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Heroinschwemme aus Afghanistan Drogenkrieg unter den Augen des Westens

Alleine in Deutschland konsumieren Drogenabhängige nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes über 50.000 Kilogramm Heroin pro Jahr – gewonnen aus Opium, das in Afghanistan derzeit auf Rekordniveau geerntet wird. Entlang der Schmuggelrouten kämpfen Transitländer wie der Iran einen fast aussichtslosen Kampf gegen die Rauschgifttransporte. Und die deutsche Drogenpolitik, die mit Förderprogrammen Bauern am Hindukusch dazu bringen will, Tomaten und Mais statt Opium anzubauen, scheint endgültig gescheitert. „Report München“ berichtet mit einer Reportage von der iranisch-afghanischen Grenze.

Von: Natalie Amiri, Oliver Bendixen

Stand: 30.08.2016

Dort sind bereits  3800 Polizisten und Soldaten bei Einsätzen gegen die Drogenschmuggler ums Leben gekommen.  Und seit im Nachbarland Afghanistan immer neue Rekordernten bei Anbau von Schlafmohn, dem, Rohprodukt für Heroin erzielt werden, nehmen auch die Transporte wieder zu . Zumeist über den Iran wird das bereits fertige Heroin auf Lastwagen versteckt transportiert und dann  weiter nach Europa gebracht – via Türkei und inzwischen auch über das Schwarze Meer.

Im Iran werden gegen Drogenschmuggler immer wieder Todesurteile gefällt und öffentlich vollstreckt – den Rauchgiftschmuggel in den Iran oder durch das Land hat das bisher aber nicht wirksam eingedämmt. Dazu kommt , dass die Todesstrafe verhindert , dass sich andere Länder – etwa in Europa – finanziell oder logistisch daran beteiligen den Kampf der dortigen Behörden gegen den Heroinschmuggel zu unterstützen. Nach Recherchen des ARD Politmagazins report München bemüht sich mittlerweile eine Justizkommission des Parlaments darum, die Todesstrafe für Drogendelikte im Iran abzuschaffen. Dann – so glauben Abgeordnete – wäre der Weg frei für internationale Unterstützung der Anti-Drogen-Operationen im Grenzgebiet.

Für das Jahr 2016 wird in Afghanistan eine neue Rekord-Opium-Ernte erwartet. Angebaut wird in jenen Provinzen , in denen die sogenannten "Warlords" das Sagen haben- also jene Stammesfürsten. die die Alliierten nach Einmarsch zu ihren Verbündeten beim Kampf gegen die Taliban gemacht haben . Dass unter den Augen des Westen dort Heroin produziert und nach Europa exportiert wird, ist augenfällig. Allerdings lassen auch die Taliban in den von ihnen rückeroberten Provinzen immer mehr Schlafmohn anbauen.

Für den Drogenexperten der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen Harald Terpe besteht kein Zweifel, dass ...

"… mit diesem Schwarzmarkthandel von Drogen ein Großteil der internationalen Gewaltkriminalität finanziert wird und auch des internationalen Waffenhandels."

Harald Terpe, Sprecher für Sucht und Drogenpolitik der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen

Im Klartext: mit Geld aus dem Heroinhandel wird der Terrorismus gesponsert.

Bereits zweimal hat Terpe die Bundesregierung aufgefordert  , ihre Anti-Drogen-Programme  etwa für Afghanistan auf den Prüfstand zu stellen. Fünf Millionen Euro etwa hat Berlin dafür gezahlt, dass Kleinbauern am Hindukusch statt Schlafmohn Mais oder Tomaten anbauen. Unter Experten gelten diese Strategien als gescheitert. Mal wachsen die alternativen Sorten nicht wie geplant , mal fehlen die Absatzmärkte. Die  Bauern sind enttäuscht , fühlen sich alleine gelassen und beginnen wieder Schlafmohn anzubauen.

In Deutschland sind die Folgen schon spürbar: es kommt immer mehr Heroin auf den Markt, mit immer höherem Wirkstoffgehalt. Die Zahl der Drogentoten steigt – etwa in München seit fünf Jahren  ohne Aussicht auf Besserung. Deutschlandweit ist die Zahl der  Erstkonsumenten von Heroin nach Beobachtungen der Behörden um fast 15 Prozent innerhalb eines Jahres gestiegen. Dazu kommen immer höhere Kosten im Gesundheitswesen – zum Beispiel für Therapiemaßnahmen und die Behandlung chronisch kranker Abhängiger und die Schäden, die durch die  Beschaffungskriminalität entstehen.  Und die Polizei nimmt wieder deutlich mehr Heroindealer fest, die die Szene mit Rauschgift versorgen.

Die Prognosen der Experten – so die Recherchen von report München -  sind düster. Er sei pessimistisch, sagt der Chef der Drogenfahndung im Bundeskriminal Christian Hoppe. 

"Das ist schon ein bisschen frustrierend. Man fühlt sich so ein bisschen wie der Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlen. Das man auf der einen Seite hier sein Bestes einbringt um die Zufuhr von Heroin beispielsweise auch in Großmengen durch türkische-kurdische Straftäter zu verhindern. Es aber auf der anderen Seite in Afghanistan weiter den Anbau in großen Mengen gibt und der Zufuhrdruck dadurch immer wieder aufrechterhalten wird."

Christian Hoppe, BKA Leiter Drogenfahndung

Dem BKA und seinen ausländischen Partnern geht es darum , das Heroin von Europa fernzuhalten. Angesichts der Rekordernten  sei das jedoch schwierig – zumal Kooperationen mit den Behörden in Afghanistan, dem Iran und mittlerweile auch in der Türkei gar nicht oder nur noch teilweise funktionierten. Die Erwartungen der Fachleute , dass sich daran so schnell etwas ändert , sind mittlerweile  sehr gering.     


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