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Nach jahrelangen Diskussionen EU will Umwelthormone regulieren

Sie sind in Konservendosen, Plastikflaschen oder Holzschutzmitteln: Chemikalien, die wie Hormone wirken, sogenannte Umwelthormone. Zuviel davon ist schädlich. Die EU will sie – nach jahrelangem Streit hinter den Kulissen – endlich regulieren.

Von: Miriam Stumpfe

Stand: 15.06.2016

Frau mit Reagenzgläsern | Bild: picture-alliance/dpa

Heute hat die EU-Kommission einen Kriterienkatalog vorgelegt, nach dem sie solche Umwelthormone identifizieren und zukünftig verbieten will. Der bekannteste Stoff unter den Umwelthormonen ist wohl Bisphenol A. Er steckt in harten durchsichtigen Kunststoffen von Plastikflaschen oder auch in der Innenbeschichtung von Konservendosen. Verschiedene Tierstudien haben gezeigt, dass der Stoff dieselbe Wirkung haben kann wie das Hormon Östrogen. Ein typischer Vertreter des Gruppe der sogenannten "Umwelthormone", erklärt Manuel Fernandez vom BUND:

"Das sind Chemikalien, die Hormone nachahmen. Und dann hat man zuviel davon im Körper, das bringt Funktionen wie zum Beispiel den Stoffwechselhaushalt durcheinander. Deswegen stehen die Stoffe in Zusammenhang mit Übergewicht und Fettleibigkeit."

Manuel Fernandez, BUND

Umwelthormone mittlerweile alltäglich

Gute Verpackung - aber schlecht für die Gesundheit?

Weil sich gerade bei Bisphenol A die Hinweise auf seine schädliche Wirkung verdichten, ist es in Frankreich in Lebensmittelverpackungen verboten, in Deutschland bisher nur in Babyflaschen. Allerdings ist Bisphenol A längst nicht der einzige Stoff, dem hormonähnliche Wirkungen nachgesagt werden. Auch Phtalate gehören dazu, die sogenannten Weichmacher in Plastik. Oder Parabene, das sind Konservierungsmittel in Kosmetika und Lebensmitteln. Ebenso enthalten viele Pflanzenschutzmittel die hormonähnlichen Stoffe. Oder, wie es EU-Gesundheitskommissar Vytatis Andriukaitis umschreibt: "Hormonaktive Stoffe gehören zu unserem Alltag, ob wir es wollen oder nicht."

Regulierung jahrelang verzögert

Umweltorganisationen schätzen, dass 800 verdächtige Stoffe in Umlauf sind. 2009 hat die EU beschlossen, dass diese Stoffe reguliert werden müssen, d.h. dass es Grenzwerte oder Verbote für besonders gefährliche Substanzen braucht. Vor drei Jahren hätte dazu eigentlich schon ein Vorschlag vorliegen sollen, doch hinter den Kulissen tobte offenbar ein Lobby-Krieg. Im Dezember hat sogar der EU-Gerichtshof die Kommission angemahnt, endlich ihre Kriterien vorzulegen.

Der Vorschlag, den die Kommission jetzt vorgestellt hat, wird den Gebrauch hormonschädlicher Chemikalien allerdings nicht nennenswert einschränken: Erstens geht es nur um Pflanzenschutzmittel und Konservierungsstoffe. Zweitens definiert sie Grenzen für Verbote sehr eng. Nur wenn nachgewiesen ist, dass eine Substanz gesundheitsschädlich ist und wenn klar ist, dass das auf ihrer hormonähnlichen Wirkung beruht, dann wird sie verboten. Ein Verdacht reicht nicht aus, und auch nicht Hinweise, dass ein Umwelthormon Tiere und Ökosysteme schädigt.

Grüne fordern Nachbesserungen

Eigentlich hat sich die EU beim Umgang mit Chemikalien darauf verständigt, das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Hier sei das nicht erkennbar, findet Mannuel Fernandez vom BUND. Den jetzt vorgelegten Vorschlag zu den hormonschädlichen Chemikalien muss die EU-Kommission mit Fachgremien sowie mit Europäischem Rat und EU-Parlament abstimmen. Von dort kommt schon der erste Gegenwind: Die Fraktion der Europäischen Grünen hat sich kritisch geäußert und fordert Nachbesserungen.


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Lichtblicker, Mittwoch, 15.Juni 2016, 21:04 Uhr

1. EU langsam - aber endlich wird reagiert

Da sage mir einer noch mal was gegen die EU.
Furchtbar langsam, aber es ist ein Lichtblick sich den Umweltproblemen stärker zu widmen. Wenn jetzt noch Augenmaß beim Verbot mit Glyphosat gezeigt wird?