nicht zu schaffen. Die Feuerwehr unterliegt einem ständigen Wandel. Neue Technik. Neue Taktiken. Und hier verschließen leider viele Verantwortliche die Augen. "Haben wir schon immer so gemacht". Da werden wir nichts verändern. Dadurch werden viele junge, motivierte Nachwuchskräfte demotiviert!! Junge Menschen können den Feuerwehren, durch Kreativität soviel geben. Leider wird dieses Potential nicht oft genug erkannt. Schlimmer noch, man wird gemobbt. Weil man "anders" denkt.
Deswegen bin ich selbst gegangen. Weil sich die Feuerwehr nicht weiterentwickelt hat. Meiner Meinung nach, sollte das Thema Mobbing ein zentrales Thema innerhalb der Feuerwehr sein.