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Unternehmerporträt Ein Leben für Leder - das Familienunternehmen Kilger aus Viechtach

Der Beruf des Gerbers ist ein aussterbender Beruf. In den 1960er Jahren gab es an die 450 Lederfabriken in Deutschland. Heute sind es nur noch an die 25. Eine davon steht seit 160 Jahren in Viechtach im Bayerischen Wald - und denkt gar nicht daran, von der Bildfläche zu verschwinden.

Von: Viola Nowak

Stand: 25.07.2018

In der Lederfabrik Kilger im niederbayerischen Viechtach läuft gerade die Übergabe an die sechste Generation: Michael Kilger ist 29 und wird in den nächsten drei bis fünf Jahren den Familienbetrieb von seinem Vater Anton Kilger übernehmen. Sohlen für bekannte Schuhmarken aus den USA, luxuriöse Sättel und Trensen für die besten Rennpferde der Welt, Cricketbälle für den beliebten Sport aus England - sie alle haben eines gemeinsam: das Material stammt oftmals aus der Lederfabrik Kilger. Die Firma hat will zeigen, dass auch im 21. Jahrhundert hochwertiges Leder eine Zukunft hat.

Rein pflanzlich gegerbt: "Öko-Leder" aus Süddeutschland

Das Kilger-Leder: aus Rindshäuten, die überwiegend aus Süddeutschland stammen. Sie werden durch eine rein ökologische Gerbung aus Wasser und Baumrinde haltbar gemacht. ‘’Vegetabile Grubengerbung’’ nennt man das. Dafür kommen die Häute sechs bis acht Wochen in eine der Gerbgruben. Mit Wachsen und Ölen werden sie anschließend veredelt. Echtes Manufaktur-Leder – bis es fertig ist, vergehen drei bis vier Monate. Etwa 1.000 Kuhhäute werden wöchentlich so zu hochwertigem Leder verarbeitet.

"Die vegetabile Gerbung ist die langsamste und schonendste Art und Weise, wie man Leder gerben kann. Es entstehen auch keine Knicke wie es im Fass zustande kommt und deswegen hat man danach ein sehr, man nennt es festnarbiges Leder, wenn die Hautstruktur fest und steif ist. Und das bekommt man durch die Art, wie wir das machen, kombiniert mit den Häuten, die wir einsetzen."

Michael Kilger, Lederfabrikant

Auch eigene Lederware

Eigentlich hat Michael Kilger Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing in München studiert. Dann arbeitete er eine Zeit in Regensburg. Doch die Liebe zum Leder brachte ihn wieder zurück nach Viechtach. Schon vor einigen Jahren hatte der 29-Jährige die Idee, aus dem eigenen Leder auch selbst etwas herzustellen. Hochwertige Gürtel nämlich - einfach, weil die Markenartikel, die es zu kaufen gab, für ihn ein "echtes Glump" waren.

Von Sattlern und Schuhmachern bekam Michael Kilger gezeigt, wie man Leder verarbeitet. Heraus kam eine eigene Kollektion an handgefertigten Gürteln. Das Logo "MK" soll nicht nur für den Namen des Junior-Unternehmers, sondern auch für den Anspruch lebenslanger Garantie stehen. Jedes Stück stellt er individuell nach Maßen und Wünschen der Kunden her, der Vertrieb erfolgt im eigenen Internet-Shop.

Familienbetrieb mit Tradition und Ausblick

Nach 40 Jahren, die Senior Anton Kilger den Familienbetrieb geleitet hat, möchte er nun an die nächste Generation übergeben. Er selbst wurde damals ins kalte Wasser geworfen: Als er 15 Jahre alt war, starb sein Vater. Als ältester von drei Geschwistern übernahm er mit seinem Großvater- und machte nebenbei auch noch eine Kaufmanns- und eine Gerberlehre. Das Gymnasium musste er zugunsten des Familienbetriebs verlassen. Doch ein Familienbetrieb muss weitergehen.

"Ich bin jetzt die fünfte Generation. Ich mach' das ja nicht nur für mich, sondern ich bin eine Generation lang da und dann kommt die nächste Generation. Man gibt das weiter. Und das ist schon eine gewisse Verantwortung, die man fühlt."

Anton Kilger, Seniorchef, Lederfabrik Klinger

Die Weitergabe scheint geglückt: die sechste Generation der Viechtacher Lederdynastie hat schon damit begonnen, das Unternehmen in die Zukunft zu führen.


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