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Japan Die Eismauer in Fukushima hält nicht

Die Abschirmung der Katastrophenreaktoren im japanischen Atomkraftwerk Fukushima funktioniert nicht wie erhofft. Die unterirdische Eismauer dämme den Zufluss von Grundwasser zwar ein, löse das Problem aber nicht, erklärte eine von der Regierung eingesetzte Expertengruppe am Mittwoch. Daher seien zusätzliche Maßnahmen nötig.

Stand: 07.03.2018


Arbeiter in Schutzanzügen an der 1.5-kilometer langen und 30 Meter tiefen Eismauer um die vier zerstörten Reaktorenblöcke in Fukushima. | Bild: dpa-Bildfunk/picture alliance/MAXPPP

Die 1500 Meter lange und 35 Milliarden Yen (267 Millionen Euro) teure Vorrichtung sollte das umliegende Erdreich einfrieren und so verhindern, dass Grundwasser in die verstrahlten Reaktoren sickert oder mit radioaktivem Wasser von dort in Berührung kommt.

Den Experten zufolge hat die Konstruktion den Grundwasserzufluss aber lediglich halbiert. Deshalb muss zusätzlich Wasser abgepumpt werden.

Tsunami und Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011

In der nordostjapanischen Präfektur Fukushima ereignete sich vor sieben Jahren eine schwere Nuklearkatastrophe. Sie war eine Folge von Unfällen und Störfällen im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi ("Fukushima I"). Die Katastrophe hatte ihren Ausgang im schwersten je gemessenen Seebeben Japans, dem nach der Region benannten Tohoku-Beben.

In drei der sechs Reaktorblöcke von Fukushima I kam es zu Kernschmelzen. Große Mengen radioaktiven Materials wurden freigesetzt und kontaminierten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel der Umgebung. Rund 170.000 Bewohner wurden in den folgenden Tagen aus den betroffenen Gebieten evakuiert.

Fünfmal häufiger zu psychischen Störungen

Untersuchungen zufolge kommt es unter den Umgesiedelten etwa fünfmal häufiger zu psychischen Störungen als im japanischen Landesdurchschnitt. Unter den evakuierten Senioren stieg die Sterblichkeit in den ersten drei Monaten um das Dreifache. Hunderttausende zurückgelassene Tiere aus landwirtschaftlichen Betrieben verendeten. Die Zahl der Toten im havarierten Kraftwerk sowie durch die Evakuierung oder ihre Folgen wird auf etwa 600 beziffert.

Entsorgungsarbeiten dürften noch 30 bis 40 Jahre dauern

Insgesamt wird langfristig mit bis zu 10.000 Toten durch die Atomkatastrophe und ihre Folgeerkrankungen gerechnet. Strahlungserkrankungen machen davon nur einen geringeren Teil aus.Schätzungen zufolge dürften die Entsorgungsarbeiten 30 bis 40 Jahre dauern. Die Folgekosten der Katastrophe werden auf 150 bis 200 Milliarden Euro beziffert. Nach Fukushima stieg weltweit die Skepsis gegenüber der Kernenergie.


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