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Schulanfang in Bayern Viele Baustellen im Bildungssystem

Heute hat in Bayern das neue Schuljahr begonnen: Mit deutlich mehr Schülern als im letzten Jahr, Lehrermangel und der Frage G8 oder G9? Das sind einige der Themen, die dieses Jahr bestimmen werden.

Von: Gerhard Brack

Stand: 13.09.2016

Schulanfänger der Grundschule Crossen in Zwickau melden sich im Unterricht. 2012 | Bild: picture-alliance/dpa Hendrik Schmidt

Für 1,7 Millionen Schüler beginnt heute ein neues Schuljahr. Das sind 100.000 mehr als im letzten Jahr. 355 Lehrer hat der Freistaat zum 1. September neu angestellt, vor allem damit die rund 60.000 schulpflichtigen Flüchtlinge Unterricht bekommen können.

Verbände kritisieren Lehrermangel

Es werden mehr Sprachförderkurse und Deutschförderklassen angeboten. Seit Januar hat der Freistaat damit 1.079 Planstellen geschaffen und weitere 3.000 Lehrer eingestellt, so das Kultusministerium. Die meisten Stellen entstanden an Grund- und Mittelschulen, aber auch an Berufsschulen. Lehrerverbände kritisieren, es bräuchte NOCH mehr Lehrer an den Schulen, und es gebe kaum Ersatz, wenn welche ausfallen. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) Simone Fleischmann fordert noch bessere Vorbereitung für Lehrer in Klassen mit Flüchtlingen. In B5 aktuell sagte sie:

"Die Vorbereitung der Kollegen ist, ja sagen wir mal, so mittelmäßig gegeben. Natürlich werden ganz viele Vorbereitungen abgehalten, natürlich gibt es Kollegen, die Deutsch als Zweitsprache auch studiert haben, und es geht auch um die emotionalen Kompetenzen. Es geht um Supervison für Lehrerinnen und Lehrer."

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann

Ihren Worten nach geht es darum, wie man zum Beispiel mit traumatisierten Kindern umgeht. Fleischmann sieht noch viele Kompetenzen, die sie als Lehrer bräuchten und in diesem Feld nicht unbedingt alle haben. Kritisiert wird außerdem, die Klassen seien zu groß und die Verteilung der Kinder auf verschiedene Schularten schon nach der 4. Klasse sei ungerecht. Kultusminister Ludwig Spaenle sieht das anders:

"Begabtenförderung ist die gerechteste Form der Umsetzung von Bildungsgerechtigkeit, weil ich die Prägewirkung der sozialen Herkunft zurückdrängen kann. Wir sind das einzige Bundesland, das von der Grundschule über die bayerische Mittelschule, die Realschule bis hin zum Gymnasium ein ganzheitliches Konzept für alle Schularten aufweist."

Ludwig Spaenle, bayerischer Kultusminister

Die Bildungsgerechtigkeit müsste für alle Menschen in Bayern ganz oben anstehen, fordert Fleischmann. Kinder aus allen sozio-ökonomischen Hintergründen sollten alle Chancen haben. Es sei doch irgendwie schon gemein, wenn das Kind von Eltern, die sich Nachhilfe leisten können, bessere Chancen habe als das Kind, das es vielleicht auch ´drauf habe, aber es sich die Eltern nicht leisten können, so die BLLV Präsidentin im Gespräch mit B5 aktuell.

Teilweise Rückkehr zum G9

Dieses Konzept ist allerdings umstritten. Ab dem Schuljahr 2018/19 will es das Kultusministerium den einzelnen Gymnasien überlassen, ob sie den Schülern acht oder neun Jahre Zeit lassen bis zum Abitur. Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, sieht einen klaren Trend:

"Die letzte Meinungsumfrage, die in Bayern dazu gemacht worden ist, hat eine klare zwei Drittel Mehrheit gesehen für ein reines G9, diese G9-Variante wird in erster Linie das bayerische Gymnasium sein."

Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands

Ausbau des Islamunterrichts

Veränderungen gibt es auch in der digitalen Bildung: Immer mehr Unterrichtshilfen sind per Computer abrufbar und werden von Schülern und Lehrern genutzt. Aufstocken will Kultusminister Spaenle schließlich in Sachen Inklusion – hier soll es 100 zusätzliche Lehrerstellen geben – sowie bei den Ganztagsschulen.

Deutlich ausgeweitet wird im neuen Schuljahr der Islamunterricht. Bislang gab es ihn an 260 Schulen, künftig werden es 400 Schulen in Bayern sein.


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Xaver, Dienstag, 13.September 2016, 23:18 Uhr

16. Schulgebäude im schlechten Zustand, kein Geld.

Aber für die Flüchtlige und zum Bau von Flüchtlingsheimen hat Herr Schäuble plötzlich viele Milliarden entdeckt. Von deutschen Studenten, die kein Gehalt haben, wollte mand 500 EUR pro Semester Studiengebühren. Englischkurse muß sich jeder Deutsche an der VHS selbst bezahlen. Flüchtlinge bekommen Deutschkurse kostenlos und einige wollen kostenlos in Deutschland studieren und werden Stipendien oder Bafög verlangen. Einheimischen wergnehmen was das Zeug hält und illegal gekommene Fremde beschenken und gut versorgen. Sollen doch Flüchtlinge auf Kredit studieren, den sie dann zurückzahlen oder abstottern müssen. Vorschlag, Studienkredite für Flüchtlinge entlasten den Staat, Marktlücke für Banken. Wo bleibt die Gleichbehandlung?

websaurier, Dienstag, 13.September 2016, 16:18 Uhr

15. Nachilfe...


Unabhängig vom sozialen Status:
Die Nachhilfe ist bei vielen Wichten zwar nicht gratis aber dennoch umsonst...

Iri Na, Dienstag, 13.September 2016, 15:27 Uhr

14. Kein Wunder

Über Lehrermangel braucht sich keiner wundern, wenn viele Lehrer mittlerweile nur für das Schuljahr angestellt werden und dann im Sommer 6 Wochen schauen müssen, wie sie über die Runden kommen, auch wenn sie die Arbeit von 12 Monaten in 10 Monaten leisten. Das ist letztich staatlich sanktionierte Zeitarbeit. Dazu kommen allerlei kreative Zusatzaufgaben seitens des Ministeriums, die Lehrer noch so nebenbei leisten sollen und oft Eltern, die zu denken scheinen, daß sie die Erziehung größtenteils auf die Schule abwälzen können, oben drauf noch viel zu große Klassen. Und dann natürlich die Klischees, daß Lehrer eh faul und inkompetent sind.

  • Antwort von Der Alfons, Dienstag, 13.September, 17:51 Uhr

    Das könnte man mal bei Politikern einführen. Aber das wäre dann der Untergang des Abendlandes. Dieser Staat ist einfach von Grund auf marode.

  • Antwort von sympathie träger, Dienstag, 13.September, 19:55 Uhr

    die politik und so manche gutmenschen wollen doch eh das alte langweilige abendland abschaffen ! drum brauchen wir ja auch noch mehr islamunterricht , bei denen läufts ja auch viel besser . drum kommen sie ja zu uns um usn von unseren elenden dasein zu erlösen !

Augsburgerin, Dienstag, 13.September 2016, 13:53 Uhr

13.

@ ein Münchner: Reiches Land meiner Meinung nach aber nicht für die Einwohner! Wenn in München alles im "Butter" ist wieso versuchen(und machen) so viele Münchner dann den Schulsprengel über den Wohnsitz zu ändern?
Am Anfang(noch keine Erfahrung mit dem System) ist alles rosa! :-)
Manchmal wacht man dann aus dem Traum auf und merkt das es mehr ein Alptraum war.
Vieles könnte sehr viel besser gemacht werden - angefangen beim Kultusminister.

  • Antwort von Ein Münchner, Dienstag, 13.September, 14:45 Uhr

    Mit dem Kultusminister gebe ich Ihnen Recht, der gehört ausgetauscht.
    Wir haben Erfahrung mit dem System, unser Großer ist im G8 in der siebten Klasse.
    Von einem Traum oder Albtraum weiß ich nichts, wir sind Realisten.
    Verglichen mit dem Kongo oder Syrien haben unsere Schüler geradezu traumhafte Bedingungen.
    Vielleicht hat das der eine oder andere aber vergessen.

  • Antwort von EIn Linker, Dienstag, 13.September, 15:41 Uhr

    Ich glaube, der Herr Spänle versucht es wenigstens, aber wird von beiden Seiten ausgebremst: Vom Finanzminister für den heiligen ausgeglichenen Haushalt und vom eigenen Ministerium. Sein "Verplapperer" mit den 800 gestrichenen Lehrerstellen vor ein oder zwei Jahren war bezeichnend, wahrscheinlich der Versuch eines Hilferufs gegen den Apparat: Seehofer hat getobt, nicht wegen der Stellen, sondern weil es zur Unzeit an die Öffentlichkeit kam.
    Anekdote zum Ministerium: Ein mir namentlich bekannter CSU-MdL sagte mal zu einem ihm (und mir) gut bekannten Kommunalpolitiker der Bayerischen Linken ganz unverblümt: "Du, dieses Ministerium ist nicht regierbar...."

  • Antwort von Land der Dichter und Denker, Dienstag, 13.September, 20:57 Uhr

    @ Ein Münchner: "Verglichen mit dem Kongo (...)"

    Schlimmer geht immer. Natürlich. Soll uns das jetzt beruhigen? Oder sollen wir so lange den Mund halten, bis es bei uns "am schlimmsten" ist? Europaweit sind unsere Schulen in der PISA-Rangliste jedenfalls immer noch peinlich weit hinten. Die Resultate guter Bildung sind Deutschlands einziger "Rohstoff".

H.Herrmann, Dienstag, 13.September 2016, 12:44 Uhr

12. Völlig daneben

Als Vater 3 Schulkinder (3x Gym), der seit vielen Jahren auch
„Support“ leistet, weil die unsinnigsten Dinge in Lehrpläne reingepackt werden,
und im Frontalunterricht „Fries oder Vogel stirb“ gelernt werden muss kann ich solche
Kuschelvorschläge nicht nachvollziehen. Dass die Gleitzeitinitiative in NRW stattfindet sagt wieder alles aus. Die einen sollen Büffeln bis zum Erbrechen, und Schüler in anderen Bundesländern werden auf „Rosen gebettet“ zum Abschluss geführt. Ändert endlich dieses ungerechte mittelalterliche föderale Bildungssystem in Deutschland. Dann reduziert sich auch das milliardenschwere Thema „Nachhilfe“ oder auch „Vorhilfe“, und man braucht nicht wieder im Nachhinein sozialistische Gleichmacherei betreiben.

  • Antwort von Bayerischr Vater, Dienstag, 13.September, 13:41 Uhr

    Abschluß ist bei weitem nicht Abschluß. Die Unterschiede sind innerhalb Deutschlands eklatant. Was in einem Bundesland "Schlechter Viertklassaufsatz" heißt, wird in anderen Bundesländern "Facharbeit Leistungskurs Abitur" genannt.
    Endlich ein einheitliches Bildungssystem in ganz Deutschland (von Europa möchte ich gar nicht reden)! Dann bräuchte man nicht mehr "Äpfel mit Birnen" zu vergleichen.
    Unsere 3 Kinder haben alle (bayerisches!) Abitur. Und das, obwohl sie "chancenlos" waren, weil sie aus einer "sozial benachteiligten Familie" stammen.
    In Bayern gehen Kinder noch (weitgehend) kostenlos zu Schule. In so manchen anderen Bundesländern umsonst.