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Fachkräftemangel Bayern sucht die Busfahrer

Viele bayerische Städte wachsen und mit ihnen auch der Verkehr. Zusätzliche U-Bahnen und Buslinien sollen entlasten. Doch es fehlen Fahrer, die Busse, Straßen, U- und S-Bahnen lenken. Auch in der Spedition bleibt der Nachwuchs an Kraftfahrern aus.

Stand: 22.06.2018

Alfred Köhler | Bild: BR/Leonie Thim

Alfred Köhler hat 25 Jahre als Busfahrer in München gearbeitet. Wie viele seiner Kollegen kommt auch er seiner Rente nun immer näher. Der berufliche Nachwuchs bleibt allerdings aus.

"Ich glaube das Berufsbild des Busfahrers im Allgemeinen hat sich ein bisschen verändert. Also das Kind, das dann sagt: ‚Papa, ich will Busfahrer werden ist wahrscheinlich auch seltener geworden."

Alfred Köhler, Verdi  

Der Beruf sei nicht mehr so attraktiv, wie früher und zwar aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen, sagt Köhler, ist in München die geringe Bezahlung ein Problem. Seine Kollegen wollten nicht reich werden mit ihrem Job. Aber sie müssten ihre Miete zahlen können. Darüber hinaus seien Schichtarbeit und Arbeitsverdichtung Gründe. „In der Schicht ist immer mehr Verkehr in München und man kann im Grunde seiner Arbeit gar nimmer nachgehen, weil man ständig im Stau steht“, sagt Köhler.

Der Nachwuchs ist nur schwer vom Beruf zu begeistern

Als Verdi-Mitglied und Betriebsrat der Stadtwerke-Verkehrsbetriebe versucht Köhler, die Arbeitsbedingen zu verbessern. Für seine aktuellen Kollegen, aber auch für mögliche zukünftige Busfahrer. Denn der Nachwuchs lasse sich nur schwer für den Beruf begeistern.

"Aus meiner Erfahrung schauen die jungen Leute nicht nur aufs Geld. Und das ist gut so. Freizeitplanung ist auch ein hohes Thema. Und um das aufzugeben muss ich halt die schlechten Arbeitszeiten so attraktiv machen, dass die Leute sich das antun."

Alfred Köhler

Tausende Fahrer für Bus, Tram und U-Bahnen fehlen

Bundesweit fehlen den deutschen Verkehrsunternehmen laut ihrem Verband bis zu 15.000 Fahrer für Bus, Tram und U-Bahnen. Die Deutsche Bahn sucht dieses Jahr noch mal zusätzlich rund 1.000 Lokführer und Lokführer-Azubis. Im Freistaat sieht das nicht anders aus. Die Münchner Verkehrsgesellschaft zum Beispiel sucht dringend nach Mitarbeitern.

"Wir brauchen schlichtweg Leute, um das Stadtwachstum bewältigen zu können. Stadtwachstum heißt, wir müssen unser Angebot massiv ausweiten und dazu brauchen wir Fahrerinnen und Fahrer."

MVG-Chef Ingo Wortmann

Die Landeshauptstadt boomt, und die Massen an Menschen zwingen regelmäßig das Verkehrsnetz in die Knie. Mehr U-Bahnen und zusätzliche Express-Bus-Linien sollen entlasten. Doch dafür fehlt das Personal. Die MVG braucht allein in diesem Jahr 300 Fahrerinnen und Fahrer.

"Und das müssen wir erst mal schaffen, die zu gewinnen", sagt Wortmann.  

Fahrermangel auch in den Speditionen

Kaum einer will mehr Fahrer für Bus, Tram und U-Bahn werden. Bei Speditionen sieht es ähnlich aus. Letztes Jahr schlossen etwa 2.000 Berufskraftfahrer ihre Ausbildung ab. Allerdings gingen 30.000 in Rente. Die Lage ist mittlerweile so angespannt, dass laut dem Bundesverband der Speditionsunternehmen bis zu 20 Prozent der LKW in den Depots bleiben, weil die Fahrer fehlen.

Suche auf neuen Wegen

Deswegen suchen Unternehmen über neue Wege nach Mitarbeitern. In sozialen Medien zum Beispiel sollen gezielt junge Menschen angesprochen werden. Die Münchner Verkehrsgesellschaft bildet inzwischen anerkannte Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund zu Bus-, Tram- und U-Bahn-Fahrern aus. 


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1A_Landei, Freitag, 22.Juni, 22:25 Uhr

14. Ich möchte ...

... nur wissen, welchen Beruf die Busfahrer der MVV Regionalbusse erlernt haben. Ich denke Fahrer im Braunkohletagebau? Und durch Handauflegen haben diese Herren die Personenbeförderungsberechtigung erhalten? Heute war ich wieder einmal mit so einem "Experten" unterwegs, der in jedem Kreisverkehr mit der Hinterachse rechts an den Bordsteinen hängen blieb. Andere arbeiten vermutlich während der Busfahrt im Zweit- oder Drittnebenerwerb als Mitarbeiter von Callcentern? Sie brüllen während eines Gesamtumlaufs (von Endhaltestelle bis Endhaltestelle) in perfekten "Auswärts" in ihre Haedsts. Wenn der MVV München ein korrektes Unternehmen wäre, hätte er diese Zustände längst beendet.

  • Antwort von Rudi, Samstag, 23.Juni, 07:52 Uhr

    Muss man ein dickes Fell mitbringen, wegen ruhig bleiben, Reizüberflutung und so.

    Im Büro das gleiche Spiel. Früher konntest Dich mal auf einen Hallenrundgang oder die Toilette zurückziehen, heute nimmste die Kundschaft mit ihren eigenen Problemen genau dort mithin. Ist ja alles Arbeitserleichterung. Frag mal heute einen Azubi nach "Olympia oder Gabriele". Bei ersterem denkt der an die Audiringe und letztere ist wohl die Geliebte vom Chef. "Von Matrize abziehen" kann er gar nichts anfangen, weil er gar nicht weiß, was jetzt eine Matratze damit zu tun haben soll. Dann erklär ihm mal, dass es eine Zeit vor dem Fotokopierer gab. Vielleicht geht er ab dann sonntags zur Kirche.

    Viel Spaß bei der Integration, sowohl von "Flüchtlingen", als auch von denjenigen Menschen, die hier geboren sind und schon Probleme hatten, während der Schulzeit das Klassenzimmer zu finden. Ich bin froh, dass ich mir das nicht mehr lange mit ansehen muss.

Radfahrer, Freitag, 22.Juni, 15:28 Uhr

13.

Zuerst brauchts einen Busführerschein und der Kostet ,als nächstes mußt die Arbeitszeit mögen,dann kommt das Gehalt und als letztes brauchts einen Chef und
Disponenten mit dem du fair zusammen arbeiten kannst und er mit dir.
Wünsche unfallfreie Fahrt.

Was jetzt?, Freitag, 22.Juni, 12:43 Uhr

12. Gut so,

denn das zunehmende Verkahrschaos, gerade durch LKW-Verkehr, darf nicht weiter zunehmen. Auf Landstraßen fahren heute LKWs in Kolonne. Güter gehören auf die Schiene.
Was ist mit den Klimaschutzzielen?
Wie passt das Gejammere nach noch mehr Verkehr zu den Klimazielen und dem Ziel nach Verbesserung der Luftqualität?
Unsere straßen sind heute schon nur noch verstopft.

steinlaus, Freitag, 22.Juni, 12:30 Uhr

11. Warum nicht.....

Asylbewerber zu Busfahrer umschulen. Besonders die Menschen aus Afghanistan sind für ihre Fahrkünste und Improvisationsgeschick bekannt.

  • Antwort von Busfahrer, Freitag, 22.Juni, 14:05 Uhr

    In Bayern fährt man oft am Abgrund. Jede Fahrt zu den Bergdörfern ist ein Abenteuer. Leider miserabel bezahlt. Die Jungen gehen lieber in die Politik.

  • Antwort von Heiße Zeiten , Freitag, 22.Juni, 19:28 Uhr

    @Busfahrer, letzter Satz
    ... Da fährt man auch oft am Abgrund und darüber hinaus.

Münchner1977, Freitag, 22.Juni, 12:00 Uhr

10.

Wie immer hängt es einfach am lieben Geld. Wir haben auch einen Fachkräftemangel zur Zeit. Ein halbes Dutzend Stellen sind unbesetzt in der Abteilung. Aber nicht nur, weils es zu wenige gibt, wir bilden genug aus. Nein, die „guten“ Azubis streben alle nach der Ausbildung auf weitere Schulen. Diese gut ausgebildeten Facharbeiter fehlen dann ganz einfach. Man kann es aber auch keinem verdenken. Der Raum Münchnen, ja ganz Südbayern ist einfach teuer, da lernt man lieber mehr, bekommt dann Jobs mit Einstiegsgehältern von 3500€ und mehr, damit man leben kann. Als ausgelernter Facharbeiter fängt man mit 2000€ an. Da kann man keine großen Sprünge machen. Wenn schon die 1-Zimmer Werkswohnung bei 900€ warm liegt......

Aber zumindest will die Bundesregierung ja jetzt dann für 1,5 Mio. neue Wohnungen sorgen, natürlich ganz ökologisch, ohne Flächenverbrauch und ohne großartig in Infrastruktur investieren zu müssen......