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Pläne der Staatsregierung Der Jubel über die Kita-Offensive hält sich in Grenzen

Die Staatsregierung hat in dieser Woche eine so genannte Qualitätsoffensive für Kindertagesstätten beschlossen. Die bayerischen Kommunen reagieren verhalten, zumal es ohnehin an Personal und geeigneten Grundstücken fehlt.

Von: Lorenz Storch

Stand: 10.05.2018

Bayern ist Familienland, sagt CSU-Ministerpräsident Markus Söder. Anstatt kostenlose Kitas, wie in anderen Bundesländern Realität und von Landtags-SPD und Freien Wählern gefordert, hat Söders Kabinett eine sogenannte "Ausbau- und Qualitätsoffensive" beschlossen:

"Kostenlos-Kita bringt nichts. Wir brauchen eine bessere Qualität. Zum zweiten brauchen wir auch mehr Plätze", sagt Ministerpräsident Söder (CSU). Bis zum Jahr 2020 sollen 30.000 neue Plätze geschaffen werden. Und darüber hinaus will er für den Schulbereich 10.000 zusätzliche Hortplätze.

Söder: Der Freistaat zahlt das meiste

Konkret errichten und betreiben müssen diese versprochenen neuen Kita- und Hortplätze allerdings die bayerischen Kommunen. Mag sein, findet Söder, aber: "Im Grunde genommen zahlt der Freistaat Bayern fast das meiste - zahlt überall auch den größten Anteil. Drum wenn man sagt, nur die Kommunen schaffen das: Der Freistaat finanziert nahezu alles."

Die Zuschüsse des Freistaats für Kitas sind nicht gedeckelt, das könne man nicht für viele Haushaltsposten sagen, so Söder.

Kommunen: Die Details zählen

Die Reaktion der Kommunen auf die Kita-Offensive der Staatsregierung fällt verhalten aus. "Wir tun ohnehin schon, was wir können für mehr Kita-Plätze", so der Städtetags-Vorsitzende und Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). Und: "Grundsätzlich ist es nützlich, dass wir noch mehr Unterstützung bekommen. Aber wir müssen darauf achten, wie es erfolgt. Wir müssen darauf achten, dass die Kommunen nicht zusätzlich belastet werden."

Geld ist nicht alles

Für Kitas fehlt es an Personal und an Grundstücken – daran wird auch mehr Geld nichts ändern, heißt es vom Städtetag. Und auch beim Ausbau der Horte sehen die Kommunen noch Gesprächsbedarf mit der Staatsregierung – schließlich gebe es auch andere Möglichkeiten für Ganztagsbetreuung im Grundschulalter. Die - das bleibt unausgesprochen - für die Kommunen günstiger zu haben sind.

"Tagespflegepersonen" sollen helfen

Ein weiteres Element der Kita-Qualitätsoffensive: Die Staatsregierung will ab dem nächsten Kindergartenjahr bayernweit 2.000 "Tagespflegepersonen" für die Kitas gewinnen. Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU): "Der Tagesmütterbereich soll zum einen die Randzeiten mit abdecken. Aber natürlich ist es auch, wenn alle Kinder da sind, sehr schön, wenn wir eine weitere Person haben. Ich nenne es immer einen qualifizierten Schoß."

Gemeint sei eine zusätzliche qualifizierte Person, die die Erzieherinnen entlasten könne, damit die sich den originären Erzieheraufgaben widmen können.

Überall fehlt Personal

Auch wenn sie eine wesentlich kürzere Ausbildung als Erzieher und Kinderpfleger haben: Tagesmütter zu bekommen, wird nicht leicht, gibt Dirk Rumpff vom Evangelischen KITA-Verband Bayern zu bedenken: "Es fehlen sowohl Tagespflegepersonen als auch Kindertagespflegepersonen. Wir haben in beiden Bereichen einen Mangel. Ein Ansatzpunkt wäre vielleicht, dass man noch zusätzliche Entlastung im hauswirtschaftlichen Bereich bekommt."

Also Kräfte, die dafür sorgen, dass sich das erzieherische Personal nicht auch noch zum Beispiel ums Mittagessen kümmern muss, wie in vielen Einrichtungen bisher üblich.

SPD sieht nur einen Tropfen

Natascha Kohnen von der SPD kommentiert die Kita-Offensive der Staatsregierung so: "Es ist jetzt ein kleiner Tropfen sozusagen auf den heißen Stein. Aber worum es geht: dass die Erzieher endlich besser bezahlt werden. Ihrem Job und ihrer Verantwortung angemessen."

Wie Bayerns Kinder genug Betreuungsplätze bekommen – und das in guter Qualität – wird noch für viele Diskussionen sorgen – nicht nur im Landtag.


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