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Tag des Umweltschutzes Ein Supermarkt ganz ohne Plastik-Verpackungen

Schätzungsweise 450 Jahre dauert es, bis eine Plastikflasche auf einer Deponie verrottet ist. Und dennoch: Nahezu überall sind in unserem Alltag Produkte aus Plastik enthalten. Dass es auch anders geht, beweist ein Supermarkt ohne Plastik-Verpackungen.

Von: Rebekka Preuß

Stand: 05.06.2018

Plastikfreier Supermarkt mit viel Holz | Bild: Grünkunft

Er knistert wie Plastik. Und der Beutel - den Edna Kleber-Belizário hier gerade mit Hülsenfrüchten befüllt -  ist auch durchsichtig - wie Plastik. Dabei soll doch hier im Laden in Wasserburg am Inn alles frei von Plastik sein?

"Tatsächlich handelt es sich hier nicht um Plastik. Unsere transparenten Zellulosebeutel bestehen zu 100% aus Holz. Dafür werden überwiegend Schnittabfällen aus der Holzwirtschaft verarbeitet. Dadurch ist dieses Material auch sehr sehr leicht kompostierbar. Das heißt, es besteht aus natürlichen Rohstoffen und es zerfällt zu natürlichen Rohstoffen."

Christoph Kleber, Ladenbetreiber

Folienbeutel verottet auf dem Kompost

In vier bis sechs Wochen verrottet der Folienbeutel auf dem heimischen Kompost, erklärt Christoph Kleber. Das sei noch einmal deutlich schneller als andere Bio-Kunststoffe, die es zum Beispiel auch aus Mais gibt.

"Die Idee ist vor cirka drei Jahren bei einem gemeinsamen Urlaub auf dem Bio-Bauernhof bei meiner Frau in Brasilien entstanden. Wir waren damals sehr unzufrieden über den Status Quo der Lebensmittelverpackungen. Wir waren uns sicher: Das muss doch auch anders gehen. Wir haben uns auf die Suche nach alternativen Materialien gemacht, sind sehr lange gefahren und haben mit allen möglichen Substanzen experimentiert. Letztendlich sind wir nach sehr langer Zeit und vielen Versuchen auf das Material gekommen."

Christoph Kleber, Ladenbetreiber

Eigener Supermarkt ohne Plastik-Verpackungen

Da war der Schritt zum eigenen Supermarkt für das Ehepaar die logische Schlussfolgerung. Christoph Kleber gab seinen Job in der Autoindustrie auf. Seine Frau Edna kommt ursprünglich aus der Filmbranche. Jetzt machen sie gemeinsam in Lebensmittel. Grundnahrungsmittel wie Zucker, Mehl, Getreide oder auch diverse Nüsse und Müslis bekommen die Klebers in großen Papiersäcken geliefert. Im ersten Stock über dem Laden wiegen sie die Produkte in gängige Verkaufsgrößen ab und füllen Sie in ihre plastikfreien-Folienbeutel um. Nur: Warum sind da nicht schon längst die großen Lebensmittel-Hersteller drauf gekommen?

"Zellulose ist etwas schwierig zu verarbeiten. Es lässt sich nicht wie Plastik verschweißen. Weshalb wir eine spezielle Verschlusstechnik entwickelt haben, die es uns auch möglich macht, diese Beutel zu verschließen. Unsere Verschlusstechnik genießt den Schutz des Deutschen Patent- und Markenamtes, ist also unser eigenes Markenzeichen und bleibt ein Geheimnis!"

Christoph Kleber, Ladenbetreiber

Beweis geführt: Es geht auch ohne Plastik

Aber: Dass es ohne Plastik gehen kann, haben Christoph Kleber und Edna Kleber-Belizário mit ihrer Erfindung definitiv bewiesen - auch mit den anderen Verpackungsmaterialien, die es in ihrem Laden gibt. Dazu gehören Vorratsdosen aus Glas und ein eigenes Pflandflaschen-System. In dem Regal mit Waschmitteln und Haushaltswaren finden sich daneben Zahnbürsten aus Bambus und nicht wie üblich aus Plastik. Seit Februar gibt es den Bioladen "Grünkunft" in Wasserburg. Die Waren können Kunden aber auch im Online-Shop bestellen.


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