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Für die Zeit nach der Kernkraft Ersatz-Gaskraftwerke: Bis zu drei in Bayern realistisch

Bayerns Kernkraftwerke werden 2022 abgeschaltet, die Stromautobahnen nach Norddeutschland nicht vor 2025 fertig. Um die Versorgung in der Zwischenzeit zu sichern, braucht es Reservekraftwerke – die Ausschreibung dafür läuft jetzt.

Von: Lorenz Storch

Stand: 09.07.2018

Kühlturm und Stromleitungen.  | Bild: MEV/Jonas Krüger

Die Strom-Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Amprion und TransnetBW haben die lange versprochenen Ersatz-Gaskraftwerke für Süddeutschland ausgeschrieben. Sie sollen eine unterbrechungsfreie Stromversorgung in den Jahren nach dem Ende der Kernkraft gewährleisten. Die Ausschreibung war ursprünglich bereits für vergangenes Jahr angekündigt.

Ausschreibung verlangt je eine Einrichtung in Südbayern und Schwaben

Zwei bis drei Gaskraftwerke für Bayern hatte Horst Seehofer einst versprochen – die Aussichten, dass sie tatsächlich kommen, sind mit der Ausschreibung gestiegen. Denn die Ausschreibungsbedingungen legen fest: Mindestens eine Einrichtung muss jeweils in Südbayern, Bayerisch-Schwaben, und in der Region Nordbayern/Südhessen liegen, eine weitere in Baden-Württemberg.

Die Leistung darf jeweils nicht mehr als 300 Megawatt betragen. Also deutlich weniger als bei modernen Gas- und Dampfturbinenkraftwerken. Aber die Ersatzkraftwerke sollen auch möglichst einfach und billig sein, denn sie nehmen nicht am normalen Strommarkt teil und kommen nur im Notfall zum Einsatz, wenn Strom aus Wind- und Sonnenenergie fehlt. Wahrscheinlich werden einfache Gasturbinen gebaut, ohne die zweite Stufe, die aus der Restwärme noch einmal Dampf erzeugt und den Wirkungsgrad dadurch deutlich erhöht. Einfache Gasturbinen sind in vielen Größen verfügbar und auch vergleichsweise schnell zu errichten.

Technologieoffene Ausschreibung – aber Gaskraftwerk wahrscheinlich

Die Ausschreibung ist technologieoffen: Es ist nicht von Kraftwerken die Rede, sondern von "besonderen netztechnischen Betriebsmitteln". Neben Kraftwerken könnten theoretisch auch Stromspeicher an der Ausschreibung teilnehmen, und sogenannte "abschaltbare Lasten": also zum Beispiel Industriebetriebe, die sich verpflichten vom Netz zu gehen, wenn der Strom knapp ist. Branchenkenner sind sich jedoch ziemlich sicher, dass es auf Kraftwerke hinausläuft.

Die Ausschreibungsbedingungen sehen vor, dass die Anlagen mindestens 100 Megawatt Leistung bringen und für 38 Stunden halten können - das ist für Speicher und abschaltbare Lasten schwer erreichbar. Die maximale Reaktionszeit der "besonderen netztechnischen Betriebsmittel" darf 30 Minuten betragen. Auch bereits stillgelegte Kraftwerke könnten teilnehmen, allerdings hatte die Bundesnetzagentur in den vergangenen Jahren die Stilllegung von Kraftwerken südlich der Mainlinie ohnehin stets untersagt, um die Stromversorgung nicht zu gefährden.

Bieter-Gedränge in Schwaben: drei Projekte schon am Start

Bieter-Gedränge könnte es in Bayerisch-Schwaben geben: Dort sind allein drei Gaskraftwerks-Projekte bereits bekannt. In Leipheim planen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, in Gundelfingen die Firma PQ Energy und in Gundremmingen der RWE-Konzern. Gleichzeitig ist das Leistungsvolumen für Bayerisch-Schwaben in der Ausschreibung jedoch auf 300 Megawatt begrenzt.

Wer bei der Ausschreibung das Rennen macht, soll im April nächsten Jahres klar sein. Ab 1. Oktober 2022 soll die Leistung der Bieter dann am Netz sein, für zehn Jahre bis 2032. Der Zeitplan ist sportlich. Ein Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Es wird knapp, aber wir sind optimistisch, dass die Betreiber es rechtzeitig fertig bringen."


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