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#Faktenfuchs: Was ist dran an den Vorwürfen? Mit oder ohne Kreuz: Verleugnen deutsche Bischöfe ihre Religion?

In der Debatte um Ministerpräsident Markus Söders "Kreuz-Erlass" wird in Sozialen Medien immer wieder die Kritik laut, deutsche Bischöfe würden ihre Religion verleugnen: Zum einen, weil Kardinal Marx sich gegen Söders Vorstoß ausgesprochen hat. Herangezogen wird aber auch ein Ereignis aus dem Jahr 2016.

Stand: 18.05.2018

Kardinal Reinhard Marx (3.v.r), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (3.v.l), Scheich Omar Awadallah Kiswani (M) und die Delegation von Evangelischer Kirche in Deutschland und Deutscher Bischofskonferenz besuchen am 20.10.2016 den Tempelberg in Jerusalem (Israel).  | Bild: (c) dpa

Facebook-Posts zum Streit ums Kreuz

Die Kritik entzündet sich am Besuch der beiden obersten Kirchenvertreter aus Deutschland im Heiligen Land im Herbst 2016. Gemeinsam waren der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche Deutschlands, Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx zu einer Pilgerreise nach Israel gereist und hatten unter anderem in Jerusalem die Klagemauer, den Tempelberg und den Felsendom besucht. Dabei - so der Vorwurf in sozialen Netzwerken - hätten die beiden ihre Kreuze abgelegt und somit ihren Glauben, ihre Religion verraten.

Der Vorwurf: Das Christentum unterwerfe sich dem Islam

Die AfD beispielsweise wirft Kardinal Marx in der Debatte um den bayerischen "Kreuz-Erlass" vor, das Christentum nicht offensiv genug zu vertreten. Die "Islamisierung" habe Raum, weil das Christentum kapituliere und das Feld räume, schreibt die Vizechefin der Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch auf Twitter. "An der Spitze: Kardinal Marx. Auf dem Tempelberg legt er das Kreuz ab. Und auch in öffentlichen Gebäuden will er es nicht. #DerFischStinktVomKopf #UndZwarGewaltig". Der Tweet wurde über 500 mal geteilt, und bekam 1.200 Likes.

Die konservativ-katholische Publizistin und Gender-Kritikerin Birgit Kelle nennt Marx' Ablegen des Kreuzes auf dem Tempelberg in einem Tweet "eine Unterwerfung" und bekommt dafür fast 500 Likes.

Marx im Talar, Bedford-Strohm im Lutherrock - als christliche Geistliche zu erkennen

Das Bild zeigt die beiden Bischöfe aus Deutschland am 20.10.2016 mit Kreuz auf dem Tempelberg in Jerusalem.

Tatsächlich besuchten Marx und Bedford-Strohm am 20. Oktober 2016 die jüdische Klagemauer und den muslimischen Tempelberg mit der Al-Aqsa-Moschee - Marx im Talar, Bedford-Strohm im Lutherrock als christliche Geistliche zu erkennen. Es gibt Agenturbilder vor der Al-Aqsa-Moschee, auf denen die beiden Kirchenvertreter ohne Kreuz zu sehen sind. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die beiden Kirchenvertreter sind mit Kreuz auf den Tempelberg gegangen. Agenturbilder belegen auch das.

Bischöfe nehmen Kreuze an der Klagemauer und in der Al-Aqsa-Moschee ab

Am 6. November 2016 verteidigte der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm diesen Schritt und verwahrte sich dagegen, ihn als Kniefall vor dem Islam zu deuten. Er sei am 20. Oktober den Bitten der muslimischen und jüdischen Zuständigen für die heiligen Stätten der jeweiligen Religionen gefolgt, sagte Bedford-Strohm in Magdeburg am Rande der EKD-Synode. Das Amtskreuz habe an diesen Orten als Provokation empfunden werden können, so der bayerische Landesbischof: "Ich habe die Verantwortung als Vertreter einer christlichen Religion, friedensstiftend zu wirken." Es werde ein anti-islamischer Kulturkampf inszeniert. Die Kritiker würden die Tatsache verschweigen, dass auch an der Klagemauer dem Wunsch der jüdischen Verantwortlichen entsprochen worden sei. Die Reise fand zur Zeit des jüdischen Laubhüttenfestes statt, zu dem in Jerusalem erhöhte Sicherheitsvorkehrungen galten. In einer Erklärung der EKD heißt es dazu wörtlich:

"Die ökumenische Delegation hat bei ihrem Besuch des Felsendoms und der al-Aksa-Moschee (nicht aber des gesamten Tempelbergs) (arabisch: al-haram asch-scharif) im Oktober 2016 darauf verzichtet, das Bischofskreuz zu zeigen. Gleiches haben Sie auch beim Besuch der jüdischen Westmauer (hinlänglich bekannt als 'Klagemauer') getan."

Schriftliche Stellungnahme der EKD

Es handle sich dabei "um eine Geste der Zurückhaltung, die angesichts der generell angespannten und in Folge des jüngsten UNESCO-Beschlusses sogar noch verschärften Lage angeraten erschien". Die Besucher aus Deutschland hätten damit deutlich gemacht, ihr Besuch gehe nicht mit Ansprüchen einher, die die schwierige und aufgeheizte Situation weiter belasten könnten. Damit verbunden sei auch das Signal an die Streitparteien aus Jerusalem und im Nahen Osten gewesen: "Nur mit Respekt, Klugheit, Umsicht und Demut ist der Frieden zu erringen. "

Marx: Besuch war nicht gut vorbereitet

Vorsichtiger drückte sich Kardinal Marx im Nachgang aus. Am 11. Dezember sagte Marx im BR-Fernsehen, zur Zeit des Besuches habe auf dem Tempelberg und an der Klagemauer eine "sehr angespannte Situation" geherrscht: "Es ging darum, nicht zu provozieren." Marx fügte hinzu, vielleicht hätte man aufgrund der Brisanz auch darauf verzichten sollen, dort hinzugehen.

"Also ich würde sagen, das war nicht gut vorbereitet. Ich bedaure das sehr. Aber die Reaktion, die dann sagt, sozusagen, das sei Unterwerfung und Verrat find ich dann doch auch beleidigend."

Kardinal Reinhard Marx im BR-Fernsehen

Sein Kreuz habe er damals nicht abgenommen, sondern unter den Talar gesteckt. Für ihn stelle sich jetzt die Frage, was man aus diesem Ereignis lernen könne. Er würde auch nicht wollen, dass die grüne Fahne des Propheten Mohammed in der Kirche ausgerollt werde. "Wir lernen daraus, wie sensibel der Umgang der Religionen untereinander weiter ist, wie viel Unverständnis. Ich habe das immer wieder gemerkt, viele von uns wissen von Islam wenig. Wir können davon ausgehen, besonders im Orient, dass fast niemand, auch Juden nicht und Muslime nicht, eine Vorstellung vom Christentum haben, also was das Kreuz bedeutet. Die sehen das als Zeichen der Dominanz, der Kreuzfahrer." Seine Hauptsorge sei, dass Religion in Zukunft wieder instrumentalisiert werde als Mittel für Auseinandersetzungen.


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Michael B. Dürrschmidt, Freitag, 18.Mai, 09:20 Uhr

13. Die Einheit hinter der Verschiedenheit sehen...

Wenn weisses Licht im Prisma gebrochen wird, erscheint Es als Spektrum verschiedener Farben. So verhält es sich auch mit dem Göttlichen und seinen verschiedenen Erscheinungsformen in der Aussenwelt und den Religionen.
Es kann nur im Herzen als das EINE wahre Selbst aller Kreatur erfahren werden. Wir Es vom Verstand objektiv unterschieden, erscheint Es nur äusserlich in verschiedener Gestalt, bleibt aber innerlich ewig EINS. Dies zu erkennen - so meine ich - ist die Aufgabe unserer Zeit und zugleich die Lösung aller gegenwärtigen Probleme. Sie sind alle verstandesbedingt und nur durch Liebe und Solidarität zu überwinden...

Peter, Freitag, 18.Mai, 09:18 Uhr

12. kleine Anmerkungen

Zum einen sollte es lauten "und den Tempelberg mit der muslimischen Al-Aqsa-Moschee "
Zum anderen ist es natürlich eine Selbstverständlichkeit religiöse Stätten anderer und die örtlichen Gepflogenheiten zu respektieren.
In deutschen Kathedralen wird man auch gebeten die Kopfbedeckung abzunehmen.
Das gehört sich einfach so.
Werden allerdings Würdenträger anderer Religionsgemeinschaften eingeladen so ist es ebenfalls eine Selbstverständlichkeit dass diese ihre Statuszeichen nicht ablegen, als Zeichen des gegenseitigen Respektes.
Man beachte die Reisen Johannes Paul II.
Doch zu behaupten es wäre Usus in Israel Kreuze zu verstecken ist eine blanke Fehlbehauptung.
Jede christliche Reisegruppe hat Synagogenbesuche auf ihrem Programm und dort werden die begleitenden Pfarrer trotz Kreuz mit grosser Freude und Respekt empfangen, auch gibt es immer Kippas, Kopftücher und evtl auch Röcke zum ausleihen, Kreuze werden nicht versteckt!

Es funktioniert also.

Schorsch, Freitag, 18.Mai, 09:07 Uhr

11. Jetzt ist aber langsam mal gut

Jetzt kann ich's langsam nicht mehr hören - Wem das Kreuz nix sagt, dem tut's nix - egal ob es um den Hals von Bischöfen/ Kardinälen oder an den Wänden hängt. Ich hab' im Auto ein Kreuz/ das Auge Gottes hängen, eine Christoferusplakette am Armaturenbrett und einen Wackelbudda auf dem Armaturenbrett - Sicher ist sicher. Juden, Muslime, Christen behaupten, dass es nur einen Gott gibt. Stellt Euch mal vor - alle drei haben Recht. Dann muß das wohl der gemeinsame Gott sein.
Anm1: Noch ehe der Hahn dreimal kräht .... - Bedford-Strohm/ Kardinal Marx (halt auch nur einfache Menschen/ Brüder/ Jünger)
Anm2: Söder??? - alles Wahlkrampf um die 50 plus X

Klosterschüler, Freitag, 18.Mai, 09:01 Uhr

10. Warum der Hass?

Frieden stiften ist wichtiger als das Beharren an (leicht falsch zu verstehenden) Symbolen.

Die Bischöfe haben richtig gehandelt.

  • Antwort von Abi2015, Freitag, 18.Mai, 09:17 Uhr

    sehe ich auch so.

    Aber denen, die hier ständig Hass streuen, geht es zumeist nicht um das Kreuz, sondern um die Spaltung der Gesellschaft,
    oder glauben Sie, dass ein von Storch oder so mancher hetzericher Kommentarschreiber hier im Forum aus religiöser Überzeugung so handelt.

Realistin1, Freitag, 18.Mai, 08:58 Uhr

9. Was du bist, schreit so laut, dass ich nicht hören kann, was du sagst!!

Sagt der König zum Priester, Halte du sie Dumm, ich halte sie Arm!
Und genauso sieht es in unserem Land aus, Politiker, Priester alle laufen mit eingezogenen Är...n rum und verleugnen ihre nationale und christliche Indentität.
Wir schaffen alles was zu uns gehört oder uns ausmacht ab und nur um der ganzen Welt und den Allerdümmsten zu gefallen.