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Urteil EuGH zur Gentechnik: Auch neue Methoden unterliegen Kennzeichnungspflicht

Auch neuartige Verfahren bei der Pflanzenzucht gelten als Gentechnik und sind kennzeichnungspflichtig. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute entschieden und damit der Klage des französischen Bauernverbands recht gegeben.

Von: Michael Bartmann

Stand: 25.07.2018

Neue Gentechnik-Verfahren unterliegen grundsätzlich den Auflagen nach der Gentechnik-Richtlinie der Europäischen Union. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Die mit dem Einsatz von Verfahren wie etwa der sogenannten Gen-Schere Crispr/Cas9 verbundenen Risiken seien "vergleichbar" mit denen älterer Verfahren, die bereits unter strengen Auflagen stehen, begründete das Gericht die Entscheidung.

Weiter Kennzeichnung als "gentechnisch verändert"

Damit blockiert der EuGH den Weg für einen breiten Einsatz der umstrittenen Verfahren. Pflanzen, die mit den neuartigen Methoden manipuliert wurden, gelten damit weiterhin als "gentechnisch verändert" und müssen auch als solche gekennzeichnet werden. Züchter, die die Gen-Schere verwenden, müssen künftig grundsätzlich prüfen, ob ihre Produkte eine Gefahr für die Gesundheit oder die Umwelt darstellen könnten.

Deutscher Bauernverband kritisiert Entscheidung - Bundesumweltministerium zufrieden

Der Deutsche Bauernverband hat eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs kritisiert. Das Urteil verbaue die Möglichkeiten, mit Hilfe von Pflanzenzüchtung auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren, sagte Präsident Joachim Rukwied am Mittwoch. "Die derzeitige Dürre zeigt uns exemplarisch, dass wir zukünftig beispielsweise trockenheitstolerantere Sorten brauchen." Das EU-Gentechnikrecht müsse jetzt auf seine Zukunftsfähigkeit überprüft werden, um die Chancen der neuen Züchtungsmethoden nutzen zu können, forderte Rukwied. Sonst laufe Europa Gefahr, den Anschluss an andere Weltregionen zu verpassen.

Das Bundesumwelt- und das Bundeslandwirtschaftsministerium haben das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu neuen gentechnischen Verfahren in einer ersten Reaktion begrüßt. Es sei eine "gute Nachricht" für die Verbraucher in europa.

So funktioniert die Genschere Crispr/Cas9

Mit der Crispr-Methode können – sehr vereinfach zusammengefasst – Gene im Erbgut ausgeschaltet oder umgeschrieben werden. Das Ergebnis ist von natürlichen Mutationen nicht mehr zu unterscheiden. Das hatte zu der Diskussion geführt, ob mit Crispr behandelte Pflanzen als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden müssen oder nicht.

Mit Material von dpa und AFP


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Markus, Mittwoch, 25.Juli, 15:36 Uhr

4. Endlich ein EU Urteil für den Verbraucher, nicht selbstverständlich!

Gute EU Entscheidung für den Verbraucher, wir könne entscheiden was wir essen und kaufen.
Endlich hat sich mal nicht der allmächtige deutsche Bauernverband und die Saatgut (Chemie) Lobby Monsanto/Bayer und Co durchgesetzt.
Anders als Glyphosatverbot und bewusste Mißachtung der EU Nitratgrenzwerte im Grundwasserthematik ((Leaky-Gut. Nitrosativer Stress). Was hier in Deutschland getrieben wird, dafür werden uns unsere Kinder mal verfluchen, die vielleicht nur noch Wasser aus Nestle Flaschen für teueres Geld trinken können. Aber evtl. auch die Erben der heutigen Bauern, falls diese nicht alles Land als Baugrund vergoldet haben sondern auch in 100/200 Jahren noch genießbare, gesunde Lebensmittel produzieren wollen. Das Klima ändert sich warum nicht andere Dinge anbauen? Zuchini, statt Gurken? Nein wir brauchen Gurken, die ohne Regen wachsen, dann halt mit Gentechnik....
Schaut nach China (Bienen sterben) und seht wohin das führt. Nur China lernt, Deutschland offensichtlich noch nicht

Hanna, Mittwoch, 25.Juli, 14:06 Uhr

3. Urteil

Es ist zu begrüssen, dass der Konsument die Möglichkeit erhält zu entscheiden, ob er gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen will, oder nicht. Es gibt ohnehin schon eine Flut von schädlichen Inhaltsstoffen, die zu erkennen man Fachmann sein muss. Nachdenklich sollte man auch werden, wenn auf einem Produkt plötzlich NEU steht, was meist zum Vorteil der Anbieter ist und nicht für den Verbraucher. Letzterer ist zweitrangig, es zählt ausschliesslich Gewinnmaximierung. Wenn, wie erst jetzt wieder zu lesen war, schon Medikamente (Impfstoff oder gestreckte Krebspräparate ) dieser Geldgier unterliegen ,fällt mir, um es überspitzt zu sagen, der Satz: über Leichen gehen, ein. Nicht das Geld sollte das Wichtigste sein, sondern die Lebewesen.Hoffentlich ist die
Gesetzgebung auch weiterhin aufmerksam.

Big Elephant, Mittwoch, 25.Juli, 12:49 Uhr

2. Ursache und Wirkung?

Schon die "normalen" Zusatzstoffe in der Lebensmittelchemie sind in ihren langzeitlichen Auswirkungen kaum bekannt. Es steht auf keinem Darmkrebs oder sonstigen Tumor drauf, "ich bin das Ergebnis von zu viel E xxx-Zusatzstoff". Das gleiche gilt für allerlei Crenes, die nur äusserlich angewendet werden, aber vollgestopft mit Chemie sind.
Allergien sind m.E. das Ergebnis von miserablen Umweltbedingungen, aber auch der Ernährung mit "belastetem" Junk-Food. Den Zucker bekommen wir ja in unterschiedlichsten verdeckten Formen zugeführt.

Christian, Mittwoch, 25.Juli, 12:31 Uhr

1. Nicht anders zu erwarten

Wenn Gene im Erbgut ausgeschaltet oder verändert werden, resultiert natürlich ein gentechnisch verändertes Erbgut. Mag man nun fortschrittlich finden oder bedenklich, auf jeden Fall sollte der Verbraucher das wissen. Dass das nicht umsatzsteigernd wirkt, ist natürlich auch logisch. Fair und geboten ist es aber allemal.