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Duma-Wahlen in Russland Putins Rivale muss aus der Ferne zuschauen

Am Sonntag wird in Russland eine neues Parlament gewählt. Einer der bekanntesten Gegner von Wladimir Putin erlebt die Wahl im Exil: Der ehemalige Oligarch Michail Chodorkowski. Könnte er Putin bald wieder gefährlich werden - eine Dokumention im BR-Fernsehen geht dieser Frage nach.

Von: Sebastian Meineck

Stand: 13.09.2016

Kremlkritiker Michail Chodorkowski | Bild: picture-alliance/dpa

"Ich weiß ganz genau, was zu tun ist. Ich weiß ganz genau, dass Putin das Land in die Krise geführt hat. Die Krise wird sich weiter verstärken und ich weiß, wie man aus dieser Krise heraus kommt."

Michail Chodorkowski

Der Filmemacher Cyril Tuschi

Ein Russland ohne Wladimir Putin, das ist der Traum von Michail Chodorkowski. Zehn Jahre hat Chodorkowski im russischen Gefängnis verbracht, bis zu seiner Begnadigung. Filmemacher Cyril Tuschi hat Chodorkowski in der Schweiz besucht und einen Mann getroffen, der genau weiß, was er mit seiner neuen Freiheit vorhat. Er plant den Machtwechsel in Russland, ganz konkret.

"Die Hauptelemente sind ohne jede Zweifel ein Rechtsstaat. Die Umverteilung der Macht vom Präsidenten hin zu Gerichten und dem Parlament. Von der zentralen hin zur lokalen Verwaltung."

Michail Chodorkowski

Einst galt Chodorkowski als der reichste Mann Russlands, ein Öl-Oligarch mit einem Milliarden-Vermögen. In den frühen Nullerjahren tritt der reiche Unternehmer zunehmend politisch auf. Chodorkowski unterstützt die Opposition, öffentlich. Und wird zur Bedrohung für den Kreml.

Im Jahr 2003 lässt ihn der Staat verhaften, offiziell wegen Korruption und Steuerhinterziehung. Nichts Ungewöhnliches für Andersdenkende, sagt Chodorkowskis Weggefährtin Irina Jassina.

"Man kann nur aus dem Untergrund etwas erreichen. Wenn man das offen versucht, machen sie dich platt. Sie erklären dich zum ausländischen Agenten. Du wirst ruiniert, ausgewiesen, verprügelt oder vergiftet. Alles kann passieren."

Irina Jassina, Weggefährtin von Michail Chodorkowski

Chodorkowski muss in eine sibirische Strafkolonie. Sein Ölkonzern Jukos wird in den Bankrott getrieben, durch Steuerforderungen des Staates. Im Jahr 2013 dann die Überraschung: Kurz vor den olympischen Winterspielen im russischen Sotschi wird Chodorkowski begnadigt. Offiziell aus humanitären Gründen. Experten halten es für einen pressewirksamen Schachzug vor den olympischen Spielen. Ob Chodorkowksi wieder politisch arbeitet, ist zunächst nicht sicher.

Das ändert sich, als die Proteste auf dem Maidan in der Ukraine gewaltsam niedergeschlagen werden. Chodorkowski will sich einmischen. Er belebt seine Oppositons-Bewegung „Open Russia“, sucht Verbündete, entwirft eine neue russische Verfassung. Will Chodorkowski Präsident werden?

"Das ist eigentlich nicht mein Ziel. Aber wenn das Land in einer Krise ist, die überwunden werden muss. Wenn es nötig ist, eine Verfassungsreform durchzuführen, dann bin ich bereit, diesen Teil der Arbeit zu erfüllen."

Michail Chodorkowski

Realistisch ist die Präsidentschaft für Chodorkowksi aktuell nicht, das bestätigt er selbst. Putin ist in Russland nach wie vor beliebt. Und Chodorkowski selbst hat zu viele Feinde in Russland, lebt zu seiner eigenen Sicherheit im Exil, neuerdings in London. Doch der ehemalige Oligarch gibt nicht auf, wenn es um  seinen russischen Traum geht. Die Dokumentation von Cyril Tuschi zeigt einen Aktivisten ohne Selbstzweifel. Der Mensch dahinter bleibt ein Rätsel.

"Wenn die Aufgabe für mich nicht lösbar ist, dann ist sie auch grundsätzlich nicht lösbar. Ich denke noch dreißig, vierzig Jahre, und Russland wird ein ganz anderes Land sein. Ich hoffe sehr, dass Putin uns nicht noch zwei weitere Jahrzehnte kosten wird."

Michail Chodorkowski

"Chodorkowskis neue Freiheit“, die Dokumentation ist heute um 22.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen zu sehen.


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Xaver, Dienstag, 13.September 2016, 17:34 Uhr

5. Im Kommunismus hat ein Arbeiter nach einem KP-Vortrag gesagt.

Wenn alle Fabriken und Kolchosen den Arbeitern und Bauern gehören, dann lasse ich mir mein Anteil davon aufzählen und haue ab in den Westen.

Xaver, Dienstag, 13.September 2016, 17:28 Uhr

4. Da muß man den Russen noch viele Probleme bereiten,

damit Chodorkowski Putin ersetzen kann. Saudische Monarchie muß den Markt mit billigstem Erdöl fluten, Sanktionen müssen noch x-mal verlängert werden, die Gasleitung aus Katar über Syrien und Türkei in die EU muß fertig sein, damit die Santionen auf Gas erweitert werden können, in kostspielige Kriege muß man die Russen verwickeln. Mit Chodorkowski als Präsidenten hätte der Westen billigen Zugang zu russischen Rohstoffen. Dann könnten wir in den nächsten 50 Jahren richtig Gas geben.

Fuchs, Dienstag, 13.September 2016, 17:24 Uhr

3. pers. Meinung:

@ Wolf: Wer googelt den heuzutage noch? Kein Wunder das Sie dann solche Sachen glauben!
Wieviele Leichen hat den die US-Regierung im Keller? Wo sind die Berichte dazu?

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 13.September, 19:44 Uhr

    Ich glaube an die freie Presse,dürfte in Putins Russland schwer zu finden sein,da lobe ich mir unseren ÖR und werde ihn mit allen Mitteln gegen AfD und Seehofer verteidigen..

Liane, Dienstag, 13.September 2016, 09:31 Uhr

2.

Das faktenlose Putinbashing im ÖR ist nicht mehr ertragbar!

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 13.September, 16:24 Uhr

    Wollen sie Bilder der Leichen die Putin im Keller hat? Braucht man nur Googeln, zB ermordete Journalisten in Russland....bei uns darf man darüber berichten,in Russland kann es das Leben kosten, soviel zum "ertragen"

BR-Fan, Dienstag, 13.September 2016, 08:44 Uhr

1.

Wie konnte Chodorkowski ohne Korruption und Steuerhinterziehung zum ehemals reichsten Mann Russlands werden?

Gehörte im Kommunismus nicht allen alles?

Diese Fragen müßte erst einmal beantwortet werden.

Ob das in der "Dokumentation "Chodorkowskis neue Freiheit“ beantwortet wird?

Aber wenn jemand reich ist dann ist die Herkunft dieses Reichtums EGAL.

Aber Michail Chodorkowski ist sicher auch ein lupenreiner Demokrat der bedauert werden muß, oder?
Bin gespannt!