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Bundeswehr Truppe in Nöten

Die Bundeswehr kämpft zur Zeit an vielen Fronten. Nicht nur im Ausland, sondern auch hier bei uns, zwischen Flensburg und Mittenwald, zwischen Aachen und Cottbus. Das Image der Bundeswehr ist durch zahlreiche Skandale angekratzt und die rechten Umtriebe in der Truppe bringen die Armee weiter in Verruf. Dabei hat die Bundeswehr sowieso schon mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.

Von: Hans Hinterberger, Alexander Loos

Stand: 25.05.2017

Heute Vormittag in der Edelweiß Kaserne Mittenwald, Tag der offenen Tür. Die Gebirgsjägerbrigade 23 bei einer Gefechtsübung. Kompaniefeldwebel Gerhard Kaiser ist für die Ausbildung mit zuständig. Der aktuelle Skandal prägt zur Zeit das Bild der Bundeswehr. Das ärgert ihn.

"Die Truppe ist alle zwei Jahre in Einsätzen, jetzt hier bei den Gebirgsjägern. Und da haben wir andere, wesentliche Dinge, über die wir uns den Kopf zerbrechen müssen. Aber klar, es tut einem schon ein bisschen weh. Aber ich glaube auch, dass es genügend Stellen gibt, die das wieder gerade ziehen."

Gerhard Kaiser, Kompaniefeldwebel

"Schluderei oder falsch verstandene Kameradschaft"

Unterschiedliche Meinungen der Bevölkerung

Wenn man auf Veranstaltungen der Bundeswehr nach der Meinung der Besucher fragt, erfährt man ganz unterschiedliche Ansichten. Vom Unverständnis, "warum gerade die Bundeswehr genutzt wird, um in rechtsradikale Themen einzusteigen" bis hin zu dem Gedanken "wo viele Männer zusammenwohnen, die mit Waffen zu tun haben, da kann sich eventuell auch mal so Gedankengut breitmachen". Aber es gibt auch Stimmen, die davor warnen wegen einiger Ausreißer "die ganze Truppe über den Kamm zu scheren".

Darüber ärgert sich auch der Bundestagsabgeordnete Tobias Zech, der viele Jahre lang Unteroffizier war und heute stellvertretender Präsident des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. ist. Ihn empört, dass es - trotz klarer Warnsignale - überhaupt einen Fall Franco A. geben konnte.

"Die Regeln sind aber auch gebrochen worden von den Vorgesetzten, die das nicht sofort zur Aufklärung gebracht haben. Und zwar mit der gebotenen Härte und Konsequenz. Wir erleben hier entweder Schluderei oder falsch verstandene Kameradschaft. Beides ist nicht tolerierbar."

Tobias Zech, CSU, Bundestagsabgeordneter

Durchsuchung der Kasernen war vorab bekannt

Die Wand eines Zimmers der Kaserne in Illkirch zegt eine Zeichnung eines Wehrmachtssoldaten, daneben hängt eine Maschinenpistole.

Auch für Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist dies nicht tolerierbar. Beim Besuch einer Kaserne betonte sie, dass die Wehrmacht für die Bundeswehr in keiner Form traditionsstiftend sei. Einzige Ausnahme seien einige "herausragende Einzeltaten im Widerstand", aber sonst habe die Wehrmacht nichts mit der Bundeswehr gemein. Nachdem an der Wand der Kaserne von Franco A. das Bild eines Wehrmachtssoldaten für Aufsehen sorgte, lässt sie deshalb alle Kasernen auf Wehrmachtsandenken untersuchen.

"Die Durchsuchung der Kasernen war vor allem eine Showveranstaltung. Sie war angekündigt. Jeder, der womöglich Nazidevotionalien hatte, hatte Zeit die wegzuräumen."

Christian Thiels, ARD-Bundeswehrexperte

Grundlegendes Führungsproblem

Auch von der Leyens Fraktionsfreund Tobias Zech hält das Traditionsthema für nicht allein entscheidend. Er sieht ein grundlegendes Führungsproblem - ebenso wie auch Ursula von der Leyen selbst, die der Ansicht ist, dass das bei der Bundeswehr geltende Prinzip der "inneren Führung" und Verantwortungsübernahme im Fall des Soldaten Franco A. "auf jeder Ebene" nicht funktioniert habe. Besonders schwerwiegend sei ihrer Meinung nach, dass die Vorgesetzten des Verdächtigen dessen rechtsextreme Äußerungen als "Ausrutscher" behandelt hätten.

"Die Bundeswehr hat sich schon mehr zum Unternehmen entwickelt, auch in der Personalführung. Es muss klar sein: Wer Soldat werden will, das ist kein Beruf wie jeder andere, das ist Berufung. Da gehört dazu, sich einzufügen, im Team arbeiten, aber auch, dass man für Frieden, Freiheit und Demokratie einsteht."

Tobias Zech, CSU, Bundestagsabgeordneter

Kann es sich die Bundeswehr überhaupt leisten, Soldaten auszusondern?

Andernfalls müsse man scharf aussondern! Doch kann sich die Truppe das leisten? Fakt ist: Die Bundeswehr kämpft um Personal. 35 Millionen Euro gibt sie jährlich aus, um Nachwuchs zu gewinnen. Doch das angeschlagene Image macht es natürlich nicht einfacher, junge Männer und Frauen für sich zu rekrutieren. Zudem überlegen offenbar auch gutausgebildete Soldaten, die Truppe zu verlassen.

"Die stehen in Konkurrenz mit der freien Wirtschaft. Weniger lebensgefährlich, besser bezahlt. Da muss die Bundeswehr nachsteuern. Sie nimmt im Moment aus Not auch Menschen, von denen man früher gesagt hätte: 'Charakterlich sind die möglicherweise ungeeignet.'"

Christian Thiels, ARD-Bundeswehrexperte

Doch dabei steht die Bundeswehr vor wichtigen Aufgaben! In Mittenwald werden die Gebirgsjäger in den Einsatz im Rahmen einer UN-Mission ins westafrikanische Mali verabschiedet. Die Soldaten unterstützen dort die UN-Mission Minusma, die zur Stabilisierung des Landes beitragen soll, das mit Terror und ethnischen Konflikten zu kämpfen hat.

"Wenn sowas passiert, das ist wirklich nicht schön. Aber wir schauen, dass wir unsere Buben und Mädchen, die wir jung hier vorbereiten, dass das unser Schwerpunkt ist."

Gerhard Kaiser, Kompaniefeldwebel

In sechs Monaten sind die Soldatinnen und Soldaten wieder zurück. Eines ist klar - die Bundeswehr wird dann nicht mehr dieselbe sein!


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Panzerschütze, Donnerstag, 25.Mai 2017, 11:08 Uhr

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Die einizigen Fehler bei der Bundeswehr sind, die Verteidigungsministerin und die Auslandseinsätze(auch Brandstifterei mit der NATO).

Sepp, Donnerstag, 25.Mai 2017, 10:03 Uhr

2. Der größte Fehler - die Aussetzung der Wehrpflicht

Was wir jetzt in der Bundeswehr sehen, ist die logische Konsequenz aus der Aussetzung der Wehrpflicht. Die Verantwortung hierfür trägt, und das hört man bisher nicht, der damalige Verteidigingsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. In einer Verteidigungsarmee, wie sie von unserem Grundgesetz vorgesehen ist, sorgt die Wehrpflicht dafür, dass ein breites politisches Meinungsspektrum in der Armee vorhanden ist, welches dazu beiträgt, dass es nicht zur Selektion und Vermehrung politisch extremer Einstellungen in der Truppe kommt. Diesen Selbstregulationsmechanismus hat man leichtfertig über Bord geworfen. Daher ist nur konsequent, wenn diejenigen, die die Aussetzung der Wehrpflicht zu verantworten haben, auch zur Verantwortung gezogen werden. Und sei es nur insoweit, dass sie nicht erneut auf der politischen Bühne erscheinen.

  • Antwort von holperbald , Montag, 05.Juni, 09:17 Uhr

    Die Wehrpflicht ist doch vorher schon Stück für Stück kastriert worden. 21 Monat, 18 Monate, 15 Monate, 12, 10, 6 Monate.

    Wie hätts denn weitergehen sollen? Ein Wochenend-Seminar anbieten? Ich finds auch nicht gut, dass sie abgeschafft wurde, aber KTvG hat wenigstens Nägel mit Köpfen gemacht... Jetzt wissen Soldaten und auch Arbeitgeber, woran sie sind..

    Dem Kommentar vonDaBärda kann ich nicht zustimmen. Entweder Soldat (dann mit allen Konsequenzen) oder nicht. Schönwettersoldaten, die nur Inlandsdienst machen, sorgen nur für Verstimmung innerhalb der Truppe.

Da Bäda, Donnerstag, 25.Mai 2017, 09:16 Uhr

1. Wehrpflicht

Die Wehrpflicht abzuschaffen war meiner Meinung nach ein Fehler. Sie sollte auf Inlandseinsätze beschränkt wieder eingeführt werden. Teilnahme an Auslandseinsätzen für Wehrpflichtige nur auf freiwilliger Basis. Einschränkung: Der Dienst an der Waffe sollte aus Gewissensgründen verweigert werden können. Ersatzweise Vollzeit Zivildienst über einen vergleichbaren Zeitraum.