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Niederlage auf dem Rasen - Jubel auf den Rängen Erstmals Frauen in iranischem Fußballstadion

Frauen im Fußballstadion? Unmöglich, fand die Führung in Teheran vier Jahrzehnte lang. Jetzt haben Fanproteste die Regierung zum Umdenken gebracht. Die knappe Niederlage im Spiel der iranischen Mannschaft gegen Spanien verfolgten beim Public Viewing im Teheraner Azadi-Stadion erstmals auch weibliche Fans.

Von: Karin Senz

Stand: 21.06.2018

Iranerinnen feiern ihre Mannschaft für das 0:1 während der WM Vorrunden-Begegnung der Gruppe B, Marokko - Iran. | Bild: dpa-Bildfunk/Vahid Salemi

"Das Team Melli hat heute schon gewonnen“ twittert einer gleich zu Beginn des Spiels. Team Melli – das ist die iranische Nationalmannschaft, die am Mittwoch gegen Spanien spielte. Der Twitter-User meint aber nicht ihre Leistung, auf dem Rasen in Rußland, sondern das, was  im Teheraner Azadi-Stadion passiert. Denn da verfolgen Frauen und Männer das Vorrundenspiel gegen Spanien beim Public Viewing gemeinsam mit – zum ersten Mal seit 37 Jahren. Das Team Melli twittert als eines der ersten ein Foto von feiernden Frauen auf den Rängen in Teheran.

Ein hart erkämpfter Sieg

Es ist eine kleine Sensation und ein hart erkämpfter Sieg. Denn schon am Freitag wollte der Betreiber das Azadi-Stadion für Familien öffnen. Es wurde kurzfristig verboten. Jetzt sah es wieder so aus, als würden die Tore doch zu bleiben. Die Polizei hat das Stadion abgeriegelt. Aber die Menschen, die gekommen waren, lassen sich nicht heimschicken. Sie protestieren lautstark und setzen sich demonstrativ vor das Stadion:

Etwa eine Viertelstunde vor Anpfiff dann die Kehrtwende: die Wartenden dürfen rein – Männer und Frauen. Die posten Selfis im Netz im grün weiß-roten Look, sie strahlen, feiern auf den Rängen, schwenken große Iran-Flaggen. Die Fotos machen im Netz die Runde. Beim vermeintlichen 1: 1 hält es kaum jemanden auf dem Sitz. Um so größer die Enttäuschung, als das Tor nicht gegeben wird.

Gleichberechtigung beim Feiern: Erst auf der Straße, dann ims Stadion

Später heißt es aus Kreisen, die Präsident Rohani nahe stehen, er selbst habe veranlasst, die Tore des Stadions zu öffnen. Ganze drei Euro hat die Karte gekostet. Rund 20.000 Menschen haben es ins Stadion geschafft. Aber auch draußen gibt es Public Viewing, in Parks zum Beispiel. Auch das war am Freitag beim 1:0 Sieg gegen Marokko noch verboten. Die jungen Iraner ließen sich das Feiern aber auch da schon nicht nehmen. Frauen und Männer waren gemeinsam auf den Straße Teherans unterwegs in ausgelassener Stimmung.

Das Stadionverbot für Frauen gilt seit fast 40 Jahren . Nach Ansicht des erzkonservativen Klerus haben sie in Fußballstadien mit frenetischen männlichen Fans und markigen Slogans nichts zu suchen.

Die Probleme bleiben. Bleibt auch die Stadionöffnung?

Die  Fußball-Begeisterung lenkt viele Iraner ab von den Alltagssorgen. Und die sind wieder größer geworden, seit die USA aus dem Atomdeal ausgestiegen sind. Es kommen weniger Güter ins Land. Fanartikel sind kaum zu kriegen.

Ob sich der Sieg der iranischen Frauen wiederholen wird,  wird sich zeigen. Bis jetzt heißt es, auch gegen Portugal sollen sie wieder mit von der Partie sein – beim Public Viewing auf den Rängen des Teheraner Azadi-Stadions.


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