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#factfox Mautstreit Hat auch Österreich seine Bürger entlastet?

"Hintenrum" seien die Deutschen: Führen eine Maut ein und entlasten die eigenen Bürger, nicht aber beispielsweise die Österreicher. Geht gar nicht? Österreich selbst soll es vorgemacht haben. Von Ralf Borchard und Gudrun Riedl.

Stand: 08.06.2017

Die Erregung beim Thema Maut ist beträchtlich - auf Facebook BR24 wurde gut gestritten unter dem Posting des österreichischen Verkehrsministers Leichtfried.

Die Diskussion ging hin und her, bis es User Volker Harzenetter zu bunt wurde: "BR24 informiert Euch mal richtig, Eure Aussage ist falsch! Zur Einführung der Maut in Österreich hat es eine Reihe von Maßnahmen gegeben um das eigene Volk zu entlasten. Z.B. Verdoppelung der Pendlerpauschale usw. Hintergrund war damals das die eigenen Bürger nicht mehr belastet werden sollten!!!"

Die Sache war schnell zu klären von unseren Kollegen im Studio Wien.

Ein Pflasterl fürs Pickerl

Was Leichtfried und auch österreichische Medien nämlich meist verschweigen: Auch Österreich hat bei Einführung der eigenen Maut per Vignette ("Pickerl") 1997 speziell Inländer entlastet – über eine Erhöhung der Pendlerpauschale. Österreichische Berufspendler können seitdem deutlich höhere Beträge von der Steuer absetzen. 2013 kam noch der sogenannte "Pendlereuro" dazu: Pendler können einmal jährlich zwei Euro pro Kilometer der einfachen Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsplatz von der Lohnsteuer abziehen lassen. Auch gibt es Sonderregelungen einzelner Bundesländer, etwa für "Sondermautstrecken", auf denen zusätzliche Gebühren anfallen: So ist für den Arlbergtunnel eine Befreiung von der sonst 100 Euro teuren Jahreskarte möglich.

Mit diesen Fakten konfrontiert, wenden österreichische Experten ein: Von der Pendlerpauschale profitieren nur rund 850.000 Österreicher, rund 10 Prozent der Bevölkerung, von der niedrigen Kfz-Steuer aber alle Fahrzeughalter in Deutschland und damit ein deutlich höherer Bevölkerungsanteil.

Abgesehen davon kann man jedoch von deutscher Seite mit einem gewissen "Nachholbedarf" argumentieren: Deutsche Autofahrer bezahlen seit 20 Jahren in Österreich Maut, österreichische Autofahrer in Deutschland dagegen nicht.

BR24 berichtet regelmäßig über Neues vom #factfox. Wir greifen Fragen und Behauptungen aus den Kommentarfeldern auf Facebook, Twitter und br24.de auf und recherchieren.

Wenn Sie ein neues Thema für uns haben - einfach eine Mail an Feedback@br24de. Stichwort: #factfox. Danke für die Hilfe und die vielen Anregungen!


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Bernhard, Freitag, 09.Juni 2017, 21:24 Uhr

2. Anmerkung zur Pendlerpauschale (Vergleich Österreich mit Deutschland)

Die Pendlerpauschale in Österreich
1. Diese ist ähnlich wie in Deutschland nicht an das Verkehrsmittel gebunden –kann somit eigentlich nicht direkt etwas mit der Autobahnvignette zu tun haben
2. Die Höhe: Beispiel Berufspendler mit 35 km einfach
Deutschland: Es sind Pauschal ca. 4.200 EUR im Steuerausgleich absetzbar (200 Tage x 35 km x 0,30 EUR)
Österreich:
wenn zumutbar (öffentliches Verkehrsmittel vorhanden) pauschal 696 EUR (jährlich!) / wenn unzumutbar 1.476 EUR als Freibetrag absetzbar / dazu kommt noch der Pendlereuro in Höhe von 2 x 35 km = 70 EUR (jährlich) welche direkt von der Steuer abgezogen wird
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Wenn somit die österreichische Pendlerpauschale als Argument angesetzt wird
muss eigentlich mit der Einführung dieser Freibetrag herabgesetzt werden, da die deutschen Autofahrer ja bereits entlastet werden - oder? Sonst kommt es eindeutig zu einer Ungleichbehandlung der anderen EU Bürger ...

ludwig, Freitag, 09.Juni 2017, 08:42 Uhr

1. Maut

Die Maut wieder ein Projekt der CSU um die Hoheit über den Stammtischen zu behalten.

Braucht keiner ,will keiner.

Finanziell bringt sie gar nix.

Nur ein Grund für manche die CSU zu wählen.