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#Faktenfuchs Feinstaub? Es geht nicht nur um Abgase

Ja: Zu viel Feinstaub in der Stadtluft ist vielerorts ein Problem. Aber beim Verkehr sind nicht nur die Dieselfahrzeuge ein Problem, sondern auch der Reifenabrieb und das Staub- und Dreckaufwirbeln. Es kommt zudem darauf an, wie gemessen wird. Von Gudrun Riedl

Von: Gudrun Riedl

Stand: 05.05.2017

Eigentlich ging es bei der Diskussion auf BR24 Facebook um die Belastung durch schädliche Stickoxide. Gift aus Dieselabgasen kann Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen verursachen. Im Kommentarfeld wurde dann aber auch intensiv über das Thema Feinstaub diskutiert und unser Facebook-Nutzer Timothy machte uns auf eine seiner Meinung nach schiefe Faktenlage aufmerksam:

"Wisst ihr eigentlich, was Realität ist, BR24? Dass die Feinstaubbelastung durch Diesel in Städten nur rund 40 % beträgt der Rest ist Reifenabrieb und Bremsstaub etc. Und welche Fahrzeuge alles Bremsen und Reifen haben, muss Euch nicht auch noch wer erklären, oder? Also bitte sachlich bleiben und keine 'FakeNews' verbreiten."

User Timothy auf BR24 Facebook

Dieselabgase machen nur 1/10 des Feinstaubs aus

Fakt ist zunächst: Das Feinstaub-Problem und das der Diesel-Abgase sind wohl in der Tat in der öffentlichen Diskussion eine unsaubere Verbindung eingegangen. Wahr ist auch, dass viele Dieselfahrzeuge zu viel Stickoxide ausstoßen. Die Diesel-Motoren sind aber nicht Hauptverursacher des Feinstaubs. Der nämlich speist sich aus vielen Quellen. Der Anteil des Straßenverkehrs am Feinstaub liegt insgesamt - nach den Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt - sogar bei 50 Prozent. Aber: Hier muss man genauer hinschauen. Konkret Abgase machen nämlich letztlich insgesamt nur ein Fünftel aus von diesen 50 Prozent.

"Im Stadtgebiet von München ist - laut 5. Fortschreibung des Luftreinhalteplans München - der Kfz-Verkehr bei Feinstaub (PM10 [Anm: dazu unten mehr]) mit gut 50 Prozent die dominierende Emissionsquelle. Der Hauptanteil beim lokalen Verkehr ist nicht der Beitrag durch Abgase (ca. 1/5), sondern der Anteil durch Aufwirbelung und Abrieb (ca. 4/5)."

Quelle: Sprecher lfu Bayern

Im Klartext: Feinstaub-Verursacher Nummer eins ist das Auto, weil seine Reifen Staub aufwirbeln und weil mit jedem Bremsen auch etwas Belag abgeschliffen wird. Wenn dieser Abrieb dann noch auf einen schlechten Straßenbelag trifft, landen noch mehr Partikel in der Luft.

Timothy hat also Recht: Die Dieselmotoren sind, was den Feinstaub generell angeht, nicht das Hauptproblem.

Partikelgröße beeinflusst Messungen

Allerdings - darauf verweist das Umweltbundesamt - spielt bei dieser Rechnung auch die Partikelgröße des gemessenen Feinstaubs eine Rolle. Den Messdaten in München lag die Messlatte PM10 zu Grunde: Partikel mit einem Durchmesser von bis zu 10 Mikrometer. Dazu zählen beispielsweise auch Blütenpollen und Sand aus der Sahara. China und Indien beispielsweise legen teils schon den Maßstab PM2,5 an. Hier werden dann auch die kleineren, aus den Verbrennungsprozessen entstehenden Partikel gemessen: der Anteil der Abgase steigt dann in der Feinstaub-Rechnung. PM10 kann beim Menschen in die Nasenhöhle, PM2,5 bis in die Bronchien und Lungenbläschen und ultrafeine Partikel bis in das Lungengewebe und sogar in den Blutkreislauf eindringen.

BR24 berichtet regelmäßig über Neues vom #factfox. Wir greifen Fragen und Behauptungen aus den Kommentarfeldern auf Facebook, Twitter und br24.de auf und recherchieren.

Wenn Sie ein neues Thema für uns haben - einfach eine Mail an Feedback@br24de. Stichwort: #factfox. Danke für die Hilfe und die vielen Anregungen!


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Wolfgang Press, Montag, 08.Mai, 09:34 Uhr

34. Feinstaub

Feststellen möchte ich erst einmal, dass unsere Luft so sauber ist wie sie noch nie war.

Das Feinstaubproblem ist z.T. hausgemacht soweit es den Strassenverkehr betrifft. Zwei Dinge könnten so meine ich das Problem vermindern.
1. Schaltung von "Grünen Wellen".
2. Mehr vorfahrtsberechtigte Strassen.
Bei der Regelung Rechts vor Links muss bei jeder Einmündung abgebremst werden. Das könnte vermieden werden bei Punkt 2. Grüne Wellen würden auch dazu führen, dass weniger gebremst werden muss.
Dadurch dass ich keinen Automatik fahre kann ich häufig durch zurück schalten auf das Bremsen verzichten.. Beim Automatik geht das wohl nicht. Das wäre ein Vorteil für das manuelle Getriebe. Bremsbeläge Wechsel ich nach ca. 80.000 KM.

Ulrich Scharmer, Samstag, 06.Mai, 21:59 Uhr

33. Hat der BR keine Fachleute mehr?

Manche Themen sollte man Fachjournalisten überlassen. Wenn hier steht: "Hier werden dann auch die kleineren, aus Verbrennungsprozessen entstehenden Partikel gemessen …", ist das Unsinn, denn die kleinen Partikel werden auch bei PM10 erfasst. Allerdings gehen in den PM10-Wert auch Saharastaub und viele andere Partikel zwischen 2,5 und 10 Mikrometern ein, die bei 2,5 nicht berücksichtigt werden. PM2,5 ist daher viel aussagekräftiger als PM10, wenn es um die Gesundheitsrisiken durch Feinstaub geht. Nur wer das verstanden hat, kann dann auch die entscheidende Frage stellen, warum im Autoindustrieland Deutschland nicht nach PM2,5 gemessen wird. Und noch ein wesentlicher Aspekt fehlt: Aus der Physik wissen wir, dass Reibungskräfte über weite Bereiche proportional zur Geschwindigkeit sind. Wer 40 statt 80 fährt, erzeugt deutlich weniger Abrieb. Warum müssen e-Autos so extrem beschleunigen können, statt auf minimalen Stromverbrauch getrimmt zu werden? Lasst Fachleute an solche Themen ran!

  • Antwort von Gudrun Riedl, Sonntag, 04.Juni, 13:47 Uhr


    ... worauf im Text aber hingewiesen wird : "Partikelgröße beeinflusst Messungen /
    (...) China und Indien beispielsweise legen teils schon den Maßstab PM2,5 an. Hier werden dann auch die kleineren, aus den Verbrennungsprozessen entstehenden Partikel gemessen: der Anteil der Abgase steigt dann in der Feinstaub-Rechnung. PM10 kann beim Menschen in die Nasenhöhle, PM2,5 bis in die Bronchien"

    Auch in einem Video gehen wir darauf ein:

    https://www.facebook.com/BR24/videos/10155163002035336/

    Wir bleiben dran an dem Thema - immer gemeinsam mit internen und externen Experten und auch im Blick auf weitere Aspekte. Danke für Ihre Hinweise!

T3Fan, Freitag, 05.Mai, 22:40 Uhr

32. Sylvesterfeuerwerk

Man kann sofort 18% Feinstaub vermeiden,wenn man- wie in anderen Staaten Europas-das unsinnige Sylvesterfeuerwerk verbietet.
Ein Saugdiesel bremst ,wenn man vom Gas geht und vermeidet so bei vorausschauendem Fahren Abrieb -also,was soll das Dieselbashing?2

  • Antwort von Leonia, Samstag, 06.Mai, 09:31 Uhr

    Leider haben Sie mit dem Silvesterfeuerwerk recht: ich kann Neujahr gar nicht mehr aus dem Haus gehen, vor allem nicht, wenn es nicht geregnet hat in der Nacht. Die Luft ist dann so "dick", dass ich keine Luft kriege. Auch wenn kurz vor Mitternacht der Himmel noch klar war und die Sicht gut, dann ist das spätestens nach den ersten zehn Minuten Feuerwerk schon vorbei und nach einer halben Stunde sieht man ringsum die anderen Häuser kaum noch, so viel Dreck ist in der Luft. Dagegen ist die Münchner Kreuzung Einsteinstraße/Leuchtenbergring ein Luftkurort.

Erich, Freitag, 05.Mai, 18:22 Uhr

31. Wann endlich,

bauen wir eine Mauer um die Sahara! Jedes Jahr haben wir mehrfach schmutzige Autos, weil es den Saharafeinstaub bis zu uns rauf weht.

  • Antwort von Leonia, Freitag, 05.Mai, 19:31 Uhr

    Herr Erich, bei Ihnen habe ich eher den Verdacht, dass Sie die Mauer um die Sahara aus anderen Gründen präferieren . . . Sie haben doch da so ein Lieblingsthema.

  • Antwort von Zauberin, Samstag, 06.Mai, 23:00 Uhr

    Immer schön von zu Hause aus nölen und andere auffordern, etwas zu tun. Oder meinen Sie mit "wir" wirklich sich selbst?

    Dann auf in die Sahara mit Ihnen! Könnte zu ganz neuen Einsichten führen ...

Thomas, Freitag, 05.Mai, 16:56 Uhr

30. Feinstaub in Autoabgasen

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch das Ergebnis eines gross angelegten Tests unter Leitung der EMPA (Zürich) die feststellte, dass Autos mit modernen Benzinmotoren (Direkteinspritzung) je nach Modell 10 bis 100 Mal mehr Feinstaub ausstossen als ein modernes Dieselfahrzeug mit Partikelfilter. Das soll keine Ausrede für Stickoxid Mauscheleien sein. Dafür braucht es ein korrekt arbeitendes Ad-Blue System.