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Pflege-Experte Claus Fussek "Die Arbeitsbedingungen sind grauenhaft!"

Wer Angehörige zu Hause pflegt, muss auf vieles verzichten - Karriere, Geld, Freizeit. Bayerns Staatsregierung möchte der häuslichen Pflege mehr "Würde" verleihen - und will tief in die Kasse greifen. Für den Pflege-Experten Claus Fussek gehen die Pläne nicht weit genug.

Stand: 11.04.2018

Den Plan von Bayerns Staatsregierung, pflegenden Angehörigen ab September 1.000 Euro pro Jahr zu zahlen, nennt Pflege-Experte Claus Fussek "ein Signal". Dies gehe ihm aber nicht weit genug, sagte Fussek in der Bayern 2-radioWelt.

"Rechnen Sie das mal durch auf 12 Monate. Da kriegen Sie pro Tag den Gegenwert von einem Cappuccino. Das sieht schon etwas dürftig aus, wenn man weiß, dass ein Pflegetag in der Regel 24 Stunden dauert."

Claus Fussek

Zum geplanten Landesamt für Pflege, das sich um die Ausbildung von Fachkräften kümmern soll, sagte Fussek:

"Wir brauchen kein Landesamt, wir haben da keinerlei Erkenntnisprobleme. Diese ganzen Aufgaben sind Aufgaben der Arbeitgeber, der Wohlfahrtsverbände, der Einrichtungsträger. Wir haben ein großes Problem, weil viele Pflegekräfte derzeit den Beruf verlassen, weil die Arbeitsbedingungen grauenhaft sind. Die Pflegekräfte sind kaum gewerkschaftlich organisiert, (…) und es werden die Schülerinnen und Schüler bereits in der Ausbildung verheizt."

Claus Fussek

Pflege wieder in staatliche Hand?

Zu den Aufgaben, die das Landesamt nach den Plänen der Staatsregierung übernehmen soll, gehören unter anderem die Schaffung neuer Stellen und bessere Arbeitsbedingungen. Zur Rolle der Politik sagte Pflege-Experte Claus Fussek:

"Die Politik kann das immer wieder thematisieren, aber die Politik muss dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen besser sind. Wenn die Arbeitgeber dem nicht nachkommen, dann muss man darüber sehr konkret nachdenken, ob die Politik die Verantwortung für die Pflege überhaupt wieder übernimmt."

Claus Fussek

Eine Entspannung der Versorgungslage durch die geplanten neuen Pflegeplätze in Bayern erwartet Pflege-Experte Fussek nicht:

"Wir werden derzeit diese Stellen überhaupt nicht besetzen können, weil es kein Personal gibt!"

Claus Fussek


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