18

Kritik am Vorstoß der FDP Diskussion um Ladenschluss reißt nicht ab

Seit vergangenem Wochenende ist die Debatte um den Ladenschluss wieder aufgeflammt. In Bayern darf der Einzelhandel nur Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr geöffnet haben - Ausnahmen sind etwa Bahnhöfe. Aufgeworfen hatte das Thema die FDP, die mit einer völligen Liberalisierung in den Landtagswahlkampf ziehen will.

Von: Irene Esmann

Stand: 29.03.2018

Frau blickt bei Dunkelheit in das Schaufenster eines bereits geschlossenen Modegeschäftes | Bild: picture-alliance/dpa

Die Kinder ins Bällebad oder ins Smaland – das Paradies für den Nachwuchs - während die Eltern sich die neuesten skandinavischen Wohntrends zu Gemüte führen und ein paar Kleinigkeiten besorgen um das traute Heim aufzuhübschen: Der Möbelriese Ikea ist gerade für Familien immer eine Reise wert. Und das am besten 24 Stunden – 7 Tage pro Woche, erzählt Johann Schmid, der im Verkauf bei IKEA in Eching arbeitet – und auch schon Zeiten erlebt hat, an denen der Möbelriese mehrere Sonntage im Jahr geöffnet war:

"Das ist auch gut angenommen worden von den Familien, war meistens gut besucht und das umliegende Gewerbegebiet hat davon auch gut profitiert."

Johann Schmid, Ikea

FDP will es dem Einzelhandel überlassen

Und genau deshalb zieht die Landes-FDP mit der Forderung nach einer völligen Liberalisierung des Ladenschlusses in den Landtagswahlkampf. Martin Hagen ist Spitzenkandidat der FDP und sagt:

"Wir finden nicht, dass es die Aufgabe des Staates ist, sich zwischen Händler und Konsument zu stellen."

Martin Hagen, FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl

Die Position der Liberalen ist klar: Der Markt solls und wirds schon regeln – die Politik soll sich aus den Ladenöffnungszeiten raushalten.

CSU lehnt Freigabe der Ladenöffnung ab

Ganz anders sieht das Joachim Unterländer. Er ist Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken und sozialpolitischer Sprecher der CSU im Landtag.

"Es sind in den Läden ja auch Menschen die arbeiten müssen. Und diese Menschen haben Familien, diese Menschen müssen sich danach richten, das sie mit ihren Partnern und Familien zusammenleben können, wenn es da keine Einschränkung gäbe würde das das Gemeinschafts- und das familiäre Leben völlig auseinanderreißen."

Joachim Unterländer, sozialpolitischer Sprecher CSU

Damit spricht er dem Möbelverkäufer Johann Schmid aus dem Herzen: Der 55-jährige Vater eines Sohnes ist seit insgesamt 20 Jahren im Unternehmen, seit 6 Jahren auch im Betriebsrat. Er sorgt sich um die Gesundheit von sich und seinen Kollegen im Einzelhandel – Stichwort flexible Arbeitszeiten:

"Eigentlich ist ja bekannt, dass der Mensch den gleichmäßigen Arbeitsrhythmus, das regelmäßige braucht. Als das ständige hin und her – heute spät, morgen früh, und vor allem – mit 30, 40 ist das vielleicht noch kein Problem, aber mit zunehmendem Alter sieht man die Dinge dann schon etwas anders."

Johann Schmid, Ikea

Gewerkschaften und Kirchen gegen Abschaffung der Ladenschlusszeiten

Auch die „Allianz für den Freien Sonntag“ – ein Bündnis aus Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen ist vehement gegen die Aufweichung oder gar Abschaffung der Ladenschlusszeiten. Sie weist darauf hin, dass schon jetzt immer mehr Beschäftigte so genannte atypische Arbeitszeiten haben – also Schicht- oder Sonntagsdienste oder mehr als 48 Stunden pro Woche. Innerhalb von 10 Jahren sei die Zahl der Arbeitnehmer, die das betrifft, um 10 Prozent gestiegen, mehr als 9 Millionen Menschen in Deutschland müssen am Wochenende arbeiten.

FDP argumentiert mit Zuschlägen

Für Martin Hagen ein Argument FÜR flexiblere Ladenöffnungszeiten:

"Wir haben ja die Situation, dass am Sonntag, Bäcker, Blumenhändler, Journalisten, Ärzte arbeiten – jetzt ausgerechnet im Einzelhandel den Sonntag zu einem Tabu zu erklären, das halte ich für falsch."

Martin Hagen, FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl

Zumal es ja auch Menschen gebe, die gerne am Sonntag arbeiten gehen, weil sie dann mit Zuschlägen rechnen können, so der FDP-Politiker weiter.

Auch bei Ikea in Eching war die Belegschaft gespalten, was die Sonntagsarbeit anging – eben wegen der besseren Verdienstmöglichkeit, erzählt Johann Schmid. Seine Warnung:

"Konkret ist es so gewesen, Samstags hatten wir ab 14 Stunden Zuschläge und als der Samstag ein normaler Werktag geworden ist, hieß es dann irgendwann- ja der Samstag ist ein normaler Werktag, deshalb sind die Zuschläge nicht mehr nötig. Da befürchte ich natürlich, dass das dann das Gleiche ist, wenn der Sonntag immer mehr aufgeweicht wird."

Johann Schmid, Ikea

Eigentlich, sagt Johann Schmid, müsste die Diskussion gerade eher in eine andere Richtung gehen: Wie man die Arbeitszeiten familienfreundlicher gestalten kann und auch so, dass die Arbeitnehmer in der Lage sind, bis zum Renteneintrittsalter ihren Job zu machen, ohne, dass sie vorher ausgebrannt und krank sind.


18

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Suarez, Donnerstag, 29.März, 16:50 Uhr

3. Bundesrecht bricht Landesrecht: sonntag nicht mit dem Grundgesetz vereinbar

Diese FDP braucht echt niemand. Die haben ja nicht einmal einen vernünftigen Juristen in ihren Reihen. Der hätte denen nämlich gesagt, dass man im Freistaat 10, 20, 100mal den Sonntag für die Ladenöffnung freigeben kann - aber die Verfassung der BRD genau das aushebelt. Bundesrecht bricht Landesrecht. Die FDP kann sich natürlich bemühen, sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat eine 2/3-Mehrheit zu organisieren (denn selber haben wird sie diese Mehrheit nie). Dann kann man die Verfassung ändern. Auf diese Weise ist die Freigabe des Sonntags für den Mammon aber nicht zu wollen. Geschweige denn zu haben. Gottseidank.

Basetuner, Donnerstag, 29.März, 15:34 Uhr

2. Mangelndes Verständnis

"Zumal es ja auch Menschen gebe, die gerne am Sonntag arbeiten gehen, weil sie dann mit Zuschlägen rechnen können" - sagt Martin Hagen.
Nein, die Leute gehen nicht gerne am Sonntag arbeiten, sie machen das um ihren niedrigen Verdienst aufzubessern. Denn meinst arbeiten dort Menschen, die solche Arbeit als Zweit- oder Drittjob verrichten.
Abgesehen davon, wenn ich es nicht schaffe meine Einkäufe von Montag bis Samstag zu erledigen, dann läuft etwas ganz anderes schief.

Squareman, Donnerstag, 29.März, 14:07 Uhr

1. Wer profitiert?

Davon würden doch nur die großen Ketten profitieren. Die Zeche zahlt am Ende der Verkäufer. Das führt zu noch mehr Arbeit auf Abruf und sinkenden Löhnen. Nur deswegen weil die Geschäfte länger auf haben habe ich auch nicht mehr Geld zum ausgeben. Die FDP hat leicht reden, von denen hat doch keiner eine vernünftige Arbeit gehabt.