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Personalmangel Bundeswehr erwägt Aufnahme von Ausländern

Seit dem Ende der Wehrpflicht leidet die Bundeswehr unter Personalmangel. Nun gibt es offenbar Überlegungen, auch Ausländer als Soldaten aufzunehmen - und ihnen im Gegenzug einen deutschen Pass zu geben.

Von: Griebeler, Monika

Stand: 21.07.2018

Soldaten des Panzergrenadierbataillon 401 nehmen an der Gefechtsausbildung teil. | Bild: dpa-Bildfunk/Axel Heimken

Eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums sagte der "Augsburger Allgemeinen", die Bundeswehr brauche qualifiziertes Personal: "Wir prüfen daher alle möglichen Optionen sorgfältig durch." Zu Einzelheiten wollte sich die Sprecherin dem Bericht zufolge aber mit Verweis auf den laufenden Prozess nicht äußern.

Eine der Optionen ist jedoch: Ausländer aufnehmen. Und ihnen im Gegenzug dafür möglicherweise einen deutschen Pass anzubieten. Tenor laut Bericht: "Wer bereit sei, für Deutschland sein Leben zu lassen, habe auch die Staatsbürgerschaft verdient."

SPD befürchtet "Söldnerarmee"

Das sogenannte "Weißbuch" zur Sicherheitspolitik, das vor zwei Jahren im Auftrag von Verteidigungsministerin von der Leyen erstellt wurde, befürwortete die Möglichkeit, EU-Ausländer in die Truppe aufzunehmen, bereits. Damals gab es an der Idee jedoch teils heftige Kritik.

Inzwischen scheint sich die Stimmung gedreht zu haben. So kann sich SPD-Verteidigungsexperte Brunner die Aufnahme von anderen Europäern in die Bundeswehr vorstellen.

Er warnt aber: "Wenn Bürger weiterer Staaten aufgenommen werden, gar gegen das Versprechen, einen deutschen Pass zu bekommen, droht die Bundeswehr zu einer Art Söldnerarmee zu werden." Die Reihenfolge müsse daher sein, dass sie erst deutsche Staatsbürger werden - und dann Bundeswehrsoldat.

CSU betont soldatisches Treueverhältnis

Florian Hahn, verteidigungspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, sieht das ähnlich: "Im Rahmen der europäischen Freizügigkeit könnten hier moderne Modelle entwickelt werden." Allerdings müsse bei jedem Soldaten das besondere Treueverhältnis gesichert sein.

Hahn bezieht sich dabei auf das deutsche Soldatengesetz: Daraus ergibt sich ein besonderes Treueverhältnis zwischen Staat und Soldat, als dessen Voraussetzung die deutsche Staatsbürgerschaft des Soldaten gilt.

Bundesregierung will Bundeswehr eigentlich aufstocken

Die Personalnot der Bundeswehr deutet sich schon seit Jahren an: Die Truppenstärke ist seit Ende des Kalten Krieges fast kontinuierlich gesunken. Mit Abschaffung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 fiel außerdem ein wichtiges Instrument zur Rekrutierung neuer Kameraden weg.

Seither mangelt es der Armee an Freiwilligen. Auch qualifiziertes Personal, etwa für die Cyber-Abwehr, fehlt, weil die Experten in der freien Wirtschaft deutlich mehr verdienen können.

Die Bundeswehr muss sich also was überlegen - zumal die Bundesregierung die Truppe aufstocken will von derzeit rund 180.000 Soldaten auf knapp 200.000 bis 2024. Durch neue Bedrohungen in der Welt wie Terror- oder Cyberattacken sei die Bundeswehr heute gefordert wie selten zuvor, sagte Verteidigungsministerin von der Leyen seinerzeit zu den Plänen: "Mit ihren Aufgaben muss auch die Bundeswehr wachsen dürfen."

Ausländische Soldaten in anderen Ländern bereits üblich

Andere EU-Länder nehmen bereits Ausländer in ihre Armeen auf. Bekanntestes Beispiel ist sicher die Fremdenlegion in Frankreich. Doch auch zum Beispiel Belgien, Dänemark und Großbritannien haben laut einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags ausländische Soldatinnen und Soldaten in ihren Reihen.

Und auch die Bundeswehr weist - Stand 2016 - schon einen Ausländer auf: einen rumänischen Militärarzt.


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Münchner1977, Samstag, 21.Juli, 14:05 Uhr

32.

Meine Überlegung muss man nicht teilen, sicher kann ich auch auf dem Holzweg sein.....
Aber schon 97/98 als Wehrdienstleistender habe ich die Meinung vertreten. Als die NVA 1990 aufgelöst wurde, hätte man das selbe mit der BW tun sollen. Und nach einem Austritt aus der Nato hätte man DE zu einem neutrales Gebiet mitten in Europa ernennen sollen. Und all die vielen finanziellen und auch menschlichen Anstrengungen der letzten fast 30 Jahre in Sachen „Einsatzbereitschaft“, in ein besseres Miteinander im geografischen Europa.....
Im Grunde sind wir heute nicht weiter als vor 50 Jahren, was die Kreativität in Sachen „gegenseitig umbringen“ angeht. Leider.....

  • Antwort von Atze, Samstag, 21.Juli, 14:50 Uhr

    @ Münchner 77:
    Nicht schlecht, das mit der Neutralität.Aber ein Land, das Waffen herstellt ......Wer wird wohl stärker sein? MfG

Atze, Samstag, 21.Juli, 13:51 Uhr

31.

Das zeigt das Dilemma ganz. Es zeigt, welche Aufgabe vor dem Staat liegt, den verlorengegangenen Stolz auf das eigene Land und die damit untrennbar verbundene Loyalität und den Verteidigungswillen unseres Lebens wieder zu
entwickeln. Wo sind wir nur angekommen? In einer Spassgesellschaft? Kann es auch nicht etwa sein, dass eine Situation kommt, wo Männer nicht nur modische Gecken sind? Gut, das sind nicht alle, das will ich einräumen , und unsere Politiker haben meiner Meinung nach völlig versagt, als sie die Pflicht zur Verteidigung Deutschlands einfach abschafften. Nun ist das Kind bereits im Brunnen und wir verschenken Staatsbürgerschaften???? Wie soll man noch stolz auf dieses Land sein? Schämen sollten sich solche Einfallslosen.Ich liebe jedenfalls mein Land und wünsche mir keine angeheuerten Abenteurer.Punkt.MfG

Gag der Woche, Samstag, 21.Juli, 13:23 Uhr

30. Bundeswehr

Es war heiß in den letzten Wochen, da kann man schon auf Schnapsideen kommen. Gibt es im Gegenzug auch Selbstverteidigungskurse für die Bevölkerung? Scheint mir nicht verkehrt zu sein sein. Und bitte die Kindergärten auflösen - die Kinder bleiben ganz einfach zu lange da drin. Mit 40 und mehr sollten sie einen Beruf erlernt haben und ihn beherrschen oder im Interesse der Allgemeinheit umschulen.

Die "Aufstockung" der BW könnte nach hinten losgehen. Wir sind nicht so beliebt in der Welt, wie wir uns das einbilden. Da ändert auch die ständig geöffnete Geldbörse nichts dran. Mancher wird sich freuen, uns "behilflich" sein zu können.

Na so was, Samstag, 21.Juli, 13:15 Uhr

29.

Der Graf von und zu, oder was sonst noch, Guttenberg hat ohne Not die Armee des Bürgers in Uniform abgeschafft. Langsam wird sichtbar wie "klug" das alles geplant war!

  • Antwort von Ehemaliger Bundeswehr-Soldat, Samstag, 21.Juli, 13:29 Uhr

    Blödsinn. Die Bundeswehr war schon unter Rühe (FDP) kaputtgespart.

  • Antwort von Rosl, Samstag, 21.Juli, 14:07 Uhr

    Von und zu hatte recht, sonst wäre heute schon die Hälfte der Wehrpflichtigen Ausländer. Er brauchte sich nur die Geburtenstatistik anzusehen. Übrigens ist die deutsche Armee nicht für die Bürger da, sondern für die Regierung.

  • Antwort von Amelia, Samstag, 21.Juli, 14:34 Uhr

    Sorry, aber es war klug, diese Pflicht abzuschaffen.
    Die Pflichtsoldaten, die nur Dienst nach Vorschrift schieben und nicht in Auslandeinsätze geschickt werden dürfen, kosten unnötig Geld. Wenn es zuverlässige Ausländer sind, die für Deutschland an der Seite Deutscher dienen und arbeiten WOLLEN, warum nicht? Besser, als "Dienst- nach- Vorschrift- Figuren". Außerdem können die oft kein Deutsch, aber Englisch, was bei Auslandeinsätzen auch gut ist....

Erich, Samstag, 21.Juli, 13:09 Uhr

28. Beim Thema Loyalität zu einem Land,

fällt mir doch glatt wieder Özil ein. Sein Präsident lebt auch nicht in Deutschland.