18

Rom denkt über die Weihe für verheiratete Männer nach Fällt der Zölibat wegen des Priestermangels?

Ein Vorschlag aus dem Herzen des Vatikans hat eine Debatte über das Ende des Zölibats angestoßen. Beniamino Stella, Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, will die Weihe von verheirateten Männern als Option prüfen, um den in manchen Weltgegenden eklatanten Priestermangel zu beheben.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 25.01.2018

Beniamino Stella | Bild: pa/dpa/Alejandro Ernesto

Stefan Menz wollte nie ein Doppelleben führen. Also eröffnet der Priester aus dem Bistum Würzburg im Jahr 2009 seinem Bischof: "Ich habe mich verliebt, ich will heiraten und eine Familie gründen." Die zwangsläufige Folge: Er muss seinen Priesterberuf aufgeben. Für katholische Priester gilt die Verpflichtung zur Ehelosigkeit, der Zölibat. Dass man im Vatikan laut darüber nachdenkt, auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, macht dem heute 45-jährigen Ex-Priester Hoffnung.

"Ich kenne sehr viele, da gehöre ich auch dazu, die sagen, ich würde jederzeit wieder als Priester arbeiten, auch im  Unterricht, in der Verkündigung, im Gottesdienst, weil es ja die Form des Lebens war, auf die wir uns jahrzehntelang vorbereitet haben und Feuer und Flamme waren. Und auch noch sind!"

Stefan Menz

Gegenden mit eklatantem Priestermangel

Der Chef der vatikanischen Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella bezog sich bei seinen Überlegungen zum Zölibat auf Gegenden, in denen ein "sakramentaler Notstand" herrsche. Beispielsweise im Amazonasgebiet oder auf einigen Pazifikinseln, wo es viel zu wenig Priester gibt, um die Sakramente zu spenden, Eucharistie zu feiern.

Doch auch in Deutschland gibt es einen Priestermangel, Gemeinden werden zusammengelegt. Ein Priester ist in der Regel für tausende Gläubige zuständig. Deshalb halten es die meisten Katholiken auch hierzulande für überfällig, verheiratete Männer zum Priesteramt zuzulassen.

"Es geht um die Frage, wie können wir die Eucharistiefeier in unseren Gemeinden sichern. Denn das haben wir ja im II. Vatikanischen Konzil gelernt: Die Eucharistie ist Gipfel und Quelle des Handelns des Christen."

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

Viri probati

Der Abschied vom Zölibat,  und die Weihe von bewährten, verheirateten Männern (auf Latein: viri probati) zum Priester - in Deutschland ist das längst kein Tabuthema mehr. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx zeigte sich zuletzt bei einer Veranstaltung der bayerischen Katholikenvertretung gesprächsbereit:

"Dass man darüber redet, auch über die Folgen: Was bedeutet das? Was wäre denn Voraussetzung dafür? Welche Situation müsste gegeben sein? Welche Person käme in Frage."

Kardinal Reinhard Marx

Undenkbar wäre eine solche Diskussion ohne Papst Franziskus. Der hatte gleich zu Beginn seines Pontifikats deutlich gemacht, dass für ihn der Zölibat nicht in Stein gemeißelt ist.

"Der Zölibat ist kein Glaubensdogma. Er ist eine Lebensregel, die ich sehr schätze. Ein Geschenk für die Kirche. Aber da es sich um kein Dogma handelt, bleibt die Türe stets offen."

Papst Franziskus

Es gibt bereits Ausnahmen

Es gibt bereits Ausnahmen von der Regel: Auch verheiratete, evangelische Pfarrer können zum Katholizismus konvertieren und sich zu Priestern weihen lassen. "Warum auch nicht?" fragt Familienvater Stefan Menz, der sich vor neun Jahren zwischen Priesteramt und Familie entscheiden musste.

"Ich weiß, dass man auch als Familienvater und Ehemann gut als Priester leben und wirken kann. In der evangelischen Kirche funktioniert’s ja auch. Sehr gut sogar."

Stefan Menz


18

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Barbara, Samstag, 27.Januar, 14:26 Uhr

20. Schon komisch, daß hier nur solche Leute über den Zölibat reden,

die selber mit der katholischen Kirche nichts zu tun haben wollen. Niemand wird gezwungen, zölibatär zu leben, aber sich über andere anständige Leute auszulassen, die zölibatär leben, ist frech und ungezogen.

  • Antwort von Wanda, Sonntag, 28.Januar, 22:39 Uhr

    Nun, gerade die katholische Kirche hat zölibatäre Herrschaften in ihren Reihen, die sich dann aber ersatz- oder veranlagungsbedingt an wehrlose Schutzbefohlene heranmachen, oder Barbara ?

QuoVadis, Samstag, 27.Januar, 13:37 Uhr

19. Die heutige Zeit ist zu ehrlich

Man verlangt den heutigen Priestern einfach zu viel ab. Selbst im Mittelalter wurde das Zölibat nicht so genau genommen. Oft wurde nur ein Mantel des Schweigens darübergelegt. Rom und der Vatikan waren einst als größtes Bordell Europas verschrien. Selbst Päpste hatten Mätressen. Heutzutage wird das viel offener diskutiert, die Schäffchen sind auch nicht mehr willig über Fehler der "Obrigkeit" hinwegzusehen, wenn diese anderen menschliche Fehler ankreiden. Heutzutage muss das Leben der Priester viel glaubwürdiger sein. Dass viele daran zerbrechen, ein Leben lang sich an das Zölibat halten zu müssen, ist doch verständlich. Wie lange dauert heute ein Menschenleben, wie lange dauerte es zu früheren Zeiten? Selbst Augustinus, welcher im Alter eine Abscheu gegen die Sexualität entwickelte war in seiner Jugend bei weitem nicht so brav. Es steckt eine große Scheinheiligkeit hinter dem Thema Zölibat.

Oma , Samstag, 27.Januar, 12:16 Uhr

18. Lockerung des Zölibats

Ja, ändert diese mittelalterliche Zölibatsregel !! Jeder Priester soll entscheiden können, wie er leben will und kann! Die momentane Lösung - ausgelöst durch den Priestermangel - mit der Zusammenlegung von ehemals einzelnen selbstständigen Pfarreien zu einem großen Pfarrverband ist m.E. unzumutbar. Das betrifft nicht nur den enormen Verwaltungsaufwand für den "Vorstand" seines Pfarrverbandes, es entwickelt sich logischerweise eine erschreckende "Beziehungslosigkeit" zwischen dem Pfarrer und seinem "Kirchenvolk".

  • Antwort von Barbara, Samstag, 27.Januar, 14:32 Uhr

    Lassen Sie doch die Leute in Ruhe, die zölibatär leben. Sie selber führen doch sowieso keine zölibatäre Lebensweise. Warum regen Sie sich dann über den Zölibat auf?

  • Antwort von Wanda, Dienstag, 30.Januar, 01:20 Uhr

    Barbara,
    - wie wärs, wenn jene zölibatär lebenden "Leute der Kirche" die ihnen Schutzbefohlenen in Ruhe liessen? Schon mal davon gehört und darüber nachgedacht ?

Realist , Samstag, 27.Januar, 09:09 Uhr

17. In der heutigen Wegwerfgesellschaft

ist die Kirche nur ein Konsumprodukt unter vielen. Da hilft auch das Weib nicht.

Mr. Ed, Freitag, 26.Januar, 19:25 Uhr

16. Alles Menschengemachte . . .

ist nur auf Lug und Trug aufgebaut und das endet nicht vor den Toren der Kirche. Es geht immer nur um's Geld und nur um's Geld .