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#faktenfuchs Fall Sophia: Warum ein DNA-Abgleich dauern kann

Die baskische Polizei hat vergangene Woche eine Frauenleiche gefunden. Seit Tagen ist unklar, ob es sich um die vermisste Sophia aus Amberg in der Oberpfalz handelt. BR24-User diskutieren auf Facebook, wie lange denn ein DNA-Test dauert. Wir haben beim Bayerischen Landeskriminalamt nachgefragt.

Von: Patrizia Kramliczek

Stand: 27.06.2018

Vergangenen Donnerstag hatte die Polizei in Nordspanien die Leiche einer jungen Frau gefunden. Seit Tagen ist unklar, ob es sich um die 28-jährige Sophia aus Amberg handelt, die von Leipzig nach Hause trampen wollte.

Kommentare auf BR24-Facebook

BR24-User fragen sich auf Facebook, wie lange denn ein DNA-Abgleich dauert. "Das muss doch jetzt langsam mal feststehen, wer das ist?!" schreibt der eine und wünscht der Familie viel Kraft. Ein anderer meint: "So ein DNA-Test dauert seine Zeit. Das ist nicht wie im Fernsehen." Wie verhält es sich in der Welt realer Polizeiarbeit? Wir haben nachgefragt.

In die Ermittlungen zu dem Fall Sophia sind verschiedene Behörden involviert, in Spanien gehören dazu die Nationalpolizei, die baskische Polizei (weil die Leiche im Baskenland gefunden wurde) und Gerichtsmediziner. In Deutschland ermitteln federführend Polizei und Staatsanwaltschaft in Bayreuth. Sicher ist, dass zunächst in Deutschland ein DNA-Profil erstellt werden sollte, das zum Abgleich an die spanischen Behörden übermittelt wird.

Innerhalb von acht Stunden

"Ein DNA-Profil zu erstellen, dauert, wenn es schnell gehen muss, ungefähr acht Stunden", sagt eine Molekularbiologin vom Landeskriminalamt auf BR-Anfrage. "Das ist möglich, wenn man keine Pause macht." Das heißt: Der Analyseprozess, der in verschiedenen Schritten erfolgt, benötigt insgesamt diese etwa acht Stunden.

Wenn die Zeit nicht so drängt, würde zum Beispiel ein Schritt, für den ein technisches Gerät drei oder vier Stunden benötigt, abends angestoßen und morgens würde man dann weiterarbeiten. Um die genannte Mindestzeit der acht Stunden zu schaffen, müssen die Labormitarbeiter dranbleiben, gegebenenfalls auch nachts und am Wochenende.

Mehr als acht Stunden dauert es auf alle Fälle, wenn erst noch die Probe gewonnen werden müssen: Sei es, dass Spuren von Kleidungsstücken oder aus einem Haus, das zum Tatort geworden ist, genommen werden müssen.

DNA-Analyse in vier Schritten

Als Ausgangsmaterial für ein DNA-Profil kommen Gewebeteile oder Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel in Frage. "Wir benötigen Zellen, die einen Zellkern haben", so die Wissenschaftlerin. Die Analyse erfolgt dann, vereinfacht dargestellt, in vier Schritten: 1. Die DNA, die gewissermaßen den individuellen Bauplan eines Menschen enthält, wird aus dem Zellkern genommen. 2. Typisierung: Anhand von 16 DNA-Merkmalen wird geschaut: Welches Merkmal hat die Person in den einzelnen Merkmalstypen? 3. Auswertung der Merkmale, die in einer grafischen Darstellung erfolgt. 4. Die Ergebnisse in dem sogenannten Chromatogramm werden in eine Zahlenkombination umgewandelt und in eine Tabelle übertragen. Dieser individuelle genetische Fingerabdruck kann dann Ermittlern übergeben und mit einem anderen genetischen Profil verglichen werden.

Ob eine Gewebeprobe für eine Analyse ausreichend ist, kann man erst feststellen, wenn die Analyse abgeschlossen ist. "Es kann schon passieren, dass es auch mal  kein Ergebnis gibt", sagt die LKA-Mitarbeiterin, "zum Beispiel, wenn in einem Garten eingebrochen worden ist und die Spuren, die wir gefunden haben, nicht genügend DNA enthielten."

Schnelltest in 90 Minuten?

Wer nach DNA-Tests googelt, findet auch Schnelltests beschrieben, die innerhalb von 90 Minuten Resultate liefern. "Diese Schnelltests, die "Rapid-DNA-Analysis", gibt es", sagt die Molekularbiologin. Aber das LKA verwende sie nicht: Erstens seien in der Regel acht Stunden ausreichend, zweitens sei das Verfahren ziemlich teuer und das dafür benötigte Material nicht gut verfügbar, weil es in den USA bestellt werden müsse. "Bei uns kam noch keine Anfrage an, für die das erforderlich gewesen wäre", so die Molekularbiologin. Technik und auch die Chemie, die beim LKA verwendet würden, seien auch in anderen Ländern Standard.

Noch Ungewissheit im Fall Sophia

Wie der BR bereits am 26. Juni berichtete, gibt es im Falle der verschwundenen Sophia eine Art Nachrichtensperre, die der zuständige Untersuchungsrichter verhängt hat. Sicher ist, dass in Deutschland ein DNA-Profil erstellt werden sollte, das den spanischen Behörden übermittelt werde. Ein Grund dafür, dass bislang noch kein Ergebnis eines DNA-Abgleichs vorliegt und publik ist, könnte sein, dass verschiedene Behörden involviert sind: die spanische Nationalpolizei, die baskische Polizei und deutsche Gerichtsmediziner.

Ergebnis kann "minütlich" eintreffen

Wie die Presseagentur dpa meldet, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Dienstag, dass das Ergebnis des DNA-Abgleichs noch nicht da sei. Aber es könne minütlich kommen.


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