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Ankündigung des Ministerpräsidenten Was ist neu an Söders Werteunterricht für Zuwandererkinder?

Deutschklassen, in denen Kinder aus Zuwandererfamilien nicht nur Deutsch lernen, sondern auch Werte vermittelt bekommen: Dieser Vorstoß von Ministerpräsident Söder sorgt für Diskussionen in Bayern.

Von: Jenny Stern, Johanna Kempter

Stand: 09.04.2018

Eine Schülerin einer Vorbereitungsklasse mit Flüchtlingen an einem Berufsschulzentrum in Freital, Sachsen.  | Bild: dpa/Arno Burgi

Deutsch- und Werteunterricht für Kinder von Zuwanderern: Was ist neu an dieser Idee? - Das fragen sich viele BR24-Nutzer auf Facebook und Twitter. Eine Userin merkt an, dass für diesen Zweck bereits seit Jahren die Übergangsklassen eingerichtet wurden, die es an Grund- und Mittelschulen gibt. Darin würden die Schüler für maximal zwei Jahre unterrichtet und die deutsche Sprache und typische Gewohnheiten erlernen.

Werteunterricht für Zuwandererkinder | Bild: Screenshot/BR24

Auch die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands hält den Vorstoß Söders für keine neue Erfindung. Schon jetzt würden Kinder aus Zuwandererfamilien in sogenannten Übergangsklassen unterrichtet, lernen Deutsch und bekommen Werte vorgelebt, so Simone Fleischmann. Der Begriff "Deutschklasse" sorgt bei ihr deshalb für Irritation:

"Ich höre raus: Eine Separierung dieser Kinder - da bin ich strikt dagegen. Der BLLV will Integration, Inklusion. Wir wollen gemeinsam mit den Kindern die Gesellschaft von morgen vorbereiten und keine Separierung."

Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands BLLV, Simone Fleischmann

Fleischmann sprach sich dafür aus, die bestehenden Übergangsklassen weiterzuführen. Dort würden die Kinder bereits bestmöglich Deutsch lernen, um anschließend am Unterricht in den Regelklassen teilnehmen zu können. Zum Thema Wertevermittlung betonte Fleischmann: "Werte lernt man nicht, sondern Werte lebt man. Das tun wir jetzt schon!" Sie appellierte an bayerischen Politiker, im Wahljahr die Integration der Kinder nicht zu einem politischen Thema zu machen, sondern es als "rein pädagogisches" Thema zu behandeln.

Unterstützung aus dem Kultusministerium

Bayerns Kultusminister Bernd Sibler begrüßte Söders Vorstoß. Die Gefahr einer möglichen Trennung der Kinder sieht er nicht:

"Die Kinder sind in den Klassen unter sich, aber haben natürlich in allen anderen Pausensituationen genauso die Gelegenheit, deutschsprachige Kinder zu treffen."

Kultusminister Bernd Sibler, CSU

Der CSU-Politiker hält die Deutschklassen für eine gute Idee und bezeichnete sie als Weiterentwicklung der Übergangsklassen. Der Lehrplan soll sich laut ihm am Bayerischen Integrationsgesetz orientieren: Vermittelt werden könnten neben der Sprache zum Beispiel Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau und religiöse Toleranz.

Ganztags statt halbtags

Wie Ministerpräsident Söder gegenüber dem BR bemängelte, reichen die bereits bestehenden, halbtägigen Übergangsklassen nicht aus:

"Deswegen wollen wir aus Halbtagsklassen, die als 'Übergangsklassen' definiert werden, Ganztagesklassen machen. Deutschklassen kleinerer Klassenstärke, in denen den Zuwandererkindern die Sprache vermittelt wird [...] und auch die Werte."

Ministerpräsident Markus Söder, CSU

Bisher gibt es bei den Übergangsklassen nur einzelne Ganztagsklassen, flächendeckend in Bayern gibt es sie noch nicht. Der Ministerpräsident kündigte deshalb zudem an, für sein Vorhaben mehr Lehrer einstellen zu wollen. Eine Facebook-Nutzerin, die laut eigenen Angaben selbst eine Übergangsklasse unterrichtet, sieht dabei aber ein Problem: "Nur wäre es schön, wenn [...] es mehr dafür ausgebildete Lehrer gäbe."


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