82

Elefantenrennen auf der Autobahn Warum die Aufregung um Lkw auf der Überholspur?

Wenn Brummis sich gegenseitig überholen, schimpfen die Autofahrer. Das scheint an der Ehre der Lkw-Fahrer zu kratzen. Nachzulesen in Facebook-Kommentaren von BR24. Warum der Unmut? Eine Faktensammlung.

Von: Patrizia Kramliczek

Stand: 05.04.2018

Fließender Verkehr auf der Autobahn A9 bei München (Archivbild) | Bild: BR/Herbert Ebner

Eine typische Verkehrssituation: Dichter Verkehr auf mehreren Autobahnspuren, ein Lkw will überholen und wechselt auf die mittlere oder linke Spur. Der Autofahrer muss bremsen und ist sauer.

Überholverbot für Lkw?

Ein Überholverbot für Lkw, zumal auf zweispurigen Autobahnen, wird immer wieder diskutiert. Zuletzt hat im August 2017, vor der Bundestagswahl, der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) das Thema gesetzt und eine Überprüfung angekündigt. Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Auf dem Facebook-Kanal von BR24 melden sich immer wieder User zu Wort, die sich für die Lkw-Fahrer einsetzen und deren Berufsstand zu Unrecht verunglimpft sehen. " … und wieder werden die ach so BÖSEN LKW Fahrer durch den Dreck Gezogen", schrieb zum Beispiel ein User. "Jeder jammert wenn was ausverkauft is oder sein Päckchen nicht nach 24std geliefert ist! Aber was dahinter steckt kümmert keine Sau!", machte sich ein anderer Luft.

Elefantenrennen sind nicht erlaubt

Wie andere Verkehrsteilnehmer auch, verhalten sich Lkw-Fahrer nicht immer entsprechend der Straßenverkehrsordnung. Die sogenannten Elefantenrennen, bei denen ein Brummi am anderen vorbeikriecht, sind nicht erlaubt. Denn das Fahrzeug, das überholt, muss mit wesentlich höherer Geschwindigkeit unterwegs sein als das Fahrzeug rechts von ihm. Für die Rechtsprechung ist entscheidend, inwiefern und wie lange der Verkehr dadurch behindert wird. In Bayern sind laut bayerischem Innenministerium vergangenes Jahr 224 einschlägige Verstöße geahndet worden. Die Polizei überprüft das sowohl bei ihrem Streifendienst als auch bei gezielter Verkehrsüberwachung in Zivilfahrzeugen. Lkw, die überholt haben, waren 2017 auf bayerischen Autobahnen an 617 Unfällen beteiligt. Das sind elf weniger als im Jahr davor.

"Man sieht sie als lästiges Hindernis"

Unfallzahlen sind das eine. Das alltägliche Miteinander, das Lkw-Fahrer zu aufgebrachten Kommentaren veranlasst, das andere. Was setzt ihnen so zu?

"Die Lkw-Fahrer stehen unter Druck und Belastung, durch ihre Arbeit und durch das Klima auf der Straße. Man ist ihnen gegenüber nicht respektvoll, man sieht sie als lästiges Hindernis."

Verkehrspsychologin Birgit Scheucher, München

Überholen in 45 Sekunden

Der objektive Zeitverlust ist für den Autofahrer in der Regel nicht hoch. Das Oberlandesgericht Hamm zum Beispiel hat 2008 die Faustregel aufgestellt, dass bei einer Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeugs von 80 Stundenkilometern und einer Differenz von zehn Stundenkilometer zum langsameren Lkw der Überholvorgang nach maximal 45 Sekunden abgeschlossen ist.

Die Illusion von der freien Fahrt

Subjektiv kann das als gravierender empfunden werden. "Man stößt gefühlt auf ein Hindernis", so Birgit Scheucher, "ein Lastwagen ist viel größer als ein Pkw – es fühlt sich an, wie ein großer, bedrohlicher Block." Dazu komme, dass Autofahrer davon ausgehen, dass sie freie Fahrt haben müssten.

"Wir fahren los in der Illusion: Hier habe ich freie Fahrt! Hier könnte ich 250 Stundenkilometer fahren. Aber das stimmt natürlich nicht."

Verkehrspsychologin Birgit Scheucher, München

Zwischen 60 und 80 Stundenkilometern

Apropos Zeitverlust: Statt der minimalen 60 Stundenkilometer, mit der sich eine Kolonne auf der rechten Spur bewegen könnte, darf ein Lkw zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen maximal 80 Stundenkilometer schnell sein. Bei langen Strecken summiert sich das. Ein anderer Aspekt ist das Fahrgefühl.

"Wenn man zum Beispiel den langsamen Lkw überholt hat und wieder freie Fahrt hat, ist die Anstrengung auf der Autobahn nicht gegeben, obwohl man ja trotzdem aufpassen muss. Jeder weiß, wenn man im Konvoi fährt, muss man immer 100-prozentig bei der Sache sein."

Bernd Rose, Berufskraftfahrer, September 2017

Nach Ansicht der Verkehrspsychologin ein problematisches Argument. Man sollte ja immer zu 100 Prozent bei der Sache sein, nicht nur im Konvoi. Außerdem sei man nie für längere Zeit der Erste in der Kolonne. Und auch wenn das Kolonnefahren anstrengend sein, es gehöre einfach zum Job des Berufskraftfahrers.


82

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Jürgen Weiss, Sonntag, 08.April, 21:06 Uhr

20. Elefantenrennen auf der Autobahn

Ich bin selber LKW-Fahrer und finde, dass diese Elefantenrennen eigentlich nicht sein müssten.
Aber wie kommt es eigentlich dazu?
Nach meiner Erfahrung ist es zum einen die permanente Selbstüberschätzung einiger Fahrer, zum anderen der Schwachsinn mit 1 km/h zum überholen anzusetzen und dann mein persönlicher Favorit, was du willst mich überholen , das wollen wir doch erst mal sehen (deswegen nennen meine Kollegen und ich den linken Lenkstockhebel auch den Motivationsschalter).
Und da auch immer viel darauf rumgeritten wird, das der Überholende wesentlich schneller sein sollte, bitte nicht vergessen wie sich der Überholte zu verhalten hat, denn auch dies ist in der STVO §5 Abs. 6 geregelt.

Also alle mal drüber nachdenken.

Wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein.

Ich werde nicht werfen.

  • Antwort von Blechmann13, Montag, 09.April, 08:37 Uhr

    Da gebe ich ihnen recht!

    Habe seit Jahren das Gefühl, dass vermehrt LKWs den "Dicken" raushängen lassen, und sich ebenso verhalten, wie viele PKW-Fahrer.
    Sinn und Verstand sind dabei ausgeblendet, und aggressivität ist angesagt.
    Was waren dass noch für Zeiten in den 80'igern und teilweise 90'iger, als LKW-Fahrer diejenigen waren, die mit "Grips in der Birne" unterwegs waren, und wussten was Abstand zum Vorausfahrenden, auch im Stau, bedeutete...

    mfg

Cosi , Freitag, 06.April, 08:42 Uhr

19. Lkw

Wenn man weiß das 69 %der Lkws frisiert sind und das 10 fache ginten ausspzcken dann bin ich generell für höhere Strafen sei es beim Umweltvergehen oder beim Verkehrsvergehen.
Man sollte die Lkw s auf die Schiene möglichst schnell verweisen.Ob ich mein Bestellungen in 1 Tag oder in 4 Tagen habe ist doch egal.Das rechtfertigt auf keinen Fall irgend welche Verstöße. Und manche Pkw Drängler sollten sich auch einmal an ihre eigene Nase fassen .Ich erkenne sie schon am Rückspiegel diese Möchtegern Rennfahrer.

  • Antwort von OliW, Sonntag, 08.April, 11:02 Uhr

    »Wenn man weiß das 69 %der Lkws frisiert sind …« – …hat man definitiv die falschen »Informationen« gelesen :-D »Frisiert« sind die meisten LKW bestenfalls optisch. Lampe hier, Gardinchen da, sowas halt.
    Ach, und zum Thema LKW auf die Schiene: Hat der Supermarkt, in dem du einkaufst Anschluss ans Schienennetz? Oder der Laden, in dem du die Klamotten gekauft hast, die du gerade trägst? Das Möbelhaus, wo du deine Wohn- oder Schlafzimmereinrichtung gekauft hast? Bestimmt nicht, oder? Naja, dann freu dich schon mal auf echt weite Wege ins nächste Verteilerzentrum, in dem eventuell noch Schienen liegen. Könnte auch voller werden da.

  • Antwort von Andreas Kernke, Sonntag, 08.April, 11:08 Uhr

    LKW´s sind frisiert?

  • Antwort von Blechmann13, Montag, 09.April, 08:45 Uhr

    @OliW,

    Dann fahren sie mal hinter die polnische, tschechische Grenze, und lassen sich "beraten"... ^^
    Bei vielen (Ost-)LKWs ist z.B. die Filteranlage abgeschaltet, oder die Adblue-Einspritzung (kostet ja schließlich Geld) stark reduziert/deaktiviert, so dass die "Euro-Norm" für den Allerwersten ist.
    Und kleine "Modifikationen" um die PS-Zahl zu boosten, gibts obendrauf... ^^
    Das kann kein (deutscher) Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle überprüfen, also ist es fast zu 100% sicher damit "durchzukommen"...

    mfg

und es heult der Motor, Donnerstag, 05.April, 19:58 Uhr

18.

Das ganze hat doch alles mit "" just in time u. just in sequence """ zu tun dann kommen noch die Zeitfenster dazu dann ist das Chaos vorprogramiert.
Dann gehts rund auf der Autobahn jeder möchte der erste sein an der Rampe, der Lkwfahrer soll dann alles ausbaden was ihm sein Chef oder Disponnent eingebrockt hat, alleine die Zeitfenster schon und dann noch beim Kunden die beim ab oder beladen nichts auf die Reihe bringen..
Fröhliche Fahrt bei der nächsten Tour.

T3fan, Donnerstag, 05.April, 19:42 Uhr

17. Dauernder Spurwechsel

Das eigentliche Problem,das oft zu Staus führt,ist der dauernde Spurwechsel sowohl von Pkws als auch von Lkws,der im Endeffekt keine Zeitersparnis bringt.
Wenn ich lange Strecken (Nbg-Rotterdam oder -Reims) fahre,überhole ich möglichst wenig.Das ist entspannter und braucht weniger Pausen.

  • Antwort von Blechmann13, Freitag, 06.April, 07:22 Uhr

    Da haben sie völlig recht!

    Leider sind sie da die Ausnahme, bzw. es reicht schon wenn dies jeder Zehnte als "Spur-Hüpfer" tätig wird, um den Verkehr (noch mehr) ins Stocken zu bringen.

    Am schlimmsten sind aber auch hier (wieder) die LKW, da diese dann z.B. vor Baustelleneinfahrten, oder wenn Fahrspuren wegfallen, diese komplett blockieren, weil natürlich auf der rechten Spur bereits die "LKW-Wand" steht, und ein flüssiges einscheren nicht mehr möglich ist.
    Dadurch, und durch PKW-Fahrer denen noch etwas Fahruntterricht, bzw. Fahrpraxis gut täte, entstehen 90% aller "Phantom-Staus".

    mfg

Karlheinz Kiefer, Donnerstag, 05.April, 17:34 Uhr

16.

Auf der Inntalautobahn bei den Ösis klappt das hervorragend mit dem Überhohlverbot ohne dass es zum Megastau kommt. Bin 12 Jahre nach Tirol zum Arbeiten gefahren, zu 95 % osteuropäische Zugmaschinen , die Fahrer arbeiten unter übelsten Bedingungen , es wird Schrott gefahren mit. Seelenverkäufer , aber dies wird uns als Vorteil von Europa verkauft.